Eher fährt ein Fiat auf der Insel, als daß ein Daimler über’s Wasser geht!

Schön, daß eines der fundamentalsten Probleme der katholischen Kirche endlich wieder tabulos diskutiert wird: Die Wahl des päpstlichen Automobils auf einer von vielen Flüchtlingen bzw. Emigrationswilligen frequentierten Insel. Da hat der Papst doch glatt alle westlichen Zocker düpiert, die gegeneinander ganze Hedgefondvermögen drauf verwetteten, daß das Papamobil von der italienischen Festlandsgrenze entweder auf dem Luft- oder auf dem Wasserweg nach Lampedusa gelangen würde. Nein, er kam einfach im Flugzeug und stieg in einen Leihjeep um.

Prima. daß endlich auch als ultrakonservativ verschrieene Portale sich – wie hier-dem Wesentlichen wieder zuwenden, deren Redakteure das Staunen über zeitgemäße Wunder und Zeichen entdecken. Das Leihfahrzeug hat ein „ganz normales italienisches Nummernschild!“ Geradezu evangeliengemäß.

Der nächste Schritt allerdings wäre es zur Kenntnis zu nehmen, daß die Wahl der Automarke durchaus schon vorkonzilar ein Thema der Orthodoxie war (zumindest im Genre des Rock’n’Roll).

As I was motivatin‘ over the hill
I saw Maybellene in a Coup de Ville.
A Cadillac a-rollin‘ on the open road,
Nothin‘ will outrun my v8 Ford.

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12 Antworten zu Eher fährt ein Fiat auf der Insel, als daß ein Daimler über’s Wasser geht!

  1. Clara Franz schreibt:

    Als ich die Meldung auf kath.net las, dass Papst Franziskus einen einfachen Jeep und dazu noch mit normalem Autokennzeichen benutzte, fühlte ich mich schon etwas genervt.
    Diese Meldung wurde zu etwas ganz Besonderem erhöht, war geradezu eine Offenbarung und wir durften dann nur noch ehrfürchtig staunen ob dieser Bescheidenheit unseres Papstes.
    Ich nehme an, Papst Benedikt hätte sich zu seiner Zeit auch nicht in seiner Ehre gekränkt gefühlt, wäre er bei einem Kurzbesuch auf einer Insel in einen offenen Geländewagen gebeten worden.
    Muss man denn alles glorifizieren, was Papst Franziskus tut?
    Vermutlich war es ihm nicht einmal wichtig, welches Auto er besteigen sollte.
    Und Benedikt wäre es auch nicht wichtig gewesen, denke ich mal.

    • clamormeus schreibt:

      Warum sollte dem Papst das auch wichtig sein? Sein wie immer geartetes „Papamobil“ hätte wohl nie einer eigens auf Lampedusa einfliegen lassen. Nicht mal Esel oder Sänfte.

      Aber zu gewissen Berichtserstattungen in katholischen Medien, die jeden Augenaufschlag Franziskus zu irgendeinem Zeichen macht und zum Ausgleich dann seine vollständigen Texte zum Vierräder unterschlagen: Ich hab irgendwie Probleme mit der zeitgeistigen Volksfrömmigkeit…:-)

  2. Cinderella01 schreibt:

    Dieser seltsame Artikel hat uns auch genervt, Benedikt hat jahrelang den gleichen Fiat-Geländewagen benutzt u.a. auch bei seiner Inaugurationsmesse, siehe http://beiboot-petri.blogspot.de/2013/07/fur-die-oldtimerfreunde.html.
    Kurz nachdem wir kathnet in einem Kommentar darauf hingewiesen hatten, wurde der Text des Artikels nachträglich geändert, aber dafür unser Kommentar nicht veröffentlicht (Das ist der übliche Stil dort). Jetzt steht drin, das sowohl Papst Johannes Paul II als auch Benedikt XVI den gleichen Wagen benutzt haben. Es wird immer schlimmer bei kath.net

    • clamormeus schreibt:

      @Cinderella

      Habt ihr denn mal direkt nachgefragt wegen des Kommentars, das sollte sich doch klären lassen?

      • Cinderella01 schreibt:

        Das Nachfragen habe ich aufgegeben. Es hat in früheren Zeiten ja schon öfters solche seltsamen Vorfälle gegeben, wo man sich nicht erklären konnte, warum jetzt ein Beitrag nicht erschienen ist. Es war immer dann der Fall, wenn unser Kommentar ein guter Input für eine eigene Meldung war, z.B. ein Video oder ein weiterführender Link. Da gab es nie eine Reaktion, wenn man sich beschwert hat. Der Kreuzknappe hatte dieses Thema letztens auch schon mal. Da stehen eine ganze Reihe Kommentare unten drunter, dass es ihnen ähnlich geht … Also scheint’s bei kathnet einfach der (schlechte) