Noch ein paar Gedanken zur christlichen Liebe

Ein paar Sätze seien Guardinis Worten zum Wesentlichen christlicher Liebe noch gewidmet, wie sie hier skizziert sind:

Es ist also von der unwahrscheinlichsten, wunderbarsten Liebesgeschichte überhaupt die Rede: Gott liebt alle Menschen, jeden einzelnen persönlich. Und er läßt jedem die Wahl, diese Liebe zu erwidern.  Es ist der Mensch selbst, der dieses Bündnis besiegelt -oder verwirft. Denn verwirklicht ist die christliche Liebe erst dann, wenn der gerufene geliebte einzelne Mensch Christus liebend antwortet. Er zwingt niemanden, ihn zu lieben, aber er ruft jeden dazu.

Das irdische Leben ist auch die Frist, in der dieses Ja jedes Einzelnen erfolgen kann, bis zu den letzten Stunden. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg  verdeutlicht dies: jeder bekommt am Ende den gleichen Lohn, gleich, ob er schon morgens oder nur eine Stunde darin gearbeitet hat. Aber dabei sein muß er, und zwar am Ende des Tages, wenn der Lohn verteilt wird. Und der ist für alle gleich groß, die in seinem Weinberg dienten. Ein Prälat brachte es in einer Predigt wunderbar auf den Punkt: mehr als das ewige Leben in der Herrlichkeit Gottes kann es nicht geben.

Und so muß und wird die tiefste Sorge eines liebenden Gläubigen dem gelten, einem Anderen das vor Augen zu halten: mein lieber Freund, oder auch Feind, du mußt „Ja“ sagen, und zwar zu der Liebe dessen, der dich da liebt: es ist Gott selbst! Die Botschaft: „Jesus liebt dich“ nennt gewissermaßen die objektive Seite der christlichen Liebe; zu ihr muß aber ein persönliches Ja kommen, damit sie vollständig wird: „Ich liebe Christus!“

Dies ist als Wesentliches zu „verkündigen“: es setzt aber voraus, daß ich bedingungslos anzuerkennen habe, daß Christus Gott ist, in der Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist ist; zwar durch Maria Mensch geworden, aber „geboren vor aller Zeit“, wie es im Credo heißt. Wer sagt, Jesus war (nur) ein besonderer Mensch, ein besonders weiser, gütiger, edler, barmherziger Lehrer, ein Vorbild u.s.w., kann nicht „verkündigen“. Mag er die Lehren und Taten noch so wegweisend und vorbildlich finden, er hat den Kern, das Wesentliche schon weit verfehlt: daß es sich hier um die Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen handelt und dies in einem personalen, wenn man so will auch intimen Sinne.

Mag einer noch so begeistert sein von Teilen der Lehren Jesu: wenn er ihn nicht als Gott erkennt, der aus Liebe zu uns einmal für kurze Zeit selbst Mensch wurde, sich offenbarte, und sein Leben zu unserer Rettung und Erlösung hingab, gibt er sich letztlich aus Mißverständnis einer Idolatrie hin: seine Jesusverehreung meint dann einen Menschen, nicht Gott. Er ist vielleicht „Jesuaner“, nicht aber Christ. Denn Christus kann Jesus nur sein, wenn er Gott ist.

Und als Verkündender führt ein solchermaßen Ungläubiger, der Jesus das Gottsein abspricht, andere in die Irre. Mag es ihm noch so sehr um den Dienst an Schwachen oder die innerweltliche Gerechtigkeit gehen.

Daran schlössen sich viele Gedanken an; ich will zum Abschluß vorsichtshalber nur betonen, daß ich mit dem Gesagten den konkreten, menschlichen Dienst an Anderen keineswegs geringreden will. Nur, wenn die Verkündigung wirklich die christliche Liebe meint, ist die wichtigste Botschaft: Gott liebt dich, also liebe du Gott, das will er von dir. Und folge ihm so nach. Das Weitere wird sich weisen!

So, und nu mal genug gepredigt ;-)

Trackback: https://einfachentfachend.wordpress.com/2013/04/20/christliche-liebe-meint-nicht-nur-caritas/

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2 Antworten zu Noch ein paar Gedanken zur christlichen Liebe

  1. Dani schreibt:

    „Und er läßt jedem die Wahl, diese Liebe zu erwidern. […] Er zwingt niemanden, ihn zu lieben, aber er ruft jeden dazu.“

    Auch wenn es sich tatsächlich so verhält, finde ich aber die Konsequenzen die aus dem Nichterwidern der Liebe resultieren schwierig.
    Denn wie frei ist eine Entscheidung, die nicht nur einen Gewinn bringen, sondern eben auch Hölle nach sich ziehen kann?
    Wäre die Alternative „Leben in der Herrlichkeit Gottes“ oder „Auslöschung“, so wäre eine freie Wahl möglich, denn Gott ist das Leben. Wer sich gegen ihn entscheidet wird nicht leben.
    Ist aber die Alternative „Leben in der Herrlichkeit“ oder „Leben im Leiden“ empfinde ich die Wahl als eingeschränkt…

    • clamormeus schreibt:

      @Dani

      Die Möglichkeit der Verdammung zieht ja ohnehin nur der Gläubige in Betracht; allerdings ist es mir schwer vorstellbar, daß man aus Furcht davor im oben gemeinten Sinne wiederlieben kann. Glauben heißt ja auch, daß man um Gottes Liebe weiß und dennoch kann man dem Erwidern ausweichen, insofern ist man da schon frei.
      Aber natürlich sollte obiges keine Spekulation darüber sein, ob ich denn, wenn ich nicht zurückliebe, verdammt würde, genausowenig umgekehrt darüber, wie groß wohl mein „Gnadenkonto“ ist.
      Es ging nur darum auszudrücken, daß ich diesen -wie Guardini es sagt: verwirklichenden- Schritt der Erwiderung selbst zu tun habe, auch wenn mir dafür zuvor die Gnade zuteil werden muß, dies, ebenso wie die Liebe des Herrn, erkennen zu können.

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