Münsteraner Theologenjury stümpert bei Vergabe der Tradis!

O weh, der gute Geistbraus ist beleidigt. Objektiv sicher zu Recht. Aber, mon pauvre (sic!), man weiß doch, wie willkürlich und stümperhaft es in solchen Jurys zugeht. Auch ich bin beleidigt! Ich wurde nur prämiert, weil ich die Binse kundtat, daß eine persönliche Liebe zu jemanden nicht auf eine andere Person übertragbar sei. So wie ich nicht zu jeder Frau, die ich neu kennenlerne sage: „Janine, Deine Augen sind das Meer und der Wind“, sag ich halt nicht gleich zu jedem neuen Pontifex freudig Papi und mache winkewinke.  Obwohl im Prinzip eigentlich genau das gewissermaßen traditionstreu wäre, im Grunde hat man mich durch die Blume für eine Diskontinuität ausgezeichnet!  Auch insofern wollte ich die Auszeichnung solcher Cretins und Tölpel nicht mal ignorieren. Nein, Geistbraus, gräme dich nicht! Diese armen Tröpfe können nichts dafür, sie erkennen nicht einmal, was Tradition ist.

Für Mitleser: Um was es hier geht? (alle Links bei Geistbraus)

Die von der Antitra Münster oder so ähnlich, üben sich neuerdings in Rubrizismus: nachdem einer ihrer Professoren kürzlich predigte, daß es sich bei den Mitarbeitern des Papstes um „Lumpenpack“, „Gesocks“ oder „weinerliche Würstchen“ handle, die in „vorkonziliaren Klamotten“ rumliefen, das Pontifikat Benedikts nichts als ein gescheitertes voller Pannen gewesen sei, das „uns“ acht Jahre gekostet habe (Pluralis Majestatis?) und diejenigen, die das ganz anders sehen nur noch peinlich wären, und damit per Exempel nebenbei demonstrierte, daß sich zumindest das charakterlich – sittliche Mindestanforderungsprofil für ein Professorenamt sehr gelockert hat, folgt nun dies:

Unter dem sinngemäßen Motto „Tradi, du bist nervös!“ werden Beiträge von katholischen Bloggern zum jungen Pontifikat Papst Franziskus gelistet. „Tradi“ – was soll das eigentlich sein? – ist man demnach, wenn man

a) dem neuen Papst ablehnend gegenübersteht
b) wenn man in gebührendem Respekt erstmal schauen will, wer das ist
oder
c) wenn man über ihn jubelt und sicher ist, er stehe theologisch für nahtlose Einheit mit seinem Vorgänger.

Antitradi, ich kann nur spekulieren, wäre man wohl demnach in etwa dann, wenn man jubelt und sich gewiß ist, daß Franziskus angetreten ist, um das Papstamt de facto abzuschaffen, und das depositum fidei als frei definierbare Verhandlungsmasse den Bischöfen der jeweiligen Bistümer respektive ihren Stuhlkreisen überläßt.

So weit, so blöd. Nur geht es halt in der RKK nicht darum, ob man Tradi oder Antitradi ist, sondern ob man katholisch ist oder nicht. Und dazu hat Erzbischof Müller kürzlich ein klares Essential umrissen: alle Konzile, vom allerersten bis zum II. Vaticanum seien anzuerkennen. Und keines davon gibt dem „Antitradi“ in obiger Lesart eine Chance.

Und Angst vor „Neuerungen und Diskontinuität“?  Nö, gar nicht. Gewisse deutschkirchliche Traditionen der letzten 50 Jahre können wir gern sofort auf dem Sperrmüll entsorgen. Ich meditier mich mal so gut ich kann in den Heiligen Franz von Assisi rein, und versuch zu erahnen, was er vom deutschen Berufslaiengremialismus und dem Kirchensteuersystem so halten könnte.  Mich macht das gar nicht nervös.

Über clamormeus

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24 Antworten zu Münsteraner Theologenjury stümpert bei Vergabe der Tradis!

  1. Geistbraus schreibt:

    vielen Dank für die Trostworte! Es geht mir schon viel besser!

  2. Gerd schreibt:

    Na denn. Mir reicht’s wenn ich in meiner Gemeinde als Tradi bezeichnet werde. Dann fühle ich mich richtig wohl. Ganz ohne Bloggen…..;-)

    • clamormeus schreibt:

      Ah, alte Schule, Auszeichnungen direkt im Kampf erworben!
      Krieg ich nicht hin, mich hat in all den Kirchen, wo ich bin, noch nie einer „Tradi“ genannt, ich Weichei brauch für so was wohl den Blog ;-)

  3. Gerd schreibt:

    Kleiner Tipp: Im Oktober das Rosenkranzgebet betreuen. Den Geistlichen auf fehlende Priesterkleidung ansprechen und schwups; bist du ein Tradi.

    • clamormeus schreibt:

      So easy geht das hier (noch) nicht. Wenn ich im Oktober den Rosenkranz vorbete, kriege ich in „meinen“ Kirchen nur einen Riesenärger mit denen, die das gewöhnlich machen, aber was für einen, und ansonsten tragen die Priester entweder Soutanen oder Ordenshabit, auch outdoor, bis auf einen, der ist aber ein wunderbarer Zelebrant und Prediger und ein hochehrwürdiger Emeritus, und selbst der würde mich nicht „Tradi“ heißen, wenn ich ihn darauf anspräche, sondern mir nur einen feinironischen Spruch ob meiner Kleingeistigkeit zukommen lassen, vermute ich mal ;-)

  4. Pingback: Zwischen Erheiterung und erheitertem Beleidigt sein | katholon

  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Ich will auch!
    Bisher wurde mir nur von einer einzigen Protestantin Wahnsinn und Fundamentalismus vorgeworfen, weil ich das Beseitigen von Kindern nicht so doll mag.
    Aber Leuts, ich mag die katholische Kirche! Sehr!
    Und ich hab rosa Herzlein in den Pupillen, wenn ich an Papst Franziskus denke!
    Und die Sachen, die ich in der Kirche nicht überzeugend finde, stören mich noch lang nicht genug, um mich rauszuekeln!
    Und ich kann jederzeit unterschreiben, daß ich die Kirche für den mystischen Leib Christi halte.

    So. Langt das? Bin ich jetzt bald mal Tradi?

  6. Gerd schreibt:

    >>Bisher wurde mir nur von einer einzigen Protestantin Wahnsinn und Fundamentalismus vorgeworfen,<<

    Pfff…das zählt natürlich nicht. Von einer Protestantin, ich bitte dich. Wenn dein katholischer Pfarrer dir Denunziantentum vorwirft, weil du die Predigt der Pastoralreferentin nach dem Evangelium nicht so toll findest, oder meint dass das Fatima-Gebet zwischen den Gesätzen des Rosenkranzes unerträglich ist und du es trotzdem nicht lassen kannst. Dann hast du die erste Stufe des Traditionalisten erklommen. Bis zum Tradi ist ein weiter Weg, der oft unterschätzt wird. Auch für dich ein kleiner Tipp: Sprich doch mal während einer KLausurtagung des PGR die letzten Dinge an. Himmel oder Hölle……du wirst staunen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das Fatimagebet finde ich in der Tat unerträglich.
      Allerdings mit der Konsequenz, daß ich es weglasse.
      Auf Klausurtagungen des PGR darf ich nicht, weil kein halbwegs bei Sinnen seiender Katholik mich je in einen PGR wählen wird – und die anderen, als die außer Sinnen, tun es auch nicht. Aber meine Vorstellungen vom Himmel (Bibliothek mit Gesamtwerk des Archipoeta) und von der Hölle (die stelle ich mir genau vor wie die Frankfurter Buchmesse) könnten Wirkung zeigen.

  7. Gerd schreibt:

    Das Fatima-Gebet unerträglich? Habe ich meinen Pfarrer auch gefragt. Reaktion: Keine Antwort. Dabei ist es doch so katholisch: Verzeihe uns die Sünden. Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle. Führe alle Seelen in den Himmel. Barmherzigkeit. Alles Dinge die unser Papst voll unterschreiben wird, mit oder ohne rosa Herzilein. ;-)

    • clamormeus schreibt:

      Ohne eure Diskussion stören zu wollen nur mal der Hinweis: das Fatimagebet darf und kann, muß aber nicht in den Rosenkranz eingefügt werden. (lt. den Vorgaben des Hl. Stuhls). Also prinzipiell für sich persönlich frei ist da jeder, im gemeinsamen Gebet in einer Kirche würde ich halt tendieren, sich den jeweiligen Gepflogenheiten zu fügen, wobei es andererseits natürlich weniger auffällt, wenn jemand das Fatimagebet wegläßt, wenn es andere beten, als umgekehrt ;-)

