O-Töne: Eine „Konzilskirche“ gibt es nicht

Bevor ich die Dokumentation der wesentlichen Ansprachen Papst Beneedikts XVI. beginnend mit der vom 22. Dezember 2005 zum Zweiten Vatikanum fortsetze, möchte ich hier eine Ansprache vorstellen, die Joseph Kardinal Ratzinger 1988 vor den chilenischen Bischöfen hielt und zwar unmittelbar nach den unerlaubten Bischofsweihen der „Piusbruderschaft“, die zu meiner Freude in der neuen Doppelnummer des Vatican Magazin nun einer größeren Leserschaft zugänglich gemacht wird, auch online hier .

Die unbedingt als ganzes lesenswerte Rede zeigt zum einen kompakt auf, um was es Joseph Ratzinger bei seinem Anliegen, ein Schisma mit der Vereinigung zu verhindern tatsächlich ging und daß er dabei 1988 wie auch seit 2005 ganz als Verfechter des Konzils auftrat. Doch war der Versuch, die Bruderschaft zur Ensicht und Rückkehr zu bewegen nur ein – oft medial aufgehypter- Mosaikstein seines großen Anliegens, das II. Vatikanum nicht der „unerleuchteten Isolierung“ von der Tradition zu überlassen, die jene Kreise betrieben und immer noch betreiben, die sich auf den „Geist“eines „virtuellen Konzils“ berufen, der im Gegensatz zu den tatsächlichen Texten des wahren Konzils, einen Bruch mit der Tradition behaupten und diesen vor allem praktizieren. Gegen diese in der Kirche mächtigen Kreise stellte sich Benedikt wie schon Kardinal Ratzinger, er wollte den Bruch heilen. Und dies erklärt die gerade in Deutschland teils so ungezügelte Feindschaft gegen sein Pontifikat, wie auch das jetzige Nachtreten, das jeder Beschreibung spottet. Er stellte klar, daß jene Kreise, die unter anderem eine Banalisierung und Laisierung der Liturgie betreiben, sich zu Unrecht auf das Zweite Vatikanum berufen. Es sind Worte wie diese schon von 1988, die ihm Feindschaft zuzogen:

Wir müssen in der Liturgie wieder die Dimension des Sakralen zurückgewinnen. Die Liturgie ist nicht Unterhaltung, nicht Show, nicht gemütliches Beisammensein. Es kommt daher auch überhaupt nicht darauf an, dass der Pfarrer interessante Ideen und erfindungsreiche Gestaltungen zuwege bringt. Die Liturgie ist das Hereintreten des dreimal Heiligen Gottes in unsere Mitte; sie ist brennender Dornbusch, und sie ist Bund Gottes mit dem Menschen in Jesus Christus, dem Gestorbenen und Auferstandenen. Die Größe der Liturgie beruht nicht darauf, dass sie interessante Unterhaltung bietet, sondern darauf, dass der Ganz-Andere uns berührt, den wir nicht herbeirufen können. Er kommt, weil er es will. Anders gesagt: Das Wesentliche in der Liturgie ist das Mysterium, das sich im gemeinsamen Ritus der Kirche vollzieht; alles andere erniedrigt sie, und die Menschen spüren dies sehr genau. Sie fühlen sich betrogen, wenn aus Mysterium Unterhaltung wird; wenn nicht mehr der lebendige Gott, sondern der Priester oder der liturgische Animator der Ersthandelnde in ihr ist.

Und als trotz widriger Umstände und pausenloser Kampagnen gegen den Papst Benedikt, dieser mehr und mehr Gehör bei Klerikern wie Gläubigen fand und immer mehr sich der Lektüre der Texte des letzten Konzils zu- und von den vorgekauten Lesarten bestimmter Theologenkreise abwandten, und diese nun als zumindest zweifelhaft oder gar falsch erkannten, wuchs der Furor gegen diesen Papst und seine Anhänger ins Unermeßliche. Die Liturgie aber war nur ein wesentlicher Punkt seiner Hermeneutik, das Konzil als eines der Reform in Kontinuität mit der Tradition zu betrachten. Das bereits 1988 dazu gesagte, nahm schon vieles von dem vorweg, was er in seinem Pontifikat weiterhin unbeirrt als bedrohlichen, unhaltbaren Mißstand anging:

