Oh, stop this, please!

„Und, ist der neue Papst gut?“ werde ich öfter von Bekannten gefragt und meine nach wenigen Tagen schon routiniert klingende Antwort ist jedesmal: „Frag mich das nächstes Jahr noch mal“. Vielleicht, soll das bedeuten, habe ich bis dahin genügend Anhaltspunkte, die meiner unerheblichen Ansicht dazu genügend Nahrung gaben. Was sollte ich aber bitte nach zwei Wochen schon dazu sagen?

Persönlichen Eindrücken und Anmutungen freilich, kann sich wohl kaum einer enthalten, der sich für das Geschehen einer Papstwahl interessiert, zumal sie in unseren Zeiten durch Übertragung in Bildern und Ton fast bis in jeden Winkel der Erde transportiert wird.  Und die können – eine weitere Binse- äußerst unterschiedlich ausfallen und das taten und tun sie auch. Stimmungen und Emotionen, vorläufige Einordnung des Wahrgenommenen, die die ersten Tage des neuen Pontifikats hervorrufen, scheinen diesmal besonders heftig und divergierend. Soweit, so gut. Auf einen Punkt aber möchte ich eingehen. Ich halte es für äußerst angebracht, einem nüchternen, möglicherweise auch noch skeptischen Standpunkt zum neuen Pontifikat, nicht naserümpfend ad hominem seine Berechtigung abzusprechen.

Für mich gilt: Papst Franziskus ist rechtmäßig gewählt. Als Pontifex verdient er Respekt und unser Gebet für ihn und nach seinen Gebetsmeinungen. Von meiner Seite darf er stets mit einer wohlwollenden Betrachtung seiner Entscheidungen rechnen. Und ganz so, wie es sich auch sein Vorgänger einleitend in seiner ersten Enzyklika erbat, verdient Franziskus die Bereitschaft, ihm unvoreingenommen und mit Vertrauen in seine guten Absichten zuzuhören. Keine Frage.

Unter Papsttreue verstehe ich aber definitiv nicht, daß ich jetzt euphorisch jubeln oder in jedem kleinen Satz und in jeder Geste die Ankündigung von Wundern und großen Zeichen erblicken müßte, oder mir bereits gewiß sein, daß Franziskus sein Pontifikat nahtlos an das Benedikts anschlösse, nur eben in einem anderen persönlichen Stil und daß ich alles auszublenden hätte, was für mich eher nicht dafür spricht.

Wer dies von mir erwartet und mir andernfalls mangelnde Papsttreue zuschreibt, tut mir Unrecht. Er möge sich dies doch bitte für den rein hypothetischen Fall aufsparen, daß Papst Franziskus einst lehramtliche Entscheidungen träfe, gegen die ich dann tatsächlichen Ungehorsam zeigte. Nur in diesem Fall nämlich wäre ein solcher Vorwurf berechtigt.

Ich darf andeuten: mit Papst Benedikt hat mich eine große persönliche Liebe verbunden, die sowohl seiner persönlichen Ausstrahlung, aber auch vor allem seinem Werk galt: es ist eine Art der Liebe, die nicht übertragbar ist.

Die durchaus geforderte und notwendige Papsttreue aber kann und darf ja auch eine nüchterne Angelegenheit der Pflichterfüllung sein, ja, sie darf mitunter sogar ringend und zähneknischend geschehen.

Wer nun meint, man müsse über jeden Papst, der gerade amtiert in grundsätzlich euphorischer Wallung sein, dem sei folgender Satz des Sängers einer Indi – Band, der einst einige arg kreischende Mädels tadelte, scherzhaft entgegengehalten: „Oh stop this please,we are not the Grateful Dead!*“

* Die Grateful Dead   hatten ein ausgesprochen jubelseliges Publikum, das muß man wirklich nicht wissen. Also der Schlußsatz wäre analog auch übersetzbar mit: Die katholische Kirche ist nicht Woodstock oder die Back Street Boys oder so was… ;-)

Über clamormeus

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9 Antworten zu Oh, stop this, please!

  1. Clara Franz schreibt:

    Ihrem Beitrag möchte ich uneingeschränkt zustimmen.
    Papst Franziskus Vertrauen schenken, auf seinen guten Willen bauen und ihm Zeit geben, seine Schwerpunkte zu setzen.
    Er muss Papst Benedikt emer. nicht nahahmen, er darf -soweit dieses Amt es zulässt, ganz er selbst sein.
    Es ist schön, dass er auf Wohlwollen stößt. Vielleicht gelingt es ihm mit seiner unkomplizierten Art, Menschen für den Glauben zurückzugewinnen.
    Nur eines darf er aus meiner Sicht nicht: Auf Applaus der Welt schielen!
    Glaubensinhalte stehen nicht zur Disposition.
    Vertrauensvorschuss, Solidarität, wohlwollende Sympathie unsererseits –
    darauf sollte Papst Franziskus bauen dürfen.
    Vorzeitig heiligsprechen oder aber ihn andererseits lieblos und abschätzig be- und verurteilen –
    weder das eine noch das andere ist angebracht.

