Mainz bleibt auch in Köln Mainz

Karneval  ist katholisches Brauchtum. Darf es aber ein Kardinal aus einer Hochburg so übertreiben?

Zum „Eucharistischen Kongress“ der deutschen Katholiken in Köln hat sich der Mainzer Kardinal Karl Lehmann gegen vermehrte Feiern der lateinischen Messe im „Tridentinischen Ritus“ gewandt. „Ich habe den Eindruck, die ganze Begeisterung auch für das Latein hat viel mit Prestige zu tun und falschen Vorspiegelungen einer vermeintlichen Kulturelite“, sagte Lehmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.  Solche Motive stimmten ihn eher skeptisch, so der Kardinal.

Das hat wirklich einen Brüller verdient, ist aber für eine Büttenrede fast zu anspruchsvoll. Ich stelle mir gerade einige aus der Gemeinde, wo ich mich üblicherweise zum Feiern der überlieferten Messe einfinde vor, denen ich nun erklären muß, daß sie sich als Teil einer Kulturelite wähnen und deshalb hier sind.

Er halte „ein stärkeres Nebeneinander beider liturgischer Formen heute nicht für sinnvoll, auch weil es nicht von unten gewachsen ist“, sagte Lehmann.

Ich verzichte auf wenig subtile Konnotationen des „von unten“ einzugehen, aber falls das Kirchenvolk gemeint sein sollte: Sind die Verbannung der überlieferten Messe 1970 und die neuere Form aus dem Volk gewachsen? Auch lustig.

„Die Entwicklung geht eher in die Richtung der erneuerten Messe.“

Ja, eindeutig. Die Meßbesucher reduzierten sich seit 1970 ja nur um rund 70%. Echt gute Pointe!

Zu der umstrittenen, noch von Benedikt XVI. angeordneten Revision der Wandlungsworte in der Messe sagte Lehmann, man müsse „das jetzt mal abwarten und kann das Ganze vielleicht auch etwas entspannen“.

Ja, nach all der Hektik, die in den letzten Jahren hier herrschte, endlich die Anordnung Roms zu befolgen, ist chillen sicher redlich verdient – klasse!

Lehmann zufolge stand der Streit über das „für alle“ oder „für viele“ bislang „atmosphärisch im Bann der Frage, ob Rom die Traditionalisten zu sehr hoffiere.

Jawoll! Es ging niemals nicht um die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte Christi beim Abendmahl oder auch nur rudmimentäre Lateinkenntnisse, das mußte mal gesagt werden. Schenkelklopf! Aber wie sich’s gehört, der Kracher zum Schluß:

Im Übrigen plädierte Lehmann für eine vertiefte Vermittlung des Ausdrucks „für alle“:  „‘Wir kommen alle in den Himmel‘, ist zu einfach“.

Bingo! Deshalb ja auch „für viele“. Aber lustig ist das alles gar nicht, und wenig überraschend. Närrische Zeiten halt, sicut erat….

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Über clamormeus

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7 Antworten zu Mainz bleibt auch in Köln Mainz

  1. Clara Franz schreibt:

    Als ich las, dass Erzbischof Zollitsch, Bischof Lehmann und andere nach Köln fahren würden, fragte ich mich gleich, was das wohl zu bedeuten habe.
    Wollen sie mit ihrer Anwesenheit das „Schlimmste“ verhindern?
    Das Schlimmste in ihren Augen könnte sein, dass die anwesenden Gläubigen Gefallen finden an solchen lateinischen Messen und womöglich Vergleiche anstellen werden.

    Bisher habe ich mangels Möglichkeit noch nie eine lateinische Messe im Tridentinischen Ritus besucht.
    Nun habe ich entdeckt, dass es diese Möglichkeit gibt, einmal im Monat.
    Etliche Kilometer müssen halt gefahren werden.
    Dann werde ich mir ein eigenes Bild machen können, unabhängig von Bischof Lehmanns Einschätzung über diese Messe.
    Es könnte ja sein, dass mein Auto und ich Gefallen finden könnten an der monatlichen Reise in den nahen Schwarzwald.

