Theologie nein danke, ja bitte!

Zwei prima Beiträgen, die sich mit dem Zustand der Theologie befassen, möchte ich diese kleine Würdigung widmen. Pater Bernward Deneke unterscheidet zwischen „Echter und unechter Theologie“ – hier bei Frischer Wind- und Bloggerkollege Pro spe salutis fragt, wann Theologen besser nicht in der Kirche tätig sein sollten. Beide absolut lesenwert!

Vorab: Die Theologie gibt es nicht. Der Satz: „Ich bin Theologe“ besagt zunächst nur, daß eine Person ein Studium der Theologie absolviert hat.Er besagt noch nichts qualitatives. Dazu müßte erst gefragt werden: Welche Art Theologie betreibst du? Pater Bernward Deneke skizziert zunächst jenen Typus, der hierzulande durch überproportionale Medienpräsenz das öffentliche Bild prägt:

Wen sieht man denn heute als Theologen an? Offensichtlich jemanden, der den Leib der Heiligen Schrift, das lebendige Wort Gottes, wie einen Leichnam seziert. Der nichts darin unhinterfragt lässt. Der das, was ihm nicht mehr zeitgemäß scheint, „entmythologisiert“, uminterpretiert oder gänzlich ausscheidet, um das hervorzuheben, was er gegen die kirchliche Auslegung verwenden will.

Aber: der nun emeritierte Papst ist ein Theologe ebenso wie z.B. ein Hans Küng. Zwischen deren Veröffentlichungen liegen unvereinbare Welten, ein außenstehender Betrachter würde sagen: wenn das beides katholisch sein soll, so müßt ihr Katholiken schizophren sein. Und tatsächlich: das Bild, das sich im deutschsprachigen Raum ergibt, gibt Anlaß zur Sorge um eine unüberbrückbare Gespaltenheit der Kirche. Zum einen gilt in Deutschland wie für die ganze Weltkirche offiziell und verbindlich das „depositum fidei“. Zum anderen werden hier zunehmend Theologen als Berufslaien auch in der Verkündigung, der Katechese und der Pastoral eingesetzt, die nicht nur diesen erforderlichen wie auch konstituierenden katholischen Grundkonsens nicht teilen, sondern diesen sogar mehr oder weniger offen bekämpfen und dabei im Weihepriestertum kaum mehr als eine Konkurrenz wider die eigenen Machtbegehrlichkeiten sehen können. Und das nicht selten in Lohn und Brot der Bistümer.

„Arbeit für oder gegen die Kirche?“ fragt dann auch Blogger Pro spe salutis und konstatiert in seinem kompakten Beitrag:

Einen prägnanten – und noch immer aktuellen (!) – Überblick über das depositum fidei bietet seit über 60 Jahren der Grundriß der katholischen Dogmatik von Ludwig Ott. Wer sich damit beschäftigt und zum Ergebnis kommt, daß diese Inhalte nicht vertretbar seien, die oder den bitte ich, zumindest von einer Arbeit in Verkündigung und Katechese abzusehen.

Denn:

Ein Theologiestudium ersetzt in keinem Fall den Glauben. Der Kyrios hat das Pneuma, welches in alle Wahrheit einführen wird (Joh 16, 13), der Ekklesia verheißen – weder aber den deutschen theologischen Fakultäten noch irgendwelchen Reformer-Kaffeekränzchen.

Wie wahr! Mit Bernward Deneke möchte man hinzufügen:

Aber genug davon! Weitaus wichtiger muss uns die Frage sein, was denn demgegenüber echte Theologie ist. Denn dass man unter Berufung auf die genannten Verfallssymptome nicht jene Wissenschaft, welche mit recht die „heilige“ genannt wird, in Bausch und Bogen verurteilen darf, sollte jedem gläubigen Menschen einleuchten, der schon einmal von den Aposteln Johannes und Paulus, von Athanasius und Augustinus, Anselm von Canterbury und Bernhard von Clairvaux, Thomas von Aquin und Bonaventura, Hildegard von Bingen und Katharina von Siena, Robert Bellarmin und Petrus Canisius, von den Kardinälen Newman, Scheffczyk oder Ratzinger gehört hat.

Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. Nicht vieles spricht momentan dafür, doch noch ist Hoffnung, daß ähnlich wie bei jüngeren Priesterseminaristen auch der Theologie in Deutschland eine Renaissance vergönnt ist, deren Früchte Gläubige und Kirche nähren statt sie zu vergiften!

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6 Antworten zu Theologie nein danke, ja bitte!

  1. Gerd schreibt:

    Ich kenne mindestens drei junge Männer, denen der Glaube während ihres Theologiestudiums gründlich ausgetrieben wurde. Einer davon erzählte mir unter Tränen, wie ihm das Rosenkranzgebet abgewöhnt wurde. Als er merkte, dass er im Seminar ein Aussenseiter war und regelrecht gemobbt wurde, wegen seiner eucharistischen Frömmigkeit, brach für ihn, eine dahin von seiner Kindheit geprägter Glaubenswelt, restlos in sich zusammen und er gab entmutigt seine Berufung zum Priester auf, die sein heiligmäßiger Heimatpfarrer in ihm geweckt hatte. Es ist eine unendliche Katastrophe welche Theologie an den deutschen Fakultäten in den letzten Jahren „gelehrt“ wurde. Ein Beispiel: Unser neuer Pfarrer (37 Jahre) der in unsere Gemeinde wechselte, weil wir fusionieren mussten, baute sich in einer Predigt forsch vor den Gemeindemitgliedern auf um folgenden mitzuteilen. Die Hölle ist eine Erfindung der Menschen in der Kirche und wurde hauptsächlich dazu benutzt um die Gläubigen einzuschüchtern und ihnen Angst zu machen. Für ihn als Christ (!) wäre das Thema Hölle durch, wir sind alle erlöst und gerettet, wel wir getauft sind. Amen! Als ich ihn höflich auf diesen Nonsens aufmerksam machte und darlegte, dass nach seiner Logik Adolf Hitler im Himmel ist und die Juden, die er in die Gaskammern schickte nicht, wurde mir nur mitgeteilt, dass sein Gottesbild eben ein anderes ist, als meines. Amen. Weitere Gespräche wurden abgelehnt. So sehen landauf landab die Priester aus, die auf den kläglichen Rest der Gläubigen losgelassen werden. Meine Meinung zu diesem Thema: Besser keine Priester als schlechte.

    Ach ja, vielleicht noch das: Ich habe unseren Weihbischof von dieser theologischen Katastrophenverkündigung in unserer Gemeinde Bericht erstattet. Dass ich jetzt im „pastoralen Team“ als Denunziant durchgereicht werde, versteht sich von selbst. Genauso die Tatsache, dass der Bischof den Pfarrer ungehindert weiter predigen lässt und natürlich keine Handlungsbedarf sieht. Jetzt verstehe ich den Begriff „hl. Zorn“ sehr viel besser, denn ich bin voll davon.

    • Clara Franz schreibt:

      Zu Ihrer Erfahrung kann ich auch etwas beisteuern.
      In einem Priesterseminar im südlichen Deutschland wurden die Priesteramtskandidaten im Rahmen einer Diskussionsrunde gefragt, was sie sich betreffs Kirche wünschen, welche Veränderungen sie gerne vornehmen würden.
      Einer von ihnen antwortete daraufhin, dass er sich so sehr wünsche, dass die Menschen bei der Wandlung wieder knieten.
      Ein Sturm der Entrüstung brach los und über ihn herein.
      Er hatte a l l e Mitstudenten gegen sich. Sie haben ihn regelrecht auseinandergenommen, verbal gelyncht.
      Geschockt rief er zuhause an und war den Tränen nahe.
      Das ist die Realität!
      Diese Geschichte hat sich vor kurzem wirklich zugetragen und ich kenne den Namen des „Ausgestoßenen“.
      Fragen drängen sich mir auf:
      Hatten alle anderen diesen Wunsch des jungen Mannes so unmöglich gefunden?
      War keiner unter ihnen, der ähnlich denkt?
      Keiner, der sich wenigstens mit diesem Wunsch auseinandersetzten wollte?
      Oder hat hier wieder einmal der Gruppenzwang funktioniert?
      „Seht, wie sie einander lieben!“ Solcherart wurden die ersten Christen wahrgenommen.
      Natürlich geht es nicht ohne Konflikte, ohne Spannungen ab.
      Aber solch einen Umgang unter Priesteramtskandidaten – das hätte ich mir bis vor kurzem nicht vorstellen können.

      • clamormeus schreibt:

        @Gerd, @Clara Franz, danke für die traurigen Berichte, ich ziehe die Antworten zusammen.

        Schlimme Geschichten, mir ist persönlich auch öfter ähnliches und noch ärgeres von Priesterseminaristen (und auch Lehramtsstudenten der Theologie) zugetragen worden. Da ist seit Jahrzehnten eine Maschinerie der inneren Aushöhlung des Katholischen im Gang. Was dabei rauskommt merke ich dann immer, wenn ich beruflich anderswo in D unterwegs bin, (daheim kennt man ja seine Refugien und deo gratias, hier gibt es sie noch). Am Vorabend zu „Darstellung des Herrn“ war z. B. der Höhepunkt einer schon zuvor von eigenmächtigen Meßtextveränderungen durchzogenen Zelebration, und einer Predigt, die besagte, daß Jesus nichts gelehrt habe, sondern nur als Mensch Vorbild war und die Begegnung von Simeon mit dem Säugling und Maria für das harmonische Miteinander der Generationen stehe, daß vor der Kommunion des Priesters die Lektorin in Jeans mit legerem Halsttuch von der Kirchenbank zum Altar ging, und den ersten Schluck aus dem Meßkelch bekam. (Gläubige sagten später: das sei hier rund in der ganzen Stadt überall so). Und wie zum Hohn stand neben der säuberlichen Kommunionsschlange eine kleine Kommunionsbank, als historisches Exponat, was auch extra auf einem Schild stand, so daß niemand auf die absurde Idee kommen kann, sie zu benutzen.
        So was kommt dann wohl bei diesen Ausbildungen zum laienkonzelebrationskompatiblen Multifunktionspriester raus, Und dann wundert es nicht, daß der Alterschnitt 60+ ist, da bleiben halt einige derer, die schon immer dort in die Kirche gingen, wen soll so etwas auch anziehen, oder gar neu entzünden?

        Also ich weiß, es ist nicht überall möglich, aber wenn es so heftig ist, kann ich nur raten, auch einen längeren Weg zu einem guten Priester und einer ordentlichen Messe in Kauf zu nehmen.

        Die Hoffnung dürfen wir nicht aufgeben, zumal es immer häufiger junge Männer gibt, die es zur Priesterberufung zieht und die immun gegen Indoktrinationen sind. Aber ein passendes Seminar zu finden ist natürlich in D sehr schwierig, es sei denn, man hat sich ganz für die Zelebration der FE entschieden. Aber es gibt ja auch Berufungen zum Diözesanpriester, dann wird’s heftig. Eine Änderung der Zustände kann ich mir nur mit Hilfe von oben und mit einer hoffentlich hier irgendwann mal eintretenden Renaissance des Katholischen vorstellen.

  2. Andreas schreibt:

    Danke meinerseits für die schöne Zusammenschau beider Beiträge!

  3. Clara Franz schreibt:

    „….Nicht vieles spricht momentan dafür, doch noch ist Hoffnung, daß ähnlich wie bei jüngeren Priesterseminaristen auch der Theologie in Deutschland eine Renaissance vergönnt ist, deren Früchte Gläubige und Kirche nähren statt sie zu vergiften!“

    Ich hoffe darauf, dass dieser Wunsch, den Sie am Ende Ihres Artikels zum Ausdruck bringen, einst Realität wird.
    Und nicht diejenige, die ich beschrieben habe.
    Es gibt ja noch andere Priesterseminare als jenes, wovon in meiner Antwort an Gerd die Rede war.

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