Das Zweite Vatikanum als gültiges und verbindliches Konzil der Kirche gegen Monsignor Lefebvre zu verteidigen, ist und bleibt eine Notwendigkeit. Aber es gibt eine unerleuchtete Isolierung des Zweiten Vatikanums, die die Opposition erst geschaffen hat. Manche Darstellungen erwecken den Eindruck, als ob nach dem Zweiten Vatikanum alles anders geworden sei und alles Vorherige gar nicht mehr oder nur noch im Licht des Zweiten Vatikanum gelten könne. Das Zweite Vatikanum wird nicht als ein Teil der lebendigen Gesamttradition der Kirche behandelt, sondern geradezu als das Ende der Tradition und als ein völlig neuer Beginn. Obgleich es selbst kein Dogma erlassen hat und sich bescheidener im Rang als pastorales Konzil verstanden wissen wollte, stellen es manche so dar, als sei es gleichsam das Superdogma, das alles andere unwichtig mache.
Dieser Eindruck wird vor allem durch Vorgänge im praktischen Bereich verstärkt. Was vorher das Heiligste war – die überlieferte Form der Liturgie –, erscheint plötzlich als das Verbotenste und das einzig sicher Abzulehnende. Kritik an modernen Maßnahmen der Nachkonzilszeit wird nicht geduldet; wo aber die alten, großen Wahrheiten des Glaubens im Spiele stehen – etwa die leibliche Jungfräulichkeit Marias, die leibliche Auferstehung Jesu, die Unsterblichkeit der Seele und so weiter – erfolgen Reaktionen überhaupt nicht oder nur höchst gedämpft.

Wer nun glaubt, mit dem Amtsverzicht Benedikts seien diese Themen nun vom Tisch, wird hoffentlich schnell eines besseren belehrt. Zum Abschied zeigte sich Benedikt selbst sehr zuversichtlich, daß nun das „wahre Konzil“ jenes „virtuelle der Medien“, jenes des Bruchs, das fast absurderweise jenes der selbsternannten Modernisierer wie auch das der FSSPX war und bleibt, endlich ablösen werde. Es ist also zu hoffen, daß jene Experten – ich bin keiner- die sich ganz gewiß sind, daß zwischen Benedikt und seinen Nachfolger Franziskus „theologisch kein Blatt paßt“, Recht haben. Dann wird es schnell gehen.

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4 Antworten zu O-Töne: Eine „Konzilskirche“ gibt es nicht

  1. Andreas schreibt:

    Ich habe ebenfalls den Eindruck, daß „interessierte Kreise“, alldieweil gegen deren Intention zunehmend mit Konzilstexten argumentiert wird, sich entsprechend auf die Beschwörung des „virtuellen“ Konzils verlegen, um ihre „Reformen“ durchzudrücken. Ein gutes Beispiel scheint mir der Schweizer „Konzilsblog“ zu sein, der historisch interessante Informationen sehr gerne mit den üblich verdächtigen „Reformanliegen“ verknüpft.

    • clamormeus schreibt:

      Ja, die Texte des Konzils mag das Konzil gar nicht, die wollen nämlich hinter „das Konzil“ zurück. oder so;-)
      Andererseits: wenn man gemäß der „Hermeneutik der Reform in Kontinuität mit der Tradition“ sagt: das Zweite Vatikanum sei nich schuldig an der „Verwüstung im Weinberg des Herrn“, stellt sich halt die Frage: wer oder was war und ist es dann und wie wäre damit zu verfahren? Das Pontifikat Benedikts brach an dieser Stelle ab. Nun bin ich äußerst gespannt auf Papst Franziskus erste Bezugnahme dazu.

  2. Gerd schreibt:

    >>Dann wird es schnell gehen.<<

    Schlimmer geht's ja auch nimmer. Was heute an liturgischem Wildwuchs so in den Messen wuchert ist mit dem viel beschworenen Geist des Konzils überhaupt nicht mehr zu erklären. Die Kinder, die Jugendlichen, die Erwachsenen und die alten Menschen wenden sich mit Grausen von diesem sonntäglichen Verbalgetöse ab. Nur noch piep, piep, piep wir alle haben uns lieb, trägt nicht einen einzigen Tag durch's Leben. Noch nicht einmal eine Stunde, wenn jemand nach der Messe seine an Demenz erkrankte Mutter pflegen muss. Bei mir ist momentan der Zustand eingetreten, dass ich mich in der hl. Eucharistiefeier ausschließlich auf die Lesungen und das Evangelium konzentriere. Nur noch da, und wirklich nur noch da, begegnet mir Jesus im Wort. Die Predigten landauf, landab sind nur noch zum Heulen. Mit ein bisschen Übung, kann man während der Gutmenschhomilien ganz gut den Rosenkranz beten und so abschalten vom geschwätzigen Geschwafel so vieler Priester, Diakone und Pastoralreferenten.

    Dieses ganze Bohei um den angeblichen Geist des 2.Vatikanums habe ich immer schon gehasst wie die Pest. Ich bin überzeugt davon, dass der Herr diesem Treiben selber ein Ende setzt. Möge es ein Ende ohne Schrecken sein. Vorbild wäre da die friedliche Zerstörung der Sowjetunion. Man darf ja mal träumen……

    • clamormeus schreibt:

      Ein Problem ist halt, daß viele es nicht anders und nicht besser kennen. Und die meisten bleiben weg, und beileibe nicht alle davon, weil sie den Glauben verloren hätten, sondern weil sie das Vorgefundene nicht verstehen und nicht ertragen.

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