Versuche – Flucht vor Gott

Das 1934 erschienene Buch Die Flucht vor Gott von Max Picard beginnt mit den Zeilen:

Der Mensch ist zu allen Zeiten vor Gott geflohen, aber das unterscheidet die Flucht heute von jeder anderen: der Glaube war früher das Allgemeine, er war vor dem Einzelnen vorhanden, es war eine objektive Welt des Glaubens da; die Flucht hingegen spielte sich nur im einzelnen Menschen ab, sie kam erst dadurch zustande, daß der Einzelne sich durch einen Akt der Entscheidung von der Welt des Glaubens löste, er mußte sich erst seine Flucht schaffen, wenn er fliehen wollte. Heute ist es umgekehrt: der Glaube als objektive äußere Welt ist zerstört, der einzelne muß in jedem Augenblick sich immer von neuem durch den Akt der Entscheidung den Glauben schaffen, indem er sich von der Welt der Flucht löst: denn die Flucht, nicht mehr der Glaube, ist heute als eine objektive Welt da, und jede Situation, in die der Mensch kommen kann, ist von vornherein, ohne daß der Mensch sie erst dazu macht, eine Situation der Flucht, die selbstverständlich ist: alles in dieser Welt ist nur in der Form der Flucht vorhanden.

Vor einigen Jahren, als ich das Buch des mir damals unbekannten Schriftstellers wegen seines mich fast anspringenden Titels erwarb und dann nicht anders konnte, als es in einem Zug zu lesen, hatte es mich in vieler Hinsicht beschenkt, begeistert, bereichert, aber auch herausgefordert. Diese Herausforderung besteht noch jetzt.

So möchte ich endlich, zunächst anknüpfend an einige Gedanken, die Max Picard, der in diesem Nachruf eher als Seher, denn als Philosoph oder Kritiker gesehen wird, in Die Flucht vor Gott wie auch einigen anderen seiner Werke so plastisch und mit ganz eigentümlich faszinierender Sprachgewalt niederschrieb, in loser Folge hier auch einige eigene freiere Betrachtungen wagen, mit vermeintlich leise geahntem, aber vermutlich doch  noch unbekanntem Ziel und freute mich ganz gewiß auch bei diesem Versuch über Euer geschätzes Interesse!

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