Lesezeichen – Heilbringergestalten gegen das Wort Gottes

Hier sei, sehr weit über das gleich gesagte hinaus, die Schrift Der Heilbringer in Mythos, Offenbarung und Politik von Romano Guardini  allerwärmstens zur Lektüre anempfohlen.

In dieser „theologisch – politischen Besinnung“ unternimmt es Guardini, die Herrschaft des Nationalsozialismus als logosfeindliche Ausformung eines neuen Mythus darzustellen, mit Hitler als die einem Mythos eigene Heilbringergestalt.

Was ist da geschehen? Das nicht mehr durch Christus überwundene und zugleich erfüllte mythische Grundmotiv des Heilbringers ist ins Heidnisch-Unerlöste zurückgefallen (…) Seine ortlos gewordene Energie, die nicht mehr durch die Gestalt des christlichen Herrschers gebunden und legitimiert war, hat sich wieder in ihrer heidnischen, richtiger gesagt, in ihrer abgefallen Form den Weg in die Geschichte gebahnt.

Die Erlösung der einzelnen Person aus der Ausgeliefertheit an die Rhythmen der Natur und deren Heilbringerngestalten, die durch Christus vollzogen wurde, und die zusammen mit dem Erbe der Antike die europäische Identität schuf und entwickelte, wurde aufzuheben versucht.

Genau das hat der neue „Mythus“ aus ihm herausbrechen wollen. Der ganze Instinkt des Nationalsozialismus ging darauf hinaus, das Europäische zu vernichten. Was zwischen dem Altertum und 1933 lag, wollte er auslöschen, damit er eine gestaltlose Masse in die Hand bekäme, mit der er nach Gutdünken schalten könnte: daher der tödlich Haß gegen Christus und alles, was von ihm kommt.“

Diese Gedanken scheinen heute wieder allzu aktuell, abgesehen von der Jahreszahl. Ich will nicht zu pessimistisch sein, aber darin hat Guardini zweifellos recht:

Wenn also Europa noch fernerhin sein, wenn die Welt noch fernerhin Europa brauchen soll, dann muß es jene von der Gestalt Christi her bestimmte geschichtliche Größe bleiben, nein, mit neuem Ernst werden, die es seinem Wesen nach ist. Gibt es diesen Kern auf – was dann noch von ihm übrigbleibt, hat nicht viel zu bedeuten.

Das wurde übrigens 1946 gesagt.

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
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