Tu nichts Unkeusches!

Doch noch eine kurze Anmerkung zur Debatte um den medial abgurgelnden „Aufschrei“.

Selbstverständlich,  Übergriffe auf Frauen sind im christlichen Verständnis Sünde. Die Diskussion darüber  wird jedoch aus katholischer Perspektive fragwürdig bis absurd, wenn man sie sich auf Symptome beschränkt und verschweigt, daß diese Symptome letztlich vor allem heftigste Auswüchse mangelnder Zucht sind.

Zur Erinnerung an diese Perspektive: gelebte Sexualität ist exklusiv der Ehe vorbehalten. Die anderen Optionen sind eine zölibatäre Lebensform, oder eben das enthaltsame Warten auf den oder die Richtige für eine Ehe.

Das heißt aber auch, daß es grundsätzlich überhaupt keine legitime Form der Kontaktaufnahme gibt, die ein sexuelles Abenteuer intendiert. Wir sind zunächst gehalten, Zucht über unsere Triebe zu erlangen, (eben nicht, sie zu unterdrücken oder sie zu „verdrängen“), was aufdringliche oder gar aggressive Avancen selbstredend mit einschließt, ganz zu schweigen von Nötigungen und Gewaltanwendung. Ebenso ist es unsere Pflicht, den Nächsten zu achten, was wiederum eine Abwertung des einen oder anderen Geschlechts ausschließt.

Letztere Punkte wären doch ein Pfund, mit dem Christen in solchen Debatten wie der jetzigen wuchern könnten, ja, wenn da nicht ersteres wäre.  Und wenn es nicht noch klarer käme: zusammengefaßt heißt es in Beichtspiegeln: versuche nicht zu verführen und laß dich nicht verführen. Meide alles, was dich erotisch aufreizt, unterlasse alles, was andere aufreizen könnte. Meide jede Schwelgerei in sexuellen Phantasien, reiß dich raus, wenn’s dich überkommt, und schau halt nicht alles an, was dir hingehalten wird. Heiz deine Triebe nicht mit Pornos oder Masturbation an u.v.m. und das gilt für beide Geschlechter.

Ich weiß, solche Ansprüche lösen bei vielen bestenfalls hämisches Grinsen und Kopfschütteln aus. Und das mögen manche geltungsbeflissenen sich modern wähnende Katholiken nicht. Und so reduziert man  in solchen Debatten die Lehre auf den sexuellen Übergriff, den tatsächlichen wie den „gefühlten“ und übernimmt eifrig Begriffe des Feminismus oder der Soziologie, wie eben in dem Fall „Sexismus“, hängt sich an Kampagnen dran, die schon von weitem streng , nach (Um-) Erziehungsmaßnahmen, Geschlechterkampf, nach neuen Gesetzen riechen aber auch nach steuerfinanzierten Beauftragten, Gremien, Anlaufstellen u.s.w. Und man macht sich dabei widerspruchlos gemein mit Kreisen, die ansonsten teilweise ganz ungehemmt die Durchsexualisierung der Gesellschaft bis in die Kindergärten hinein propagieren, was im diametralen Gegensatz zur katholischen Lehre steht. So als habe die katholische Lehre und Sichtweise keine eigene Sprache und Begrifflichkeiten, die zudem klar und einfach sind und leicht zu verstehn, wenn auch für Hedonisten und Selbstverwirklicher hart zu hören.

Dabei hat der Katechismus in Bezug auf das Geschlechterverhältnis doch alles zu bieten, was zur Lösung auch dieser Mißstände beitrüge, würde er denn befolgt, würde man es nur, so gut man kann versuchen! Aber die Worte Zucht, Mäßigung oder gar Keuschheit, Sünde öffentlich in den Mund nehmen? Nein, an den Schmarrn glaubt man doch selbst nicht, den liest man nicht mal. Aber hier, im Falle der Übergriffe auf Frauen, da ist er ja en vogue und politisch korrekt, hier ist man Christ, hier darf man’s sein. Aber wehe, es erlaubt sich ein Gläubiger, bei dem umfassenden Reichtum, der Klugheit und Weisheit des Ganzen zu bleiben und diese Wortungetüme und Verschleierungen politischer Absichten zurückweist, allein weil er es besser weiß: dann sympathisiert er angeblich mit bösen Tätern, ignoriert die Drangsal von Opfern, da wird er ganz zum entlarvten Heuchler, der seine verstaubte Moral nur als Etikett vor sich herträgt! Kennt man ja vom Mißbrauchsskandal. (Auf die Idee, daß der nichts mit der Lehre der Kirche, sondern mit eklatanten Verstößen Einzelner  gegen diese Lehre zu tun hat, kommt man erst gar nicht)

