Die Affaire um Cohn-Bendit zieht Kreise

Der sich 2010 öffentlich offenbarende Skandal des sexuellen Mißbrauchs von Kindern durch einige Priester und Angestellte der RKK traf nicht nur die Kirche selbst wie eine Schockwelle. Angeprangert wurde neben den Vergehen – völlig zu Recht – die Vertuschung der Verbrechen und Übergriffe durch Vorgesetzte.
Leider ergab sich in der Folge eine starke Tendenz, über die abscheulichen Vergehen des sexuellen Kindesmißbrauchs nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit der RKK zu debattieren, in einer Art, als gebe es diese Verbrechen nur in der Kirche, oder sie würden jedenfalls  in allergrößter Überzahl dort begangen, obwohl Experten den Anteil von im Dienst der Kirche Stehender begangener Taten nie größer als 1% des Gesamt einschätzten. Dennoch wurden alle Katholiken, insbesondere die Priester in Sippenhaft genommen, die Sexualethik der Kirche und der priesterliche Zölibat wurden als ursächlich diffamiert, ohne jeden Beleg und unter Ignorierung aller Taten außerhalb der kirchlichen Sphäre, obwohl bekannt ist, daß diese auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattfanden und -finden. Aber lediglich noch der organisierte Mißbrauch von Schülern der Odenwaldschule durch Reformpädagogen fand, neben der Kirche, den Weg in die Schlagzeilen und Talksshows.
Zwar bin ich als Katholik auch der Ansicht, daß Vergehen an Kindern in der Kirche noch viel schwerer wiegen als anderswo, doch die Angriffe ließen teilweise jedes Maß, jeden Anstand vermissen. Daß unter der entschlossenen Führung Papst Benedikts XVI., der schon zu Kardinalszeiten gegen Täter und die vertuschenden Seilschaften in der Kirche vorging, endlich eine rigorose, umfassende Aufarbeitung und Prävention wirksam begann, wurde ebenso ignoriert wie der Fakt, daß die allermeisten Priester und Laien nichts von solchen Verbrechen wußten.
Endlich scheinen Journalisten wieder gewillt, hier im Kontext des Skandals um die Theodor Heuss – Preis  Vergabe 2013 an Daniel Cohn – Bendit, den Blick auf die gesamte Gesellschaft zu richten, hier auf gewisse Gruppen und Personen der 1970er und 1980er – Jahre, die versuchten, sexuelle Beziehungen zu Kindern zu legalisieren und dabei teilweise auch bei den GRÜNEN Unterstützung fanden, bis das gesellschaftliche Bewußtsein ab Mitte der 1980er weiteres öffentliches Vertreten pädophiler Positionen nicht mehr zuließ.  Christian Füller schreibt in der FAZ 

Bis Mitte der achtziger Jahre gab es eine linke und homosexuelle Szene, die sich als Emanzipationsbewegung verstand und immer wieder auch gleichberechtigten Sex mit Kindern propagierte. Teile der Grünen versuchten bis weit in die achtziger Jahre, den Missbrauchs-Paragraf 176 abzuschaffen oder wenigstens einzuschränken.

Der weitere Artikel fördert zutage, daß manche grüne Politiker wenig Neigung zeigen, sich der Aufarbeitung dieser Zeit zu stellen und sogar Archivmaterial dazu in der Heinrich Böll-Stiftung auf Wunsch Involvierter unter Verschluß gehalten werden. Auch zu Daniel Cohn Bendit und „einem Bundestagsabgeordneten“, der im Artikel nicht namentlich genannt wird. Umso erfreulicher, daß es auch aus dieser Partei andere prominente Stimmen dazu gibt, wie die von MP Kretschmann.
Es ist zu wünschen, daß solche Recherche keine Eintagsfliege ist und bleibt. So notwendig es ist, Verbrechen an Kindern in der kirchlichen Sphäre zu unterbinden und die -besonders in den 197oern, sicher auch infolge der Lockerung bis dahin rigoroser innerkirchlicher Disziplinarmaßnahmen gegen solche Priester- bereits begangenen aufzuklären soweit möglich, muß dies für die gesamte Gesellschaft gelten.
Das Ausmaß läßt sich nur erahnen. So finden sich alle paar Monate Zeitungsnotizen, die Polizei habe hier oder dort einen Pädophilenring ausgehoben, oft ist dabei von mehreren hunderten Personen die Rede, doch nie erfahren wir, um wen es sich dabei handelt. Warum? Der Anschein liegt nahe, daß ganze Branchen von der sexuellen Gier mancher nach Kinderkörpern leben. Schon im Skandal um den belgischen Kinderschänder Marc Doutroux fiel auf, daß bis in höchste politische Ebenen hinein Aufklärung behindert wurde.  Es gibt überall und viel Aufarbeitungs- und Handlungsbedarf. Nicht nur in der Kirche.

[UPDATE: Auch Cinderella 01 berichtet aus dem Beiboot]

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