Papst Franziskus im Spiegel des Boulevard

In der „Welt“ hat es ausgerechnet der Boulevardjournalist der BILD Alexander von Schönburg unternommen, den Hintergrund der Befürchtungen hier, der Wunschträume dort, prägnant darzustellen.

Das zentrale Anliegen all jener „Modernisten“, für die das Pontifikat Benedikts XVI. eine widerwillig zu erduldende Wanderung durch die Wüste bedeutete, war und ist: die mittelfristige Abschaffung des Weihepriestertums. Die Grundprämisse nämlich, dass sich Priester durch Weihe von den gewöhnlichen Laien unterscheiden, ist für Modernisten und Egalitaristen ein Graus.

Daher rührt auch der in deutschsprachigen Ländern besonders leidenschaftlich geführte Kampf, die – wegen Priestermangels angeblich notwendigen – von nicht geweihten Pfarrgemeinderät(inn)en durchgeführten Wortgottesdienste als ebenso gültig wie die von Priestern („in persona Christi“) zelebrierten Messen anzuerkennen. In den Niederlanden und der Schweiz sind auf dem Land Wortgottesdienste statt Messen bereits die Regel und gelten als vollgültiger Ersatz; hier hat der Egalitarismus, der militant antisakral ist, bereits gesiegt.

[der ganze sehr lesenswerte Artikel hier]

Diesen Hintergrund darf man bei den Gefühlswallungen, wohin sie nun immer ausschlagen, nicht vergessen. Weiterhin gilt für mich zwar, daß es viel zu früh ist, zu beurteilen, inwieweit es angesichts der von Schönburg konstatierten „ostentativen Bescheidenheit“ tatsächlich Anlaß gibt, diese als Fanal zu einer Entwicklung in diese Richtung aufzufassen, die wenigen bisherigen, oft berührenden und durchaus hirtenhaften Worte des neuen Papstes geben das nicht her und noch bin  ich zuversichtlich, daß dem auch nicht so sein wird. Der Artikel wird aber jedenfalls der Wurzel des Unbehagens vieler Gläubigen weitaus mehr gerecht, -unabhängig davon, ob dieses Unbehagen selbst berechtigt ist- als sie pauschal als Rubriken- und Kostümfetischisten herabzusetzen, indem man etwa in bewährter Manier irgendein Detail aus dem großen liturgischen und auch geschichtlichen Kontext isoliert und vergrößert, wie etwa die roten Papstschuhe, um sie damit wohlfeil lächerlich zu machen.

Lesenswert ist von Schönburgs Kommentar allemal, und da ich mich so oft über die „Kirchenberichterstattung“ großer Zeitungen geärgert habe, deren Beiträge ich nur noch lese, wenn sie von bewährten Autoren verfaßt sind, hege ich nun die neue Hoffnung, daß ich nur zur Rubrik Boulevard wechseln muß, um kompetentes und halbwegs objektives lesen zu können.

[UPDATE: Hier die heutige Predigt Papst Franziskus in offizieller Übersetzung auf der Seite des Vatikans. ]

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4 Antworten zu Papst Franziskus im Spiegel des Boulevard

  1. Clara Franz schreibt:

    Der Artikel von Alexander von Schönburg ist bedenkenswert.
    In vielem teile ich seine Meinung.
    Bescheidenheit kann auch zur Attitüde verkommen.
    Dies muss nicht zwangsläufig passieren, doch die Gefahr ist gegeben.
    Papst Franziskus sieht ja, dass er gut „ankommt“ und so könnte ihn die Versuchung überkommen, diese Bescheidenheit geradezu zu kultivieren. .

    Wie er sein Papsttum auszufüllen gedenkt, muss abgewartet werden.
    Dass es Papst Franziskus Wesen nicht entspricht, rote Schuhe und prächtige Gewänder zu tragen, dass er sich damit auf eine gewisse Weise verkleidet fühlt, kann ich irgendwie nachvollziehen.
    Das heißt aber nicht, dass er Zeremonienmeister Guido Marini abwatschen muss, nur weil dieser ihm das Gewand zurechtlegte, das für diesen Anlass vorgesehen ist.
    Guido Marini kann keine Gedanken lesen und kam nur seiner Pflicht nach.
    Wenn es stimmen sollte, dass Papst Franziskus ein solches Priestergewand abfällig als „Karnevaliade“ bezeichnet hat, wäre dies sehr beleidigend.
    Damit hätte er nicht nur Guido Marini verletzt, sondern letztendlich auch emer. Papst Benedikt und alle seine Vorgänger.
    Ein Schatten hat sich auf meine anfängliche Freude gelegt.

