Dominique Venner erschießt sich in Notre Dame

Der Literat und Historiker Dominique Venner (78) erschoß sich gestern in der Kathedrale Notre Dame zu Paris vor dem Altar. Wie eine dort von ihm hinterlassener Abschiedsbrief und auch sein letzter Blogeintrag nahelegen, tat er dies als Geste des Widerstands gegen die Einführung der „Homoehe“ in Frankreich sowie gegen die „Islamierung des Landes“.

Sein letzter Post, [hier quick and ditrty mit einigen Auslassungen von mir übersetzt, hier zum franz. Original] beginnt mit einer Adresse an die Demonstranten des 26. Mai gegen das neue Gesetz, das homosexuellen Paaren ermöglicht, rechtlich in allem der Ehe gleichgestellt zu sein: „Ein infames Gesetz kann jederzeit wieder abgeschafft werden“

Dazu zitiert er einen algerischen Blogger: „In 15 Jahren werden die Islamisten die Macht in Frankreich haben, dann schaffen wir das Gesetz wieder ab“.  Nicht um uns einen Gefallen zu tun, sondern weil es konträr zur Scharia ist, fügt Venner hinzu und fährt fort: Dieser Punkt sei die einzige Gemeinsamkeit zwischen der europäischen Tradition, die die Frau respektiere und dem Islam, der dies nicht tue.

Venner hält die Prognose eines „gefallenen Frankreichs“ für wahrscheinlich, hätten doch die Politiker und Regierungen aller Parteien außer dem Front National seit 40 Jahren die afro-maghrebinische Einwanderung beschleunigt Dies wirft er auch der Kirche vor.

Dann verweist der Preisträger der Academie Francaise auf große Autoren, die schon lange davor warnten. Den Demonstranten des „Manif pour tous“ sagt er, es reiche nicht aus, hübsche Demonstrationen zu veranstalten, eine veritable „intellektuelle und moralische Reform“ sei vonnöten, die eine Wiedereroberung des Gedächtnisses der französischen und europäischen Identität ermögliche. Um dieses „Erwecken unserer Ursprünge“ zu befördern, bedürfe es  „neuer, spektakulärer und symbolischer Gesten“. Es sei an der Zeit, Worte durch Taten zu authorisieren.

Venner schließt auf Heidegger verweisend: Das Wesen des Menschen läge ganz in der Spanne seiner Existenz, nicht „in einer anderen Welt“. Hier und jetzt spiele sich unser Schicksal ab, bis zur letzten Sekunde. Und diese letzte Sekunde habe den gleichen Wert wie der Rest eines Lebens. Man müsse sich entscheiden und habe nur die Wahl, ganz „man selbst“ zu sein, oder nichts zu sein.

Gegen 16 Uhr betritt Dominique Venner die Kathedrale, geht zum Altar, zieht eine Pistole, hält sie in dem Mund und drückt ab, vor hunderten Besuchern.  Ich weiß nichts über den Menschen Dominique Venner; sollte diese Tat an diesem geweihten Ort mit großer Geschichte, deren Zeugenschaft er vielen Anwesenden aufzwang, tatsächlich im Sinne der von ihm geforderten großen, symbolischen Gesten gemeint gewesen sein, muß ich gestehen, daß sie in mir nichts erweckt, außer tiefstem Befremden, Ratlosigkeit und einen kalten Schauer. Es bleibt für jetzt nur das Gebet um Gottes Gnade.

PS: Der Text des Abschiedsbrief ist mittlerweile im Web auffindbar, dazu bald mehr hier.

UPDATE: Drei Zitate, aus dem Abschiedsbrief, in dem Venner die Tat von einer „Ethik des Willens“ geleitet sieht (hier aus der Übs. der JF)

Ich bin gesund an Leib und Geist und erfüllt von Liebe für meine Frau und meine Kinder. Ich liebe das Leben und erwarte nichts jenseits von ihm, es sei denn das Fortleben meiner Rasse und meines Geistes.

