Warum nur heute? – Zur Anbetungsstunde im Jahr des Glaubens

Manchmal kommt mir zum Beispiel beim 12 Uhr Läuten während des Angelusgebetes oder danach in den Sinn, daß viele andere Gläubige irgendwo in dieser Zeitzone nun dasselbe beten. Das tröstete mich über einen gewissen Unwillen hinweg, das 12 Uhr keineswegs mehr Mittag bedeutet, den Punkt des Tages, an dem die Sonne am höchsten steht, was aber gerade mit diesem Gebet von jeher verbunden war, bis man irgendwelchen Eisenbahnfahrplänen zu Ehren die wahren Ortszeiten geglätteten Zeitzonen opferte, mit der Folge, daß sich die realen Tageszeiten an einem Ort zwischen einigen Sekunden bis zu einer Stunde von der Uhrzeit entfernten. Kommt dann noch eine weitere technokratische Übergriffigkeit hinzu, wie die sogenannte Sommerzeit, hat das zur Folge, daß ich an dem Ort, an dem ich lebe, das Angelus eigentlich erst um ca. 13 Uhr 15 beten dürfte, wenn es denn mittags sein soll.  Denn wenn hier während der MESZ die Glocke zwölf schlägt, ist es keineswegs Mittag, sonder erst ca. viertel vor 11!

Jedenfalls ist das Wissen darum, daß andere Schlag 12 im Bereich der MEZ mitbeten dennoch schön, wenn auch in in künstlicher Synchronisation, die nur entlang eines einzigen Meridians dieses Bereichs tatsächlich Mittag ist, und während der MESZ nirgends, sondern bestenfalls 11 Uhr wahre Ortszeit.

Die Wellen des Angelus oder der Stundengebete schwappen dann eben zu jeder vollen Uhrzeit im Stundentakt rund um die Erde, auch das ist erhebend und tröstlich, auch wenn mir die kleine schnelle Welle von tatsächlichem Mittag zu Mittag noch lieber wäre.

Die Bitte Papst Benedikts XVI. jedenfalls, sich heute zu einer sakramentalen Anbetung zur  festgelegten Stunde einzufinden, die sich auch in einer vertikalen Welle, die sich vom Vatikan unter Beiteiligung des Papstes über die Bischofskirchen in aller Welt in kleinere verbreiten sollte,  ist eine formidable Idee. Papst Franziskus hat dieser Bitte seines Vorgängers entsprochen, auch wenn ihr zumindest hierzulande leider nicht alle Episkopen entsprachen, warum auch immer.

Dennoch: warum tun wir das, zusammen mit dem Papst, mit den Bischöfen guten Willens, und mit ebensolchen Priestern auch in kleineren Kirchen nicht einmal im Monat künftig? Eine Anbetung vor dem ausgesetzten allerheiligsten Altarsakrament am Priesterdonnerstag oder Herz Jesu-Freitag oder Mariensamstag zum Beispiel, gemeinsam und gerichtet, und dabei je „nach Art des Hauses“.

Ich war heute zur Anbetung in einer kleinen aber feinen Kirche, die Verbundenheit mit dem nahen Dom, der sich, wenn auch auf eine halbe Stunde verkürzt auch beteiligte, mit Rom und mit vielen überall, die auch mitbeteten, war greifbar, auch wenn kein Wort darüber verloren werden mußte.

So eine regelmäßige Verabredung des Papstes mit der Universalkirche zum Gebet vor der Monstranz zum wesentlichsten Dialog, den mit Christus, ist vertikal wie horizontal wirksam, umstandslos durchzuführen und in vielerlei Hinsicht genial!

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6 Antworten zu Warum nur heute? – Zur Anbetungsstunde im Jahr des Glaubens

  1. Andreas schreibt:

    Grundsätzlich eine schöne Idee, wobei es – wenn man auf quasi totale „Gleichzeitigkeit“ aus ist – zu bedenken gilz, daß nicht überall rund um den Erdkreis diese eine Stunde auf einen sonntäglich angenehmen Spätnachmittag fällt; Du kommst ja selbst auf die Zeitzonen zu sprechen.
    Andererseits wäre auch zu überlegen, ob man, ehe man etwas Neues einführt, nicht eher hergebrachte Formen wieder stärker mit Leben füllen könnte. Auch hier erwähnst Du ja einige … Eines ist gewiß: Wenn es nicht nur bei Überlegungen bliebe, sondern auch Taten folgten, dann wäre das gewiß eine feine Sache …

    • clamormeus schreibt:

      Ja sicher, es geht ja nicht um die uhrzeitlich synchrone Gleichzeitigkeit, sondern die Verbundenheit nach dem Motto: an dem und dem Tag sind auch der Papst und die Bischöfe dabei. Auf „Neues“ wollte ich nicht raus, sondern es wäre doch eine simple Geschichte, wenn das, wie die ohnehin hier immerhin noch regelmäßig in einigen größeren und kleineren Kirchen gepflegten sakramentalen Anbetungen, die zumindest nicht nur zu traditioneller Folklore“ abgesunken sind, sich auf diese Art auch wieder ein bißchen hierarchischer und auch horizontaler verknüpfen könnten und davon entfremdete oder bisher einfach damit gänzlich unvertraute Gläubige mit solchen wirksamen überlieferten Formen vertrauter werden könnten.

