Ein in sich haltloser Einwand gegen das Sakrament der Buße

Vor einiger Zeit verfolgte ich eine intensive Diskussion auf einem Blog vornehmlich zwischen Katholiken und Protestanten; ich weiß jetzt nicht genau welcher Denomination diese angehörten, es ging jedenfalls um das Sakrament der Buße. Einige der beteiligten Protestanten verneinten die Vollmacht eines geweihten Priesters, dem Beichtenden – durch diese nach katholischer Lehre von Christus selbst verliehenen Vollmacht, an seiner Stelle- seine Sünden vergeben zu können. Sie beharrten darauf, daß man sich direkt an Gott zu wenden habe dafür.

Das Sakrament der Priesterweihe wurde insofern ohnehin abgelehnt, da nach der protestantischen resp. lutherischer Aufassung jeder Getaufte gleichermaßen zum „allgemeinen Priestertum“ berufen sei und das katholische Weihepriestertum „römischer Hokuspokus“ zur Aufwertung des Klerus sei. Protestantische Pfarrer und Pfarreinnen werden in erster Linie pastoral als Hirten der Gemeinde betrachtet. So weit, so erwartungsgemäß.

Aber irgendwas beschäftigte mich daran weiter, irgendwas stimmte nicht in dieser Argumenation und wie des öfteren, ich hatte das ganz Offensichtliche übersehen:

Es ist weit mehr, als eine unterschiedliche Auslegung der Heilige Schrift: Für Katholiken ist das Abendmahlsamt die Geburtsstunde des sakramentalen Priestertums. Die Protestanten sagen: stimmt nicht, alle Christen sind für das Priestertum eingesetzt.

Doch nicht nur das Sakrament der Eucharistie wurde eingesetzt, sondern auch das der Sündenvergebung, wie es in Johannes 20, 19ff belegt ist: „Welchen ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, und welchen ihr sie behalten werdet, dem sind sie behalten“.

Die Konsequenz aus protestantischer Logik wäre dann doch: jeder getaufte Christ könne jedem anderen Menschen seine Sünden vergeben, nicht nur Priester. Gesagt wird aber stattdessen erstaunlicherweise: das kann keiner, auch kein Priester.

Mit dem Prinzip „Sola Scriptura“ kann diese ertaunliche Theologie und Praxis  jedenfalls nicht begründet werden; denn irgendjemanden muß Christus ja gemäß Johannes gemeint haben. Daß die Protestanten hier darauf verzichten, zu behaupten: „Na, alle Getauften!“, ehrt sie zwar und wer wäre da nicht bei ihnen. Aber, wer, meinen sie, war laut der Schrift denn dann von Christus gemeint?

 

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2 Antworten zu Ein in sich haltloser Einwand gegen das Sakrament der Buße

  1. Gerd schreibt:

    Protestantische Logik in Sachen Schriftauslegung erschlesst sich mir eh nicht. Ich habe in unzähligen Gesprächen mit den evangelischen Mitchristen, die sichu.a. vehement gegen das Primat des Papstes aussprachen, noch nie ein brauchbares Gegenargument für die Schriftstelle, in der Jesus den Petrus als den Felsen einsetzte, gehört. Noch nie. Was sagt uns das? Es gibt halt Menschen die haben Ohren aber hören nicht, die haben Augen aber sehen nicht. Warum das so ist? Keine Ahnung. Der Auftrag Jesu Sünden zu vergeben ging ausschließlich an seine Jünger. Genauso wie die richtige Auslegung der frohen Botschaft. „Wer euch hört, der hört mich!“ Was gibt es da noch rumzudeuteln? Vielleicht liest hier ja ein protestantischer Christ mit. Ich bin jetzt 52 Jahre und habe immer noch keine brauchbare Antwort und ja, ich bin gewillt zu hören und ja ich bin gewillt zu sehen.

  2. Clara Franz schreibt:

    „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ Joh 20, 23
    Ein klarer Auftrag! Unverrückbar! Undiskutierbar!
    Jesus sagte vorher auch noch: “ ….. Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch…“ und hauchte sie an. Joh 20, 21,22
    Damit hat er seine Jünger auf ihre Aufgabe vorbereitet und sie dafür befähigt.

    Ich kann nur meinem Gegenüber vergeben, der mich in irgendeiner Weise verletzt hat –
    und selbst das ist -je nach Situation- nicht immer einfach und verlangt fast alles ab.
    Wenn schon das eigene Vergebenkönnen schwer fällt, wie könnte ich dann die Sünden des anderen im Namen Gottes vergeben?

    Beichten dürfen, im Beichtvater zwar ein liebevolles, offenes, zuhörendes Gegenüber zu haben, dennoch mit dem klaren Blick für seinen Auftrag – was könnte befreiender sein!
    Wenn mir der Priester nach „getaner Arbeit“ -und oft genug ist es das- die Hand auflegt, kann innere Heilung beginnen.
    Wie wollte ich darauf verzichten?

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