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Abgesehen davon mache ich einen Unterschied zwischen „finde ich“ und „ist so und basta“. Ich halte meinen Geschmack zwar für unfassbar hochgebildete Oberklasse, lasse aber andere Meinungen als meine nicht nur zu, sondern vermute sogar, daß manchmal – also ganz selten – andere Leute als ich sogar eher Recht haben als ich.
        So tolerant bin ich! *selbstbespiegel*

      • clamormeus schreibt:

        Also das ist ja jetzt wohl eine voll ultrakrasse traditionelle Position, sich erstmal auf sein eigenes Urteil und seine Sinne zu verlassen und dann noch komplett reaktionär einzuräumen, daß man sich die Experten, die einen evtl. darin korrigieren könnten, auch noch einfach selbst nach deren Glaubwürdigkeit raussucht. Wo kommen denn da die demokratisch verfügten Glaubens – Nannies hin? Zum Lehramt dagegen kann man einfach ja oder nein sagen, es nervt nicht in persona :-)

  8. Gerd schreibt:

    @clamormeus
    >>Ohne eure Diskussion stören zu wollen nur mal der Hinweis: das Fatimagebet darf und kann, muß aber nicht in den Rosenkranz eingefügt werden.<>Also prinzipiell für sich persönlich frei ist da jeder, im gemeinsamen Gebet in einer Kirche würde ich halt tendieren, sich den jeweiligen Gepflogenheiten zu fügen<<

    In unserer Gemeinde gibt es nur zwei Vorbeter die sich bereit erklären das Rosenkranzgebet zu übernehmen. Das ist sozusagen eine Gepflogenheit aus der Not geboren. Einer davon heißt Theo der andere Gerd. Beide finden das Fatima-Gebet irgendwie sinnvoll und gelten als Tradis. LOL!
    Vielleicht überlegen wir mal, vor dem Rosenkranzgebet die Anwesenden zu fragen, ob sie mit unseren Gepflogenheiten einverstanden sind. Das ist eine Sache von 1 Minute inc. geheimer Abstimmung, versteht sich. Bei drei bis fünf Mitbetern keine Kunst. Als Tradi geht man mit Minderheiten allerdings sehr souverän um. ;-)

    @Claudia

    Wer das Fatima-Gebet unerträglich findet ist kein Tradi. Basta! ;-)

    • clamormeus schreibt:

      Also zum letzten Satz wär zu sagen: ich kenne einige Dominikanerpriester und einen Diözesanen, die mit der Tradition und dem Marianischen nun alles andere als auf Kriegsfuß stehen aber die das Fatimagebet grundsätzlich nie einfügen, teilweise sogar aus Gründen der Tradition. Das Fatimagebet – why ever – nicht zu beten, hat noch lang nichts mit.Ablehnung der Tradition zu tun.

      Ansonsten ist es in Bayern äußerst beliiebt, wenn Gläubige vor der Messe den Rosenkranz beten, fehlt es eigentlich nie, ebenso wie hier fast immer der „bayrische Rosenkranz“ gebetet wird, also das jeweilige Geheimnis in jedes einzelne Ave Maria nach „Jesus“ eingefügt wird. Ebensogut könnte man aber den „römischen“ beten, wo das Geheimnis nur jedem Gesätz voansgestellt wird, was den Vorteil hat, daß man darauf konzentriert den Text dann einfach durchlaufen lassen kann. Das würde hier aber auch als Traditionsbruch bewertet, obwohl es keiner ist.
      Also man muß schon unterscheiden zwischen Tradition(en) und Konvention(en) ;-)

  9. Gerd schreibt:

    Ach ja, vielleicht noch dieser Gedanke. Wenn der hl. Stuhl den Fatima Einschub vorschreibt ist er dann zwar immer noch unerträglich aber……..?
    Wie ich drauf komme? Unser katholischer Priester fand es in der Osternacht unerträglich, die anwesenden Christen während der Erneuerung des Taufversprechens, ihren Glauben an die eine heilige katholische Kirche zu erneuern. Stattdessen faselte er von der, OT, „christlichen Kirche“. Da hab ich dann mal laut Nein gesagt. Als Tradi gönnt man sich ja sonst nix.

