Kardinal Herranz nennt Christenverfolgung als größte Herausforderung der Kirche

Der Paukenschlag der Amtsniederlegung Benedikts XVI., die dieser damit begründete, daß seine Kräfte den stürmischen Herausforderungen dieses Amtes nicht mehr genügten, wird von unterschiedlichsten Interessensgemeinschaften innerhalb wie außerhalb der Kirche in vielen Variationen subjektiv interpretiert. Düstere Szenarien über mafiös bis satanische Seilschaften in der Kurie, gegen die der Papst angeblich nicht mehr angekommen sei, werden aufgebauscht, auf der anderen Seite frohlockt man, Benedikt habe vor dem Druck mancher Landeskirchen kapituliert, die seinen Kurs der Reform unter Wahrung der Tradition nicht mittrügen. In deutschen Landen flammen schon wieder die endlosschleifigen müßigen Forderungen auf, allen voran die nach der Weihe von Frauen zu Priestern, weiterhin ignorierend, daß diese Lieblingsobsession u.a. des deutschen Gremienkatholizismus bereits von Johannes Paul II. endgültig zu den Akten gelegt wurde.

Kardinal Herranz, einer der im Fall der „Vatileaks“ ermittelnden Kurialen, stellte in einem Interview mit „El Pais“ am 19. Februar klar, welche Herausforderungen der Kirche Papst Benedikt wohl tatsächlich gemeint hat und es ist gerade im hier bauchnabelzentrierten, dort verschwörungsberauschten Deutschland dringend angebracht, an das leider allzu offensichtliche zu erinnern:

Der Fall Vatileaks hat also den Papst nicht wirklich geschrammt?

Nein. Ich versichere ihnen, daß das alles nur eine Anekdote im Vergleich zu den Entscheidungen des Heiligen Vaters und den wirklichen Problemen der Kirche ist. Das grundlegende Problem der Kirche ist die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung. Die Kirche erleidet eine schreckliche Verfolgung. 80 Prozent der Menschen weltweit, die im vergangenen Jahr aufgrund ihrer Überzeugungen verfolgt wurden, waren Christen und das sagen andere Institutionen, nicht die Kirche selbst. So ereignet es sich in Indien, in Pakistan, in Afrika. An anderen Orten werden sie diskriminiert, als hätten sie falsche, verwerfliche Meinungen. Und dann gibt es noch eine giftigere Form der Verfolgung.

In den entwickelten Ländern?

Ja, zum Beispiel

In Europa hat die Kirche sicher viel an Macht verloren.

Wer die Kirche als Machtfaktor betrachtet, liegt von vorneherein falsch. Die Botschaft der Kirche wird dort verfolgt, wo es eine absolutistische Haltung gibt. Dort, wo die Religionsfreiheit nicht gewährt wird. Man geht davon aus, daß im vergangenen Jahr rund 100.000 Christen verfolgt, verhaftet oder ermordet wurden. Seit drei Jahren befindet sich eine Familienmutter, Asia Bibi, in Pakistan im Gefängnis und es sind nur wenige weltliche Stellen, die ihre Stimme erheben. Auch diese Dinge lassen leiden. Und der Papst ist sich bewußt, daß der Wellengang des Weltmeeres in starker Bewegung ist und daß das Kirchenschiff einer festen Steuerhand bedarf.

(gefunden auf „katholisches.info“, Übersetzung Guiseppe Nardi)

Ich kann nur sagen, vielen Dank Eminenz, eigentlich hätte man darauf selbst kommen können, sogar in Deutschland!

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