Vom Pillendrehen und anderen Quacksalbereien

Nichts hat sich an der Lehre der Kirche zur Abtreibung geändert – und die Wirkung der „Pille danach“ bleibt umstritten.

Heute hat nun der Präsident der „Päpstlichen Akademie für das Leben“, Bischof Ignacio Carrasco de Paula, klargestellt, was eigentlich jeder Katholik hätte wissen können: Bei einer Vergewaltigung dürfen empfängnisverhindernde Präparate vom Opfer genommen werden, um eine aus dem Verbrechen folgende mögliche Schwangerschaft zu verhindern. Einschränkung: das Präparat darf nicht abtreibend wirken, darunter versteht u.a. die Kirche den Moment der Befruchtung der Eizelle.

Dies sagte K – TV Chefredakteur Martin Lohmann genau so bei Günther Jauch, dann sagte es Kardinal Meisner, nun sagen es die DBK und auch der Präsident der päpstlichen Akademie. Eine Regelung, die seit 50 Jahren so besteht und die, falls z. B. in Bürgerkriegen die Gefahr von Massenvergewaltigungen droht, auch präventiv angewendet werden darf.

Warum nun, fragt man sich, wurde Lohmann vom stilvollendeten Günther Jauch („Was wäre wenn Ihre Tochter vergewaltigt würde, Herr Lohmann?“) und der Presse als Buhmann der Nation angeprangert, während man Kardinal Meisner als Künder revolutionärer Änderungen  hochjubelte?

Ganz einfach: Ersterer nämlich stellte klar, daß die marktüblichen Präparate der „Pille danach“ nach derzeitigem Kenntnisstand eben auch abtreibende Wirkung haben könne. Der Kardinal dagegen war nach Gesprächen mit Medizinern anscheinend zur Ansicht gelangt, daß zumindest eines der beiden erhältlichen Präparate lediglich empfängnisverhütend wirke, so jedenfalls ließen sich seine Aussagen zumindest interpretieren. Der unsägliche Auftritt des Hamburger Weihbischofs Jaschke, der vorsichtshalber begründungslos im TV die Ansicht äußerte, Lohmann vertrete nicht die katholische Position,tat ein übriges.

Wie immer, die Lehre der Kirche wurde von beiden vertreten, ohne Abstriche. Die Differenz bestand nur in der Frage: ist die „Pille danach“ tatsächlich geeignet, im Sinne dieser Lehre zur Verhinderung einer Schwangerschaft, die durch ein Verbrechen bewirkt werden könnte, eingesetzt werden zu dürfen – oder müssen andere Methoden erwogen werden? Dies, so sagte Bischof  Carrasco de Paula, müsse die Medizin entscheiden. Das aber hat sie eben bisher nicht. Nur sagten das weder er noch ein Mitglied der DBK dazu. Wie also ist nun im Fall einer Vergewaltigung also von Ärzten, die Katholiken sind oder in Kliniken katholischer Trägerschaft tätig sind, mit der „Pille danach“ zu verfahren? Die Lehre bleibt diesselbe, die Antwort bis zu einer endgültigen wissenschaftlichen Klärung der Wirkung zumindest offen. Das große Pillendrehen geht weiter.

Viel Lärm um nichts also. Ein schädliches Getöse, mutwillig konstruierte Gegensätze in der kirchlichen Position, die keine sind. Unter Tatsachenverdrehungen aufgebauschte Vorfälle um zwei Kölner Kliniken, die suggerierten, es sei eine verzweifelte, verletzte vergewaltigte Frau eiskalt von brutalen Paragraphenreitern der Pforte verwiesen worden. In diesen bewußt medial aufgeheizten Umständen, die kirchliche Kreise durch teils haarsträubende Stellungnahmen noch anfachten, statt den Kölner Fall so darzustellen wie er war, unternahm es Martin Lohmann, bei Jauch und dann bei Markus Lanz, die grundsätzliche Position der Kirche zum Lebensrecht auch noch ungeborener Kinder darzustellen, Kein Bischof war bereit dazu.

Untergegangen ist in all dem das Wesentliche: daß es rund 100000 Abtreibungen jährlich in Deutschland gibt, von denen kaum eine mit Vergewaltigung zu tun hat. Daß es Menschen gibt, die aus einer Vergewaltigung gezeugt wurden und froh sind, am Leben zu sein, denen in all den Talkshows implizit geradezu das Recht darauf abgesprochen wurde, wie es bei an mutmaßlich Trisomie 21 gefährdeten Kinder dank PDI schon faktisch entzogen ist.  Daß es auch in Deutschland zunehmend zu Gruppenvergewaltigungen kommt und daß Leute rumlaufen, die sich nicht scheuen, eine Frau zu betäuben, um ihre Triebe an ihr zu befriedigen. Ist das der bedrückende Skandal – oder die Überweisung einer schon versorgten Patientin an eine andere Klinik? Nur letzteres interessierte die Jauchs dieser Welt.