  2. Andreas schreibt:

    „… eine Art der Liebe, die nicht übertragbar ist“ – das trifft es, denke ich, sehr gut. Ein subjektives Moment schwingt immer mit hinein. Es gab auch schon Augenblicke, bei denen ich begonnen habe, Papst Franziskus in mein Herz zu schließen; gerade am Abend der Wahl auf der Loggia zum Beispiel. Aber es wird auf jeden Fall anders sein als bei Benedikt XVI. – und es muß auch anders sein, vielleicht auch nicht so intensiv, vielleicht auf andere Weise sogar intensiver … – mit Johannes Paul II. habe ich zum Beispiel lange Zeit sehr „gefremdelt“ (wahrscheinlich auch meiner Sozialisation bei FSSPX geschuldet) – erst das Zeugnis seines Leidens hat diese Distanz überwinden können.

    • Clara Franz schreibt:

      „Es gab auch schon Augenblicke, bei denen ich begonnen habe, Papst Franziskus in mein Herz zu schließen;……“
      Mir geht es ähnlich.
      Papst Franziskus mag ich manchmal richtig gern.
      Dann wieder gibt es Momente, wo ich mich bang frage, was er uns in Zukunft wohl alles „zumuten“ wird.
      Wir sollten Geduld mit ihm und mit uns selbst haben.

      Mit ihm – weil er sich erst in seinen neuen Dienst hineinfinden muss.
      An sich zu erleben, wie man innerhalb weniger Stunden von Kardinal Bergoglio aus Buenos Aires zu Papst Franziskus mit Wohnsitz in Rom wird, will erst einmal verarbeitet werden.
      Mit uns – weil auch wir Zeit brauchen, uns an ein neues Gesicht, an einen anderen Menschen zu gewöhnen, der so ganz anders – schon in seiner Gestik – ist..
      Es wird sicher manches anders, gewöhnungsbedürftig werden – doch seien wir zuversichtlich!

  3. Rebecca schreibt:

    Obiger Bericht entspricht genau auch meiner momentanen Einstellung gegenüber Dem neuen Papst. Ich warte ab (und trinke Tee :-) Sein Lehramt werde ich 100%ig respektieren. Was mir aber grosse Mühe macht, ist seine fehlende Ästhetik. Bei Papst Benedikt konnte man sich sehr auf seine Pontifikalämter freuen, die waren immer sehr feierlich, was ich jetzt etwas vermisse. Doch die Hoffnung auf eine Besserung stirbt zuletzt.

  4. clamormeus schreibt:

    Vielen Dank für die Kommentare. Ich meine, daß eine persönliche Empathie gegenüber einem Papst gern sein darf, aber keinesfalls sein muß. Irritiert bin ich um den Wirbel um die Person des neuen Papstes, der anscheinend bei allen möglichen Spektren euphorische Erwartungen auslöst – die sich diametral widersprechen. So sind die einen gewiß, daß theologisch kein Blatt zwischen ihn und Benedikt passe, während andere schon über die Abschaffung des Vaticans frohlocken. Und ich muß sagen, ich habe keine konkreten Anhaltspunkte bisher, wofür er tatsächlich steht und behalte mir eine gewisse Skepsis vor, bis sich das konkret offenbart. Und da er von einem argentinischen Wegenossen nun auch als „Meister der Zeichen und Gesten“ bezeichnet wurde, bestätigt das meine Eindrücke,, daß seine ersten Auftritte alles andere sind als reine persönliche „Stilfragen“. Ich warte jedenfalls die ersten, konkret programmatischen Worte und Akte Franziskus und ihre Früchte ab und sehe rein gar nichts tadelnswürdiges in dieser Haltung.

  5. Gerd schreibt:

    Jede nicht gelesene Nachricht über Papst Franziskus ist eine gute Nachricht.

  6. Gerd schreibt:

    vielen geht es gerade umgekehrt – und, siehe da, auch die sind katholisch. gott sei dank, dass rechtgläubigkeit nicht von persönlichen vorliebchens abhängt.

    • clamormeus schreibt:

      @Gerd
      Ja, im Prinzip wollte ich auch darauf raus. Was mich jetzt mitunter stört, ist wenn eine rein persönliche Zurückhaltung und Nüchternheit als mangelnde Rechtgläubigkeit ausgelegt wird. Papsttreue gilt dem Amt, nicht der Person. Mich stört es dagegen nicht, wenn andere nun persönlich hellauf begeistert sind von Papst Franziskus sind. Nur ist es unbillig, das von anderen auch zu verlangen. Pasttreue ist in erster Linie Gehorsam, nicht „Gefühl“..
      Nur eines steht fest: einer der beiden Gruppen, die das jetzt laut jubeln, wird bald verstummen: entweder die, die meinen Franziskus würde das Pontifikat Benedikts nahtlos weiterführen, nur eben in seiner ganz anderen Handschrift: oder die, die erhoffen, Franziskus sei der inkarnierte Anti – Ratzinger und Anti – Römer, der das Papstamt zugunsten lokaler Bischofskollektive (sic!) nivellieren wird.

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