Ich opfere den Rest meines Lebens als Protest und Aufruf zu einem Neubeginn. Ich habe dafür diesen hochsymbolischen Ort ausgesucht, die Kathedrale Notre Dame von Paris, die ich achte und bewundere und die von dem Genius unserer Vorfahren auf den Kultstätten noch älterer Zeiten errichtet wurde, und so an unsere unvergeßlichen Ursprünge erinnert.

Da uns eine identitätsstiftende Religion fehlt, sind wir seit den Zeiten Homers auf unser eigenes Gedächtnis zurückgeworfen.

Jetzt wundert es mich nicht mehr, daß er es wagte, seine Tötung vor dem Altar der Kathedrale zu zelebrieren, Gott  existiert für ihn anscheinend nicht.  Das christliche Erbe scheint zu seinem „Identitäts-“ und „Traditionsbegriff“ gar nicht dazu zu gehören.

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Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
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8 Antworten zu Dominique Venner erschießt sich in Notre Dame

  1. Andreas schreibt:

    Auch wenn es so garnicht zu diesem Thema passt, aber beim ersten Blick in die Liste mit den neuesten Beiträgen anderer Blogs mußte ich doch grinsen:
    Das sah etwa so aus:

    einfach entfachend
    Dominique Venner erschießt sich in Notre Dame

    • clamormeus schreibt:

      Grins, badischer Bruder!

      Der Titel sieht ja fast echt so aus, als wäre Venners verblendeter „Heroismus“ ausgerechnet bei mir verfangen. Hoffe, mein Text legt das eher weniger nahe. Muß jetzt eigentlich jeder und jede, der so rum oder anders rum ein Problem mit der „Homoehe“ hat, irgendeinen Schwachfug in einer Kathedrale veranstalten? Das kapier ich noch nicht ganz.

  2. Ester schreibt:

    Nein es muss keiner so einen Schwachfug veranstalten, aber ich denke anders, ich denke das diesem denkenden atheistischen Menschen, schlicht und ergreifend die Lage der westlichen Nationen klar geworden ist.
    Das er keine Ahnung von christlicher Hoffnung hatte, das mag auch daran liegen, dass es ihm keiner gesagt hat.
    Das Leben anundfürsich ist noch nie rosig gewesen, aber man hat den Leuten jeglichen Trost, den der Glaube an eine jenseitige, absolute und dennoch barmherzige Gerechtigkeit gibt ausgetrieben und mit der Idee das man durch die Dunkelheit zu den Sternen komme auch als prähistorischen Unfug aufgeräumt.
    Im übrigen hat er nix anderes gemacht als irgendwelchen hochgelobten buddhistische Mönche, evangelische Pastoren im „Osten“ die sich ja auch aus Protest gegen den Kommunismus bzw gegen sonstwas selbst verbrannt haben http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverbrennung

  3. Clara Franz schreibt:

    Warum erschießt sich ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, ausgerechnet in einer Kirche?
    War vielleicht nicht doch ein Zipfelchen Hoffnung in ihm oder Sehnsucht nach Angenommenwerden von eben diesem Gott?
    Wir wissen nicht, was in ihm vorgegangen ist, welches Gefühlschaos in ihm geherrscht hat.
    Auf jeden Fall schien er unglücklich gewesen zu sein.
    Einen Suizid vor dem Altar könnte man als ein Sakrileg empfinden.
    Ich bin dazu nicht imstande.
    Monsieur Venner tut mir leid!
    Unser Herr wird ihm gnädig sein!