Stattdessen wird weiter auf die Kirche eingedroschen, die nicht nur Rechte von Müttern, sondern auch die der Kinder sieht und der Opfer von Vergewaltigungen eben keinesfalls egal sind. Diese Haltung ist ohne wenn und aber auch öffentlich und offensiv vertretbar. Nun entsteht leider der Eindruck, als ginge es vorrangig um’s Pillendrehen. Das sollte man wirklich unabhängigen Medizinern überlassen. Und die Ordinariate wären gut beraten, auf Quacksalber in eigenen Pressestellen wie auch in ihrer öffentlichen Repräsentanz im Fernsehen künftig besser zu verzichten. (vorsichtshalber: damit ist nicht Kardinal Meisner gemeint!)

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Mühsam beherrscht, Tagesgedanken abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Vom Pillendrehen und anderen Quacksalbereien

  1. Gerd schreibt:

    AMEN. AMEN. AMEN.
    Noch eins: Dass auf die katholische Kirche eingedroschen wird ist vollkommen normal. Die evangelische Kirche wird so gut wie gar nicht erwähnt. In dieser, seid 500 Jahren protestierenden Kirche, gibt es wohl keine (!) Missbrauchsfälle oder Probleme mit irgendwelchen „Medikamenten“! Es sei denn ich habe entsprechende Mitteilungen verpasst. Eine sehr aufschlussreiche Tatsache. Sie zeigt nämlich, dass der Teufel in aller erster Linie seine „Herrschaft“ von der katholischen Kirche bedroht sieht und mit allen möglichen Mitteln (primär die Lüge, was sonst…?) bekämpft. Es sind die bösen Mächte der Unterwelt, die so glaube ich nach Petrus, in der Welt umherschweifen um die Seelen Menschen (nur um diese geht es dem Diabolos) zu verwirren und in den ewigen Tod zu reissen. Was um alles in der Welt, hat die katholischen Priester und Geistlichen davon abgebracht, das Gebet zum hl. Erzengel Michael am Schluss der hl. Messe mit der Gemeinde zu beten? Mein erster Pfarrer hat dies nach jeder Messe so gehalten damit bin ich groß geworden. Heute aktueller denn je:
    Hl. Erzengel Michael,
    beschirme uns im Kampf,
    gegen die Bosheit und Arglist des Teufels, sei du unser Schutz..
    Gott gebiete ihm!
    Du aber Fürst der himmlischen Herrscharen.
    Stürze den Satan und die anderen bösen Geister,
    die zum Verderben der Seelen in der Welt umherschweifen,
    in der Kraft Gottes hinab in die Hölle.

    Ich kann’s sogar noch auswendig. :-)…und werde es jetzt verstärkt wieder einsetzen. Dann schlottern dem Satan die Knie.

    PS: Ich hatte vor selber mal zu bloggen. Aber besser als du werde ich das nie hinkriegen. Danke für deine Beiträge. Machen mir immer sehr viel Freude und Mut.

  2. clamormeus schreibt:

    @Gerd

    Danke für die Zustimmung!

    Ich möchte Dir zur Ermutigung sagen, daß zum Beispiel Martin Lohmann bei seinen TV- Auftritten von nicht wenigen Leuten, die nicht explizit gläubig sind und eher dem linksgrünen Spektrum zuneigen, großer Respekt zuteil wurde und das man auch andere mit guten und kühl vorgetragenen Argumenten zum Nachdenken bringen kann, die eher geschäumt haben.
    Zum anderen gibt es noch und wieder viele Priester, die es an Klarheit in nichts mangeln lassen, gibt es denn solche nicht in zumutbarer Nähe für Dich?

    Zum eigenen Bloggen möchte ich Dich auch ermutigen, probiere es einfach aus, Du kannst es ja, wenn Du meinst, es paßt oder lohnt nicht, jederzeit wieder lassen. (das jedenfalls ist mein Motto und ich mußte dazu von mehreren Seiten fast überredet werden und weiß noch nicht, wie das Experiment ausgeht ,)

  3. Frischer Wind schreibt:

    Sehr gute Quintessenz des ganzen Aufregers.
    Zitat:
    „Wie also ist nun im Fall einer Vergewaltigung also von Ärzten, die Katholiken sind oder in Kliniken katholischer Trägerschaft tätig sind, mit der “Pille danach” zu verfahren?“

    Die einzig mögliche ethisch vertretbare Konsequenz wäre die, die auch Martin Lohmann schon in der Sendung vom 03.02.2013 bei Jauch in der ARD benannt hat:
    Kardinal Höffner (den Vorgänger von Kardinal Meisner) zitierend, sagte er: „Im Zweifel gilt dann die strengere Richtlinie, weil es um das Leben geht“ – das heißt, dass zunächst einmal keine „Pillen danach“ abgegeben werden sollten, bis die medizinische Seite eindeutig abgeklärt ist.
    Die Pillen nun in katholischen Einrichtungen grundsätzlich anzuwenden und erst im Nachhinein abzuklären, ob sie nicht doch möglicherweise abortiv wirken, wie das zahlreiche Ärzte und Vereinigungen bestätigen – das ist m. E. kein überzeugender Einsatz für den Personenschutz des ungeborenen Kindes. Leider…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s