Ein Kind ist geboren!

„Es ist etwas geschehen“

Diese kurze 1925 erschienene Weihnachtsbetrachtung Gilbert Keith Chestertons stellt den christlichen Bezug auf die Geburt Christi modernen Haltungen gegenüber:

Im Mittelpunkt ersterer stehe die „Gute Nachricht“, die mit dem Freudenruf: „Ein Kind ist geboren!“ beginnt. Demgegenüber könne die Moderne keinen solchen vorweisen, es sei unmöglich zu rufen „die Menschheit“ oder „die Schöpfungskraft der Evolution hat sich gerade ereignet“, ebenso wenig, wie man Entwicklungen anbeten könne.

Chesterton hält es nicht für wichtig, ob die „evolutionäre Theorie der Ursprünge“ wahr oder falsch ist, sondern ob aus dieser ethische Folgerungen abgeleitet werden dürften und warnt:

„Die moderne Welt hat in diese Geschichte der Urzeit eine völlig böse Idee hineingelesen, nämlich die Relativierung gegen die Realität zu setzen“.

Aus der Relativierung durch als sich entwickelnd gedachte Maßstäbe, könne der Mensch Entschuldigungen für „jedwede Grausamkeit oder jeden Verrat“ finden, indem er behaupte, „er hinke seiner Zeit nur ein wenig hinterher oder sei ihr sehr weit voraus“.

Am Ende der Betrachtung kommt Chesterton noch auf die „etwas mystischeren Vertreter der Moderne“ zu sprechen, die Reinkarnationsgläubigen, denen ebenfalls ein „aufregendes und außergewöhnliches Ereignis“ im Sinne der christlichen guten Nachricht fehle:

Die Inkarnation kann nicht die Ausnahme sein in einer Welt der Reinkarnation. Wenn für Gott die Materie keinerlei Bedeutung hat, dann ist der Moment, in dem er Materie wird, immateriell. Keines dieser Glaubensbekenntnisse kann eine Geschichte erzählen, ihre Geschichten sind zu lang. Doch unsere Geschichte beginnt mit einem lauten Schrei in der Nacht und mit jenem erschütternden Glockenklang in der Finsternis, wie der Klang großer Geschütze, die Schlacht und Sieg verkünden. Etwas ist geschehen. Und lesen wir die Geschichte richtig, ist seither vielleicht gar nichts mehr geschehen.

In diesem Sinne, liebe Leser, freut euch: ein Kind ist geboren!

Zitate aus der Sammlung „Die Englische Weihnacht“, Verlag nova & vetera

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Eine Antwort zu Ein Kind ist geboren!

  1. Ana María Pilar schreibt:

    Gratulation für den schönen Gedanken, gerade mit dieser Passage aus der „Englischen Weihnacht“ begonnen zu haben, denn „mit einem lauten Schrei in der Nacht“, zumindest mit einem Schrei, lieber clamormeus, bist Du diesen Blog angegangen, damit er gut hörbar beim Empfänger ankommen möge. Und mit Verlaub, Chesterton darf es noch öfter sein, denn welche, wenn nicht seine Worte, haben wir uns in dieser Zeit wieder zu vergegenwärtigen…

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