Und wagt er es dann noch, nicht in Meinungsleitschienen zu denken, sondern eigenständig zu urteilen oder sich gegen voreilige Schuldsprüche gegenüber einer Person zu verwahren, ist ja ohnehin alles klar.

Ja, es ist unrealistisch zu hoffen, daß der im Katechismus beschriebene Weg viele Anhänger findet. Man kann ihn niemanden aufzwängen. Aber vertreten werden sollte er allemal; sicher, man hat darauf zu achten, im Salesianischen Sinne, mit wem man redet, wenn man werben und nicht brüskieren will. Aber wer sollte das tun, der nicht den Segen reichester Früchte dieser Selbsterforschung und Erkenntnis kennt, allein für das hiesige Leben, auch und besonders für das Verhältnis der Geschlechter untereinander? Allein das lohnte. Und ein Katholik sollte wissen: es geht um viel mehr.

Und nein, dieser Zucht zu folgen, sie zu erstreben, um sie zu ringen, manchmal zu scheitern, aufzustehen, und es erneut zu versuchen, das heißt eben nicht, daß alle in Sack, Asche , Uniform gehen müssen, ein Mann darf Kerl, eine Frau Weib sein, das soll keiner Burkamentalität und keiner Geschlechterseparation, keinem Sagrotanmoralismus den Mund reden und tut es auch nicht. Ganz im Gegenteil. Es herrscht in Runden von Männern und Frauen, wo diese Zucht Konsens ist, eine ganz wunderbare Freiheit. Auch diese gehört zur Unterscheidung des Katholischen!

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2 Antworten zu Tu nichts Unkeusches!

  1. Gerd schreibt:

    Danke für dieses wichtige Statement. Vielleicht noch das: Ein katholischer Priester hat mir mal gesagt, dass selbst er nicht in Gnaden schwimmt, was das Thema Sexualität und Verführung angeht. Er verwies auch auf den Umstand, dass die Gelegenheit zur sexuellen Ausschweifung in der Gesellschaft in seiner Jugend noch nicht mal im Promillebereich lag, gegenüber der heutigen Situation. Er war Jahrgang 1923. Wenn jemand dauerhaft gegen die Verführungen und gegen die Ausschweifung seines Sexualtriebes ernsthaft känpft, meint er weiter, ist die Sünde auch keine schwerwiegende, sonder der Mensch sündigt dann in Schwäche und nicht in voller Absicht. Alles das war sehr tröstlich und ermutigend für mich, selber im Kampf gegen die Sünde, die ja den Tempel des hl. Geistes verschmutzen kann aufzunehmen, mit der Gewissheit, dass Gott den Willen eines jeden Menschen unterstützt, es beim nächsten Mal besser zu machen.
    Ein kluger Mensch hat das mal so ausgedrückt: Herr, wenn ich sterbe, dann nicht als Sieger sondern als Kämpfer. Danke nochmal für deine richtigen und ermutigenden Worte.

    • clamormeus schreibt:

      @Gerd
      Vielen Dank für den Kommentar,der mich wiederum ermuntert, demnächst einmal etwas ausführlicher und auch aus persönlicherer Perspektive etwas dazu schreiben. Das mit dem Kämpfer ist ein schönes Motto;-)
      Es ist schon verrückt im Wortsinn, wenn es heute für viele bereits ein Skandalon darstellt, daß andere Leute sich für sexuelle Zurückhaltung oder auch nur Treue entscheiden, was erfreuerlicherweise immer mehr tun, oder eben darum kämpfen, auch solche, die nicht explizit christlich oder anderweitig religiös sind.

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