Ätsch, wir feiern die konstantinische Wende!

Für Christen beginnt ein neues Jahr mit der Adventszeit, Juden feiern ihr Neujahrsfest im Herbst, für manchen bleibt der Frühlingsanfang der Tag des Neubeginns, der Varianten sind viele. Die verbreitetste Neujahresfeier aber ist die bürgerlich kalendarische, in der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar. Erstaunlicherweise wird diese bis heute nach dem Mann benannt, dessen Fest sie im öffentlichen Bewußtsein fast verdrängt hat: Silvester.

Da beschleicht doch den Verfasser, der seit Jahren ein immer stoischerer Ignorant dieses Events ist, so etwas wie eine klammheimliche Freude: der Mann war Katholik. Er war Römer. Und er war sogar Papst, von 314 – 335.  Dazu wurde er obendrein heilig gesprochen! Tja.

Aber es kommt noch besser: er war der erste, der im Gegensatz zu seinen 31 Vorgängern nicht als Märtyrer sterben mußte. Römischer Kaiser war zu seiner Zeit ein gewisser Konstantin, ja, genau der, dem die Kreuzerscheinung verhieß: In hoc signo vinces. Und wie er in diesem Zeichen siegte ! Er beendete die Christenverfolgung in Rom und ließ sich von wem taufen? Genau von Papst Silvester, den der Kaiser dann darin unterstützte, auf dem Lateran viele Basiliken zu bauen und den Glauben zu verbreiten. Und er war es auch, der das Erste Konzil von Nicäa leitete, wo der katholische Glaube erstmals grundlegend dargelegt, und der Arianismus verurteilt wurde. Hehe!

Daran denke ich, wenn alles schreit: „Knallbumm, hurra wir feiern heut Silvester!“, das alles ist durch den Namenspatron mitgemeint! Und in diesem Sinne feiere ich also doch von Herzen mit. Dieser Heilige, diese Ära, die Roms Aufstieg zum Mittelpunkt der katholischen Kirche begründete und die jene Epoche einleitete, von der Nicolás Goméz Dávila sagt: „Der Katholizismus ist die Zivilisation des Christentums“. Dies alles ist wahrlich mehr als Grund genug, heute Silvester zu feiern! Und ich werde mir nachher gewiß sein, die ganzen Leute draußen trubelten auch aus diesem Grund herum. Ich weiß, das ist nicht so, aber machen Sie was dagegen, ich bild mir das ein!

Vielleicht hätte ich das hier auch nicht schreiben sollen, am Ende liest noch irgendeine der zahllosen Nanny-Komissionen mit, die ich auf die Idee bringe, die alljährlichen, eher feuchten als fröhlichen, lärmenden Rutschwunschpuntschpartys schleunigst umzubenennen. Aber auch das bärge eine Chance: daß sich die Kirche besinnen könnte, das Gedenken an diesen großen Heiligen Silvester wieder in aller gebührender Pracht zu feiern. Also ich tät auch nach der Jahresschlußandacht dann dableiben!

Wie auch immer, allen Lesern ein gelingendes Warten auf die aufsteigende Jahreszahl, ob mit Schaumwein oder ohne! Gleich ob wir morgen nun korrektermaßen 2013, 2018 oder 2020 A. D. sagen müßten, Hauptsache, wir zählen weiter nach Christi Geburt. Auch in diesem Sinne: kommt gut rein, rüber, weiter…

Sancte Silvester, ora pro nobis!

Über clamormeus

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7 Antworten zu Ätsch, wir feiern die konstantinische Wende!

  1. Roland schreibt:

    Silvester heißt der gute und heilige Papst, Sylvester ist u. a. der etwas vertrottelte Kater aus einer Zeichentrickserie… Trotzdem guter Beitrag und beste Wünsche für das neue bürgerliche Jahr!

  2. Frischer Wind schreibt:

    Wunderbarer, humorvoller Artikel! Bitte weiter so!
    Gottes reichen Segen für das neue Blog im neuen Jahr!

    • clamormeus schreibt:

      Ganz herzlichen Dank, Frischer Wind, dasselbe wünsche ich für Deinen eigenen!
      Humorvoll durchaus. Außer @Rolands Hinweis und einem privaten habe ich sage und schreibe 12 dringende Korrekturen vorgenommen, selbst für mich in so einem kurzen Text ungewöhnlich.
      Wahrscheinlich war ich gestern auf einer wilden Silvesterfete, abe ich erinnere mich immer noch nicht!

      • clamormeus schreibt:

        –sollte heißen: aber ich erinnere mich immer noch nicht.
        Hm, anscheinend feiert mich heute die orthographische Wende.

      • Frischer Wind schreibt:

        Vielen Dank!
        Ja, so ist das. Da kann man 5mal drüberlesen und dann findet man immer noch was… ;-)
        (Auch den Papst Silvester kann man übrigens „Sylvester“ schreiben; mit „i“ gibt es ihn aber häufiger und es kommt dem lateinischen Original (von: „silva“ Wald) wohl näher.

      • clamormeus schreibt:

        Wald? Dann bleib ich im Zweifel beim „y“, zugunsten irgendendeiner Wald – Ester wäre die Korrektur nicht vertretbar in diesem Kontext!

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