    Er muss aufpassen, dass er vor lauter Bescheidenheit, Einfachheit und Demut nicht in Hochmut verfällt.
    Ein Hochmut, der in Bescheidenheit daherkommt.

    • clamormeus schreibt:

      @Clara Franz

      Wie sich das alles entwickelt, müssen wir abwarten. Ich habe den Artikel nicht deswegen verlinkt, weil ich Papst Franziskus unterstellte, er wäre in dem im Artikel erwähnten Sinne hochmütig. Ich fand den Artikel sehr gut, weil so viele Stimmen aufkamen, die generell die Ausübung eines Amtes als reine Frage des persönlichen Stils des Amtsinhabers auffassen, ja mehr noch, die Applaus spenden, wenn der Inhaber Habitus wie Attribute die „des Amtes“ sind, nivelliert. Die dedizierte Gegenposition Schönburgs fand ich sehr wohltuend, ebenso wie der zitierte treffende Abriß der Situation in D/A/CH, die in der Tat der Humus für viele Befürchtungen ist. (wobei es natürlich auch krasseste Übertreibungen von gewisser Seite gibt).

      Die Ondits um Marini allerdings würde ich jetzt mal in die Kategorie Tratsch und Gerüchte einordnen, umso mehr, als sie ja auch behaupteten, Marini würde schon bei der Inaugurationsmesse nicht mehr dabei sein.

  2. Clara Franz schreibt:

    Ich glaube Ihnen, dass Sie -wie Sie schreiben- Papst Franziskus keinen Hochmut unterstellen wollen.
    Auch ich möchte das nicht.
    Ich glaube ihm die Bescheidenheit, die ein Wesenszug des Menschen Jorge Mario zu sein scheint.
    Ich habe nur von der möglichen Gefahr gesprochen, von einer Bescheidenheit in einen Hochmut hineinzugleiten, vielleicht sogar, ohne es zu merken.
    Es ist eine Versuchung, die wir wohl alle kennen.
    Es wäre schön, wenn man die Angelegenheit „Guido Marini“ der Spalte Klatsch zuordnen könnte.
    Ich bin in „Geistlicher Begleitung“ und habe auch über meine Eindrücke der letzten Tage gesprochen; u.a. über diesen Vorfall (Stichwort: „Karnevaliade“), wenn er so passiert sein sollte.
    Pater Pius, OFMCap. meinte, das wäre zwar sehr ungeschickt gewesen, würde aber darauf hindeuten, dass Papst Franziskus gleich zu Beginn für klare Verhältnisse sorgen wolle.
    Diese Einschätzung Pater Pius half mir, das ganze etwas emotionsloser zu betrachten, immer vorausgesetzt natürlich, dass es überhaupt stimmt.
    Papst Franziskus bittet so häufig um unser aller Gebet – machen wir ihm dieses Geschenk!

    • clamormeus schreibt:

      Sie merken sicher, liebe Clara Franz, daß ich mich sehr dediziert zurückhalte, auf dem Blog meine bisherigen persönlichen Eindrücke über Papst Franziskus kundzutun. Ich habe Alexander von Schönburgs Artikel hier deswegen gepostet, weil er die wild wogende Debatte in einen Kontext einordnet, der aufzeigt, daß es hier bei weitem um mehr geht, als nur um persönliche Stilfragen. Und das Faktum. das die zahlreichen Änderungen, die schon in einer Woche deutlich wurden eine mächtige Signalwirkung haben, darf auch nicht ignoriert werden, wie immer die Intention des Signalgebers nun tatsächlich ist. Und das von Schönburg hier zitierte, bringt auf den Punkt, auf welches Umfeld diese Signale hierzulande treffen.
      Nun wird wohl niemand guten Willens Papst Benedikt eine ausgeprägte Demut und Bescheidenheit absprechen können. Ob man eine Mozetta und andere Insignien des Amtes trägt oder nicht, hat mit diesen persönlichen Charakterzügen rein gar nichts zu tun, das spielt auf einem völlig anderen Terrain. Wäre es anders, müßte man schließen: das Bewahren der Form des Amtes spreche für Unbescheidenheit und Hochmut, also wäre Benedikt solches zuzuschreiben. Und genau das ist m. E. die Zielrichtung dieser inkorrekten Verknüpfung. Was leider offenbar nicht allen klar ist.

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