  10. Gerd schreibt:

    Ich möchte betonen, ehe Missverständnisse auftauchen, dass meine vorangegangenen (@Claudia)Postings immer mit einem Augenzwinkern begleitet wurden. Aber gelernt habe ich trotzdem: Als Niederrheiner habe ich doch tatsächlich immer den „bayrischen Rosenkranz“ gebetet.

  11. Elsa schreibt:

    Bitte – ich besuche regelmäßiger die neue Messe als jedenfalls die alte – ich HATTE ein `- durchaus sarkastisch im Twitter-Dialog formuliertes – Problem mit der NAMENSWAHL des Papstes, herrjeh, das haben sogar Protestanten oder Atheisten.
    Alles Tradi, oder was?
    Aber zur Beruhigung von Leuten wie, wie hieß er noch, der Superdome-Verlinker:
    Ich fahre sowohl Mercedes wie VW.

    • clamormeus schreibt:

      Ja. Mal abgesehen davon, daß ich ohnehin kein Problem mit den Traditionen der Kirche habe, und mich irgendein Websitebetreiber von mir aus sonstwohin verschubladen kann, wie ihm ist. Mei, wenn er’s braucht. Also wegen mir war’s nicht. Aber daß dort ein 2010 (!!!) geschriebener Artikel über Franz vom Assisi und Dominicus mit „Priester der Petrusbruderschaft bringt den Heiligen Franziskus gegen Papst Franziskus in Stellung“ verbraten wird, [UPDATE: DER LINK WURDE MITTLERWEILE VON DER LISTE DER MFThK GESTRICHEN] ging mir schon mehr auf den Senkel. Und auch auf’s Zwerchfell. Und solange die, wie es Geistbraus richtig sagte, nur „Tradis“ als „schubladenmäßig weit gefaßte“ Kategorie behaupten aber nicht artikulieren können, müssen sie sich jetzt halt mein „AntiTra“ gefallen lassen. Ist ja auch nix weiter, oder? [UPDATE 2: der Link wurde nicht gestrichen, sondern umgetauft in: “Bloggerin bringt den Heiligen Franziskus gegen Papst Franziskus in Stellung” siehe nächsten Kommentar von „Frischer Wind“, auf deren Blog auch hier der wirklich sehr lesenswerte Artikel „Liturgie und Armut“ Pater Denekes, um den es hier geht.]

      Und sowieso: ich war schon im Pontifikat Benedikts trotz aller auch persönlichen Liebe zu ihm kein Idolat. Und ich fange auch jetzt nicht damit an. Probleme hat man mit dem, mit was man Probleme hat, so what, Treue ist was anderes.

      • Frischer Wind schreibt:

        Zum Update:
        Der Link wurde nicht gestrichen, sondern umbenannt in nunmehr:
        „Bloggerin bringt den Heiligen Franziskus gegen Papst Franziskus in Stellung“

      • clamormeus schreibt:

        Sorry, da hab ich mich auf eine Info dritter verlassen, hätte es checken sollen, aber wer klickt schon gern so eine Seite an. Aber lassen wir mal die peinliche „ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“ – Pose beiseite:
        wenn also ein Erwähnen dessen, daß der Heilige Franz von Assisi bei aller Verklärung der Armut stets drauf bedacht war, daß die Eucharistie auch äußerlich in größtmöglicher Pracht gefeiert werde, als „gegen Papst Franziskus gerichtet“ interpretiert wird, unterstellt man
        entweder diesem im Grunde doch, im Gegensatz zu Franz von Assisi eine liturgische Pottsau zu sein.
        Oder aber: man unterstellt Franz von Assisi, daß er in der Liturgie leider noch äußerlicher Pracht anhing.
        Oder aber drittens: da es in Pater Denekes Artikel um einen punktuellen Vergleich des Hl. Franz mit dem Hl. Dominicus ging: man identifiziert Papst Franziskus mit Dominicus und unterstellt ihm damit Etikettenschwindel.

        Aber seien wir milde: das fiele eher in der Bereich der Logik, die Site der MFThK aber ist ein Münsteraner Theologenforum. Nett das durch die mir auffallenden plötzlichen Aufrufe von dort nun zu wissen, und jetzt vergeß ich das wieder. Zum Glück haben wir ja freie Wahl, welche Theologen wir konsultieren, wenn wir mal welche brauchen.

    • clamormeus schreibt:

      Aber sag mal, wie werden denn ermäßigte BMWs gerade so franciscally correct gehandelt? Oder „kleine“ Selbstständigkeiten verschlingende Buchhandlungs- McIrgendwasse?

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