Die Kirche allein ist schuld, stupid!

Kindesmißbrauch, Combox, Kirche

Die Leseempfehlung vorab: Josef Bordat verweist in einem wichtigen Beitrag auf das Phänomen, daß Berichterstattung über sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche in den Comboxen oft nur dann auf große Resonanz stößt, wenn über diese im Konnex mit der katholischen Kirche gesprochen wird. Und darüberhinaus etliche Kommentatoren diese Verbindung sofort wieder selbst herzustellen versuchen, egal von was oder wem im Artikel die Rede war, in diesem Fall vom kürzlich verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Savile, dem hunderte von Taten vorgeworfen werden.

Es scheint einigen Lesern nicht darum zu gehen, wie man dieser Verbrechen aus Triebbefriedungssucht, die nicht einmal zurückschreckt, sich an Kindern zu vergreifen, Herr werden könne; nicht darum, zu klären, wie es auch in der Kirche entsetzlicherweise zu solchen Vergehen kommen konnte; und nicht einmal nur darum, den Anteil von Priestern und Mitarbeitern der Kirche daran über alles Maß zu überhöhen, nein: angesichts etlicher Wortmeldungen in Comboxen großer Zeitungen, drängt sich der Verdacht auf, daß hier schon wütend aufgestampft wird, sobald ein Redakteur auf andere Fälle und Täter hinweist, so als sei die Berichterstattung über irgendeine nichtkirchliche Person oder über Institutionen, in denen diese Person beruflich tätig war, eine Art negatives Sakrileg, daß es wagt, das unumstößliche Dogma der Alleinschuld der katholischen Kirche anzutasten.

Beängstigend nennt Josef Bordat diese Entwicklung und das ist sie auch. Nun muß man zwar nicht davon ausgehen, daß solche Comboxgeflechte repräsentativ für die Bevölkerung seien; man sollte aber auch nicht meinen, es handelte sich nur um Einzelne, die in einem erbärmlichen Umfeld als Kinder bildlich mit dem Pfaffenspiegel verprügelt wurden, und die nun die Webportale großer Zeitungen nutzen, um ihre Wut und ihren Haß auf den erwählten absoluten Sündenbock Kirche einem vielfach größeren Publikum entgegenbrüllen zu dürfen, als es ihnen anderswo je vergönnt wäre. Ganz offensichtlich sind hier auch vernetzte pressure groups am Werk, die anscheinend über eine Truppe Fußvolk mit erstaunlich viel freier Zeit verfügen.

Es stünde mancher Onlineredaktion gut an, wenigstens den Teil der Kommentare zurückzuweisen, die sich weder um das jeweils besprochene Sujet kümmern, und nicht ohne übelste Beleidigungen, verleumderische Unterstellungen und andere Verbalinjurien auskommen. Und das wünschte ich für jeden Thread, nicht nur, wenn es um die Kirche geht, wohlgemerkt!

Denn eine zwangsläufige Folge massenhaften unsachlichen Schmähgebrülls sprachlichen Gossenniveaus ist ein Abwenden von Leserkommentatoren, die auf ein Mindestmaß an Niveau und Etikette Wert legen und die auch ihre Zeit nicht damit verschwenden wollen, sich mit Leuten auseinanderzusetzen, die für Argumente ohnehin nicht zugänglich sind; denen es nicht um ein Streiten um Wahrheit, sondern um ein Niederbrüllen und Beleidigen von Lesern anderer Ansichten geht, oder schlicht darum, irgendeine der antikirchlichen Kampagnen zu befeuern. Und auch sollten Redakteure daran denken, wie diese sozusagen einseitig gepöbelten Comboxen auf manchen Leser einwirkt. Der Journalist Gernot Facius sagt im Interview:

„Wer einen Blick auf die Leserkommentare zu religiösen Themen in den Online-Ausgaben vor allem Berliner Zeitungen wirft, wird staunen, welches aggressive antikirchliche Potential sich da aufbaut.“

Und dieses beginnt, allmählich spürbar überzuschwappen, beeinflußt manche Leser, die sich durch das auszeichen was Facius „erschreckenden religiösen Analphabetismus“ nennt und diese Mischung zeitigt bereits beängstigende Folgen.

Mag geziemende Moderation auch einen Verlust an Klicks mit sich bringen, der Gewinn wäre unendlich größer, auch für das jeweilige Portal selbst. Es geht  mitnichten darum, unerwünschte Meinungen wegen ihres Inhalts zu verschweigen, sondern ein Minimum an Sachlichkeit, Form, Anstand und Angemessenheit zu wahren. Daran wäre öffentliche Äußerungssatisfaktionsfähigkeit vorrangig zu messen. Es ist sehr wohl möglich, inhaltlich unterschiedlichste Lesermeinungen zu veröffentlichen, denen es durchaus nicht an Emotionalität oder auch Polemik ermangeln muß, und auch ein großes Gefälle in der Qualität aufweisen dürfen, ohne daß einem in jedem zweiten Post Gift und Galle entgegengespuckt werden, die andernfalls eben auch Bestandteil der jeweiligen Online- Zeitung sind. Und das Recht auf Nichtbeleidigung und Schutz vor übler Hetze und Verleumdungen darf kein Privileg einzelner Gruppen sein, es muß für alle gelten!

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