Ein Photo, zwei weiße Soutanen, einige Gedanken.

Das Betrachten der Photos, Papst Franziskus und Papst em. Benedikt XVI. zusammen zeigen, wird mir leicht schwindlig. Zu tief ist das Bild eines lebenslangen Pontifikats verankert, als daß ich diese Aufnahmen wirklich begreifen könnte. Zu unwirklich das, was offenbar ist.

Im Vorfeld wurde viel debattiert, ob es wohl einst solche Photos geben würde. Man hoffte nein, ahnte die Macht, mit denen solche Bilder die Deutung, der überraschende Amtsverzicht Benedikts könne als Fanfare für eine künftig selbstverständliche Option betrachtet werden, beflügeln würden.

Nun ging es doch sehr schnell. Keine Frage, es hätte sie nicht geben müssen. Benedikt hätte Franziskus im Innern des Schlosses empfangen können und Kameras aussperren. Also sind diese Bilder gewollt.  Und man darf mehr als vermuten, daß es Franziskus war, der sie wünschte.

Denn es ist ihm das Treiben der medialen Spindoktoren nicht entgangen, die ihn, ermuntert von seiner durchaus demonstrativen Gesten- und Zeichensprache als den ganz und gar anderen, ganz neuen, durch und durch antiratzingerianischen Papst zeichnen, in der Absicht, ihn auch in Wort und Werk von seinem Vorgänger und allen seinen Vorgängern zu trennen, das immer auch eines der Kirche, der Sancta Ecclesia war.

Wollte Franziskus der mächtigen Dynamik, mit der er durch vergiftetes Lob als ein mit der Lehre und Tradition seiner Kirche brechender, das Christentum neu erfindender Umstürzler stilisiert wird, nun selbst ein wirkmächtiges Bild entgegensetzen? Die abgelichtete, durchaus anrührende, fast zerbrechlich wirkende Nähe der beiden Päpste, der amtierende mit dem emeritus in weißer Soutane Schulter an Schulter knieend und betend, sagt ohne jeden Zweifel: seht her, es gibt keinen Bruch, wir sind anders, aber eng vereint. Und wir mit allen vorigen Päpsten.

Obwohl auch ich aus anfangs genanten Gründen hoffte, daß es kein Photo geben werde, daß Benedikt mit seinem Nachfolger zeigt, könnte es nun die Ouvertüre zu einem Opus sein, der die grabenreißenden medialen Schaufelbagger bald hohldrehen und die hochgepeitschten Sentimentalitäten  nüchterner Betrachtung weichen läßt. Möge es so sein!

Das Video zu dieser historischen Begegnung

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2 Antworten zu Ein Photo, zwei weiße Soutanen, einige Gedanken.

  1. Clara Franz schreibt:

    Mit viel Freude habe ich das Kurz-Video auf kath.net angesehen.
    Ja, jeder von ihnen ist anders – beide jedoch versehen ihren Dienst.
    Der eine durch das Gebet in Zurückgezogenheit, der andere durch das Amt.
    Beide eint die Liebe zum Herrn und zu Seiner Kirche..
    Dessen bin ich sicher.
    Diese Bilder haben mir Zuversicht gegeben.

  2. Gerd schreibt:

    Ja möge es so sein. Ich bin ein wenig stolz, dass ich als Katholik in dieser Zeit leben darf. Welchem unserer unzähligen Vorfahren durfte dieser Anblick zuteil werden?

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