  2. Gerd schreibt:

    Dieser verbale Eiertanz ist schon fast unerträglich in seiner Banalität und eines Kardinals unwürdig, Entschuldigen sie bitte, Eminenz. Wie sehr der neue Ritus von unten gewachsen ist, konnte ich vor einigen Jahren (!!) bei einer Beerdigung eines Kollegen erleben. Der Priester eröffnete die Messe mit: „Der Herr sei mit euch!“ Als strammer Katholik, der noch den alten Ritus erleben durfte, antwortete ich, in der falschen Annahme mit der Gemeinde zu sprechen, „und mit deinem Geiste!“ Das war das erste Mal, wo ich ganz alleine mal in der Messe was sagen konnte und verstört von meinem katholischen Banknachbarn angeglotzt wurde. Als Elite fühlte ich mich da ganz sicher nicht, es kam mir eher wie ein Outing vor. „Hallo, ich bin Katholik!“
    Noch vor einigen Wochen, verweigerte mir ein anderer katholischer Zeitgenosse den Friedensgruß, auch so eine Neuerung, die beim Fußvolk so toll angekommen ist. Aber es war ja Grippewelle und das lasse ich dann noch mal durchgehen.
    Hat Kardinal Lehmann nicht irgendwann mal Theologie studiert? Wurde man dort nicht schlau gemacht, was Jesus nun denn gesagt hat und was er nicht gesagt hat? Meine persönlichen Fragen an Dr. Lehmann wären demnach: Hat Jesus für „viele gesagt“ oder hat Jesus „für alle“ gesagt? Wenn Jesus „für alle“ gesagt hat, werde ich seinen Rat befolgen und mich entspannt zurück lehnen. Wenn er aber „für viele“ gesagt hat, und die Möglichkeit besteht ja wohl auch, sonst wäre die Diskussion ja zwecklos, warum wurde ich dann im neuen Ritus gefühlte 50 Jahre belogen? Wer hat da gelogen? Warum wurde gelogen? So viel ich weiß, hat Jesus gesagt, man berichtige mich, „ich bin die Wahrheit, jeder der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme!“
    Sehr gehrter Herr Kardinal: Wenn Jesus die Wahrheit ist und jeder der aus der Wahrheit ist auf ihn hört, wie können wir heute seine Worte im Mund umdrehen, wenn es um das größte „Geheimnis“ des Glaubens geht? Oder ist Jesus gar nicht die Wahrheit und dieser Ausspruch ist ein „Übersetzungsfehler“ wie das ganze Evangelium ein Übersetzungsfehler ist?. Können wir uns entspannt zurück lehnen, weil dieser Glaube nur der Elite vorbehalten ist? Aber da wäre dann noch der Ausspruch Jesu: „Ich preise dich Vater, das du das den Klugen und Weisen vorbehalten, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater so hat es dir gefallen!“ Aber ich vermute auch das hat Jesus wohl so nicht gesagt und wenn er es gesagt hat, dann bestimmt nicht so gemeint.
    Ich höre nichts Herr Kardinal! Machen sie bitte weiter, Clamormeus! Ich will ja nicht dumm sterben.

    • clamormeus schreibt:

      Danke!
      Man könnte echt mitunter meinen, manche Theologen wollen selbst Jesus Christus in den Mund legen, was er eigentlich zu sagen gehabt oder gemeint hätte.

      (Auswärts habe ich schon mal ein „und mit dir!“ der Gemeinde gehört, über ein „Danke gleichfalls!“ würde ich mich auch schon nicht mehr wundern.)

  3. Kassandra schreibt:

    Ich möchte doch mal anmerken, wie am letzten Sonntag in Mainz die eucharistische Anbetung hintertrieben wurde. Zumindest in meinen Augen:

    Am 30.5. (Donnerstag) erschien auf der Webseite des Bistums eine kleine Meldung, daß am Sonntag in der 15Uhr Vesper eine eucharistische Anbetung im Sinne des Papstes stattfände.
    In keiner mir bekannten Gemeinde wurde dies bekanntgegeben. Und wer liest schon regelmä0ig diese Bistumsnachrichten.

    Ich ging also hin. Der Dom war voll von Touristen. Die Messen im Dom finden im Westchor statt. Aber diese Vesper wurde im erhöhten Ostchor gefeiert, der von unten kaum einzusehen ist, Dort stand der Chor und sang. Der Leiter und die Messdiener verschwanden hinter dem Altar. Nach ca, 20 Minuten Gesang holte ein Priester mit 2 Meßdienern das Allerheiligste aus einer Seitenkapelle mitten durch die fotografierenden Touristen und es gab einen kurzen Segen ohne Erwähnung der Anliegen des Papstes, Nach 40 Minuten war der Spuk zu Ende. Betende Gläubige waren ca. 20 vorhanden, Knien war auch nicht, da die Bänke zum Westchor ausgerichtet sind. Entweder man kniete auf dem Boden oder man musste stehen.

    Das ganze kam mir vor wie eine Touristenbelustigung, Den Schock habe ich immer noch nicht überwunden.

    • clamormeus schreibt:

      Klingt ja echt grauenhaft. Manche können das wohl nur noch als folkloristischen Zinnober begreifen, den man dann mit einem zwinkernden Auge ironisiert.
      Hier kenne ich ein gutes Gegenbeispiel: in einer von Dominikanern geleiteten Kirche werden sakramentale Anbetungen wieder regelmäßig mit echter Andacht und in angemessener Form gehalten; anfangs waren einige Gläubige einfach aus Unsicherheit und Unkenntnis oder Entwöhntheit etwas befangen, mit der Zeit orientierten sie sich immer mehr an anderen, damit vertrauten Gläubigen, mit Priestern guten Willens und etwas Geduld geht es so einfach…

  4. MisterX schreibt:

    „Von unten“ „wächst“ auch Prostatakrebs!

    War das jetzt nichtkulturelitär genug?

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