  4. clamormeus schreibt:

    Ester und Clara, danke für die Kommentare!
    Aber offen gesprochen: hätte ich den Abschiedsbrief schon gekannt, hätt ich den Post gar nicht mehr geschrieben.
    Ich denke, daß Venner, als fast 80jähriger Franzose, schon genügend vertraut mit der katholischen Lehre war, er hat sie gekannt und verworfen. Letzteres ist seine Entscheidung gewesen, aber wenn er denn schon von Identitäten und Traditionen Europas spricht, darf ich mich doch wundern, wenn er dabei das wesentliche Element verwirft. Seine Theorie ist dann also nichts als ein Konstrukt, die es nicht lohnt, weiter zur Kenntnis genommen zu werden. (ich kannte Venner bisher überhaupt nicht)
    Und welches persönliche Drama hinter so einem Schritt steht, darüber steht mir kein Urteil zu, geschweige denn darüber, wie Gott darüber befindet.
    Die hiesige Wirkung dieser Tat, wird, fürchte ich, mitnichten eine gute sein, in vielerlei Hinsicht.

  5. Clara Franz schreibt:

    Gut, clamormeus, den letzten Satz werde ich ändern in:
    „Unser Herr m ö g e ihm gnädig sein.“
    Im Grunde wissen wir gar nichts!
    Trotz der Tatsache, dass Venner den Glauben für sich abgelehnt hat, wissen wir doch nicht um eine möglicherweise vorhandene Sehnsucht in ihm.
    Widerstreitende Gefühle kennen wir doch auch in uns.
    Gott schaut seinem Kind Dominique ins Herz und wird die richtige Entscheidung für dessen Seele treffen.
    Welche Wirkung Monsieur Venners Selbstmord haben wird, müssen wir abwarten.

    • clamormeus schreibt:

      Wie es in seinem Innern aussah, weiß ich nicht.
      Aber er muß doch sehr fest in seiner Verneinung gewesen sein, sonst hätte er wohl nicht die Tat auch noch in der Bischofskirche begangen und diese damit profaniert, so daß sie jetzt neu geweiht werden muß.
      Und wenn ich seinen Abschiedsbrief recht verstehe, sagt er doch, das Christentum und die Kirche seien Teil des Problems, gegen das er ankämpft. Darin wär er dann ja nicht so weit weg von den Politeliten, die er bekämpft.
      Ich fürchte auch, daß das Nachahmer finden könnte, die in ihrer persönlichen Verzweiflung meinen, sie könnten so noch eine Art „Heldenerbe“ hinterlassen, für welche Überzeugungen auch immer. Und daß es jetzt noch schwerer wird, halbwegs rational über Dinge wie die „Homoehe“ zu debattieren, dürfte auch klar sein.

  6. Ester schreibt:

    Es gibt seit der franz, Revolution die immer wieder virulente Idee, dass die Kirche an allen und jedem Übel schuld ist.
    Plaktiv stellt es sich dann so dar :
    Also früher die ollen Germanen (wahlweise Kelten, wobei man sich um Unterscheide nicht schert), die waren gut drauf und wussten alles. Besonders die weisen Frauen (also die Hexen) das waren die, die keineswegs mit Mutterkorn (=LSD) Abtreibungen vornahmen und auch nicht als der weiblichen Existenz höchstes Ziel Sex mit dem Teufel anstrebten.
    Auch pflegten die ollen völkerwandernden Germanen keineswegs aus dem Blut gefangener Kriegsgefangener ihren Weg gedeutet, nein, die Welt vor Christus war ein reines Paradies, egal ob bei den Germanen, den Römern den Griechen und auch bei den Indios,d as ging solange gut, bis die bösen,. bösen Christen kamen………………..
    Man sollte zwar erwarten dass ein studierter Historiker es besser weiß, aber seien wir ehrlich, all diese verrückten Ideen, die kommen von den Intellektuellen.
    So wollen wir einfach annehmen, das er wirklich verzweifelt war, weil ja die Grundannahme jedes halbwegs gebildeten Europäers: dass es nämlich immer besser wird, je weniger die Kirche zu sagen hat: sich als falsch herausgestellt hat.
    Ja es ist wohl so, wer in guten Zeiten nicht seinen Frieden mit Gott macht, der kann das nicht tun, wenn dann schlechte Zeiten kommen.

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