Die Verdemütigung des Herrn und sein Gnadenvermächtnis

Noch ganz überwältigt von den ersten beiden großen Liturgien des Triduum Sacrum, eine kleine Betrachtung zum Gründonnerstag, deren Liturgie beide Bedeutungen in sich vereint: die Geburtsstunde des geweihten Priestertums und der Heiligen Eucharistie, als Teil des göttlichen Geschenks der Errettung der Welt, wie auch das düstere Offenbarwerden des nahen Kreuztodes Jesus durch den Verrat des Judas, der noch von keinem der Jünger als Bedingung der Gnade der Errettung erkannt werden kann.

So verstummt nach dem glockenjubelnden Gloria alles, die Wandlung vollzieht sich unter dem düsteren Knarren der Ratschen und der am Ende enträumte Altar bietet das grauenhafte Bild der Ferne des Herrn. Doch das ewige Licht wurde schon entzündet, am Tabernakel eines Seitenaltars, wo die sozusagen nach der allerersten Wandlung zuvor aufbewahrten Hostien, Christus doch gegenwärtig erhalten.

Zu Anfang der Messe ist das ewige Licht noch nicht entzündet. Wie jedes Jahr wieder an diesem Donnerstag. Der Tabernakel ist leer, der Herr ist nicht anwesend im allerheiligsten Altarsakrament. Noch nicht. Denn heute erst wird er sich uns darin schenken und seine Auserwählten als Priester einsetzen und ihnen die Vollmacht geben, Brot und Wein mit seinen Worten in seinen Leib und sein Blut zu wandeln. Denn noch ist er ja selbst anwesend und offenbart erst das Vermächtnis seiner ungeheuren Liebe zu den sündigen Geschöpfen. Eine letzte Unterweisung erteilt er seinen Jüngern. Er wäscht ihnen die Füße und belehrt den Petrus, der entsetzt ist, daß Jesus, den er als Sohn Gottes erkannt hat, sich an ihm, dem Geringen, verdemütigen will. Wenn du das zurückweist, sagt er, wirst du keine Gemeinschaft mit mir haben. Jeder, der die Gnade, den Dienst des Hernn am ihm zurückweist ist verloren, Und denen, die ihn „Rabbi oder Meister“ nennen, trägt er auf, aneinander genauso zu handeln. Dies ist in der Liturgie des Gründonnerstags versinnbildlicht, wenn der Bischof zwölf Priestern, der Priester zwölf gläubigen Männern die Füße wäscht.

Auch den Judas spart er nicht aus, wissend, daß der ihn verraten und dem Kreuztod ausgeliefert hat. Denn auch er war erwählt, Priester zu sein, auch er sagte „Rabbi und Meister“ zu ihm. Der Jünger, der die Gnade der ewigen Rettung verwarf, der die Lehren des Herrn für Zwecke der Welt verbiegen wollte, der dem Herrn den sich ganz verströmenden  Liebesakt der Maria von Magdala nicht gönnte. Und er schlug die Worte des Herrn in den Wind, der ihn daraufhin gemahnte, daß es immer Arme und Bedürftige geben werde, an denen die, die an ihn glauben, Werke der Caritas zu vollbringen haben, wie Jesus es selbst lehrte und vorlebte. Er aber, der Sohn Gottes weile nur kurz als Mensch hier und sich an ihrer Liebe erfreuend, ließ er die Frau, die ihn unter Tränen salbte, gewähren.

So gesehen war Judas der erste Befreiungstheologe, der ihm selbst noch als Gefährte des Sohn Gottes die Liebe und Ehrerbiertung verweigerte. Es ist bis heute die Stimme des Judas, die gerade jene Güter und Werke der Kirche verscherbeln will, die wie das Nardöl der Maria von Magdala, Ausdruck der Liebe und Ehrfurcht für unseren Erlöser sind.

Wie gesagt, auch Judas war auserwählt, doch selbst, als er über seinen Frevel zutiefst erschrak, blieb er sich treu, und wieder schlug er die Gnade des Herrn aus. Er warf sich nicht vor ihm nieder und bat um Vergebung, er eilte ihm nicht nach und trug sein Kreuz, nein, er richtete sich selbst. Er verweigerte es dem Herrn, sich an ihm zu verdemütigen.

Das Heilige Triduum,  beinhaltet die wohl intimste Liturgie der Kirche, die ganz um das Mysterium von letztem Abendmahl, Kreuztod und Auferstehung in wunderbarer Weise gewoben ist. Und sie ist ganz denen vorbehalten, die ihr Ja zu Christus bekannt haben, und um das rettende Gnadengeschenk seiner Anwesenheit im allerheiligsten Altarsakrament wissen, an dem ihre geweihten Priester die Vollmacht der Wandlung vollzogen haben. Sie ist, wenn man so will, die katholischste.

Die Fußwaschung am Gründonnertag, als ein Teil des rituellen Geschehen um diese großen Geheimnisse, gemahnt insbesondere die Kleriker, sich an den ihnen anvertrauten Gläubigen zu verdemütigen, damit ihre Vollmacht stellvertretend zu wirken, sich entfalte. Sie gemahnt aber auch alle Katholiken, Demut gegeneinander zu üben. Die rituelle Fußwaschung ist also nicht zu verwechseln, mit dem alltäglichen Dienst der Nächstenliebe, den Christen aller Welt ungeachtet ihres Glaubens schuldig sind. Das wäre, meiner bescheidenen Meinung nach, ein schlimmes Mißverständnis.

[UPDATE: zwei sehr schöne verwandte Betrachtungen dazu auf den Blogs mit den wehenden Namen: Einmal theologisch von Pater Deneke hier auf Frischer Wind, einmal poetisch literarisch dort von Geistbraus ]

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Tagesgedanken, Versuche abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die Verdemütigung des Herrn und sein Gnadenvermächtnis

  1. Clara Franz schreibt:

    Danke, clamormeus für Ihren Gedanken: „…der dem Herrn den sich ganz verströmenden Liebesakt der Magdalena nicht gönnte.“
    Ich habe die vermeintliche „Verschwendung“ kostbaren Öls durch die Sünderin, die Judas so gestört hat, stets nur als Ausdruck seines Geizes interpretiert.
    Dass Judas durch seine innere Haltung Jesus vielleicht etwas missgönnen oder zumindest vorenthalten möchte, habe ich so nie gesehen.

    • clamormeus schreibt:

      Werte Clara Franz, natürlich klingt es ein bißchen gewagt, es so zu deuten. Aber wenn Judas meinte, der Materialwert des Öls wäre besser für die Armen verwendet worden, dann sagt er ja allein damit, daß es als Liebeszeugnis Jesus nicht zustünde. Also ist es ein Mißgönnen. Darüberhinaus aber kann ich mir Judas sehr leicht einfach als neidischen Menschen vorstellen, der die Größe Jesu nicht ertragen konnte.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s