  2. Clara Franz schreibt:

    Sie sprechen das aus, bzw. schreiben das nieder, was ich auch schon gedacht habe:
    Warum nicht öfter, warum nicht regelmäßig eine Anbetungsstunde anbieten?
    1x monatlich scheint vielleicht ein bisschen zu häufig.
    Aber die Idee als solche fände ich auch gut!
    Wenn viele Interessenten ihr jeweils zuständiges Ordinariat bestürmen würden, nicht nur einmal, sondern immer wieder – könnten sich die Bischöfe solchen Anliegen auf Dauer verweigern?
    Wie stünden sie dann da?
    Auch die Dekanate, die Regionalstellen, die Ortspfarreien könnten Ansprechpartner sein.
    Man müsste sie mit Anfragen überhäufen, sie richtig „nerven“ – das könnte sicher einiges bewirken.
    Die Initiative müsste halt von uns ausgehen!
    Ich vermute, mein zuständiger Erzbischof (Robert Zollitsch) käme nicht von sich aus auf die Idee, Anbetungsstunden abhalten zu lassen.

    • clamormeus schreibt:

      Hier werden zumindest Priesterdonnerstage, Herz-Jesufreitage und Mariensamstage in mehreren Kirchen regelmäßig gefeiert, meist in Verbindung mit einer Messe; in einer Kirche ist sogar tägliche stille Anbetung möglich.
      Denke auch, daß Laien und geneigte Priester aktiv werden müssen gegen die Widerstände, die es auch hier massiv gab und gibt, eigentlich vollkommen absurd, aber es ist so, daß man mancherorts lieber die Kirche leerstehen läßt, als solchen Gruppen Zugang gewährt, selbst wenn sie einen Priester mitbringen.
      Wenn nun der Papst aber dergleichen regelmäßig praktizierte und sich etliche Bischöfe anschlössen, hätte man vielleicht ein etwas besseres Standing, und das regelmäige ist auch die einzige Chance, daß es andere neu entdecken würden (wenn es denn gut, sprich entsprechend der Tradition gemacht ist und nicht nur ein „ab und zu Event“ ist.)
      Und der Aspekt einer regelmäßigen weltkirchlichen Gerichtetheit im gemeinsamen Gebet, die Verbindung über eine solche sakramentale Anbetung ist ja auch nicht zu verachten

  3. Clara Franz schreibt:

    „Die Initiative müsste halt von uns ausgehen!“
    Diese halbe Ankündigung aus meinem Beitrag weiter oben habe ich soeben wahrgemacht.
    Ich habe in Mails an das Ordinariat und Dekanat meine Wünsche formuliert und auch auf die fehlende Information an die Gläubigen, die weltweit zeitgleiche Anbetung am vergangenen Sonntag betreffend, hingewiesen.
    Werden die Mails sofort als unwichtig gelöscht oder bin ich diesen Institutionen einer Antwort würdig?
    Ich habe schon einmal an beide Büros geschrieben und keine Reaktion bekommen.
    Das eine Mal ging es um das vom damaligen Papst Benedikt ausgerufene „Jahr des Glaubens“, auf das sogar nach einigen Wochen Dauer noch keinerlei Hinweis auf der Seite des Dekanats zu entdecken war und das zweite Mal war die unsägliche Kampagne der „Titanic“ der Anlass meiner Mail an das Ordinariat.
    Darin äusserte ich sachlich meine Verwunderung und Enttäuschung über die mangelhafte Unterstützung Benedikts durch die Bischofskonferenz.
    Eine Antwort blieb aus!

  4. Clara Franz schreibt:

    Wie vermutet, habe ich keine Antwort erhalten und rechne jetzt auch nicht mehr damit.
    So also sieht der Umgang aus, den die Büro-Katholiken von Bistum Freiburg und Dekanat mit Menschen pflegen, die Anfragen, Anregungen oder auch Kritik vorbringen.
    Mir ist klar, dass wohl nicht jede, einfach dahingeworfene Mail beantwortet werden kann.
    Aber ich hatte eine klare Frage formuliert, eine bestimmte Anregung gegeben – ist unter diesen Umständen eine Rückantwort zuviel verlangt?

    Als vor einigen Wochen Frau Dr. Lücking-Michel vom ZdK Männerfüße, Socken, Fußwaschung und verklemmte Sexualität im Zusammenhang mit Papst Benedikt emer. etwas durcheinander brachte, schrieb ich ebenfalls eine Mail.
    Und siehe da, es gab keine Standard-Einheits-Antwort, wie in solchen Fällen üblich, sondern eine Sekretärin vom ZdK bat um meine Adresse, da mir eine Person in leitender Stellung anworten wolle.
    Nach einem Hin und Her wegen des Datenschutzes bekam ich tatsächlich einen Brief von Herrn Dr. StefanVesper.
    Nicht vorgefertigt formuliert, sondern auf meine Punkte eingehend.
    Die Ansichten und Forderungen des ZdK lehne ich größtenteils ab, aber diese Reaktion seitens dieser Institution hat mir dennoch Respekt abverlangt.
    Die Fairness verlangt, dies zu sagen.
    Das Ordinariat Freiburg und das zuständige Dekanat scheinen von solch einer den Menschen zugewandten Reaktion meilenweit entfernt zu sein.

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