„Haßt die Sünde, liebt den Sünder!“

Der Grundsatz der kirchlichen „Maschinerie der Vergebung“!

Nach dem Wirbel um Martin Lohmanns TV – Auftritte, hier zu einem guten Interview des „Merkur“, und den Hype um zwei Kliniken in katholischer Trägerschaft in Köln, wo in mehr als mißverständlicher Diktion vom „Abweisen eines Vergewaltigungsopfers“ die Rede war, dazu hier bei Frischer Wind eine gute Darstellung, möchte ich noch ein paar ergänzende Worte loswerden.

Um es auch einmal für Leser kurz darzustellen, die nicht in der Materie bewandert sind: die Lehre der katholischen Kirche verurteilt die Sünde, nicht den Sünder. Im Bußsakrament wird diesem – Einsicht, Reue und Wille zur Umkehr vorausgesetzt- jede gebeichtete Sünde vergeben, wobei der Priester als Vertreter Christi fungiert.

Hintergrund ist der Kampf der Kirche um die Rettung der Seelen für das ewige Leben, die sie durch Sünden gefährdet sieht. In dieser Haltung ringt sie darum, die Gläubigen vom Sündigen zu bewahren, bzw. sie zu ermutigen und aufzufordern, bereits begangene Sünden in der Beichte vor den Herrn zu tragen und ihn um Vergebung zu bitten. Aus dieser Sicht der Kirche muß also das Darstellen dessen, was Sünde ist (und auch was nicht!) in aller Klarheit und Deutlichkeit und in gewisser Hinsicht auch dogmatisch geschehen. Und das wird ihr zunehmend als engstirnige, moralische Prinzipienreiterei  ausgelegt, nicht nur, weil die säkularen Zeitmoden in Teilen konträren moralischen Maßstäben folgen, wie etwa in der Sexualmoral, sondern vor allem, weil Sinn und Hintergrund des Begriffs Sünde nicht verstanden oder akzeptiert werden, und weil nicht bewußt ist, daß Sünder (als solche begreifen sich Katholiken zu recht alle!) eben nicht verurteilt oder verdammt werden, sondern daß um ihre Umkehr unter Zuhilfenahme des Gnadenmittels des Bußsakramentes  zu ihrem Heil gerungen wird!

G. K. Chesterton faßt dies wunderbar bildhaft im kurzen Aufsatz „Die Kirche als Privatdetektiv“, in dem er sich über den Unterschied der kirchlicher und staatlicher Sündenverfolgung äußert, und den ich bald in anderem Kontext hier wieder aufgreifen werde:

Die Kirche ist die einzige Institution, die versuchte, eine Maschinerie der Vergebung zu schaffen. Die Kirche ist die einzige Einrichtung, die jemals versucht hat, Verbrechen zu verfolgen und aufzudecken, nicht um sie zu rächen, sondern um sie zu vergeben.

Ich hoffe, es ist für meine kirchenferneren Leser nun etwas klarer geworden!

Über clamormeus

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2 Antworten zu „Haßt die Sünde, liebt den Sünder!“

  1. Frischer Wind schreibt:

    Ganz hervorragend, genau das ist es!
    Oder wie Weihbischof Klaus Dick von Köln gesagt hat:
    „Der Hauptzweck der Kirche ist es, Sünden zu vergeben.“
    Ich hoffe, dass viele den Weg zu einem guten Priester und Beichtvater finden…

    • clamormeus schreibt:

      Dankeschön. Das Problem ist halt, daß anscheinend von der Kirche verlangt wird, in dem Sinn „barmherzig“ zu sein, daß Sünden nicht mehr als solche benannt oder gesehen werden, es sei denn, sie werden in der Zeitmode auch als solche gesehen. oder als so was ähnliches. Dann wird’s halt auch mit der Vergebung schwierig, wenn’s nichts mehr zu vergeben gibt. Und dann stellt sich in der Tat die Frage nach dem „Hauptzweck der Kirche“…

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