Chestertons Aufruf zu Unduldsamkeit und Ungeduld gegenüber den Sünden

Eine kleine Betrachtung zur Fastenzeit

In der vorösterlichen Fastenzeit sind Christen besonders zu Umkehr und Buße aufgerufen. Gleich zu Beginn wird mit dem Aschekreuz eindringlich die Vergänglichkeit des Menschen vergegenwärtigt, die gemahnt den Kampf gegen eigene Sünden entschlossener zu führen, da keiner weiß. wieviel Zeit ihm dafür verbleibt. Eine eindrückliche Empfehlung, in welcher Haltung man sich daran machen sollte, fand ich bei G. K. Chesterton in Orthodoxie:

Aber man kann nicht stilliegen, wenn man von einer Sünde geheilt werden will; im Gegenteil, man muß aufstehen und wild umherspringen. Worauf es hier ankommt, ist perfekt in dem Wort ausgedrückt, mit dem wir einen Menschen im Hospital bezeichnen: >>Patient<<. Während der >>Duldende<< dem Passiv entspricht, steht der Sünder für die Aktivform. Will jemand von der Grippe kuriert werden, muß er Patient sein, geduldig und duldsam. Soll er von der Betrügerei geheilt werden, muß er ungeduldig und unduldsam sein. Er darf die Betrügerei nicht dulden. Jede moralische Wende muß mit dem Willen, -aktiv, nicht passiv beginnen.

Dem kann ich nur beipflichten. Im Gegensatz zu anderen Bereichen des menschlichen Lebens, in praktischen wie geistlichen, sind allzugroße Strenge und Ungeduld mit sich selbst, sind Übereifer und Aktionismus oftmals Hindernisse des Wachstums und des Reifens, steht der überspannte Wille, die fehlende Muße, mangelndes Vertrauen den angestrebten Zielen oftmals im Weg. Aber keine sündhafte Neigung werden wir mit Langmut und Geduld los und schon gar nicht „im Schlaf“. Hier ist entschlossenes zupacken gefragt und absolute Intoleranz.

Das, wohlgemerkt, gilt für uns selbst und unsere Verfehlungen, mit anderen Sündern müssen wir geduldig bleiben. Aber genau das bedeutet, daß wir selbst und erst recht die Kirche, der Sünde gegenüber unduldsam sein müssen und daß sie schon gar nicht relativiert werden darf. Das wird uns und wird der Kirche, dort wo es heute zum Glück noch geschieht, völlig zu Unrecht als Härte und Unmenschlichkeit ausgelegt. Das Gegenteil ist der Fall! Wir müssen in diesem Punkt ungeduldig sein, und wir müssen zur Ungeduld angetrieben werden.   Das läßt sich leicht begreifen, wenn man den augustinischen Satz: „Hasse die Sünde, liebe den Sünder“ ganz versteht.

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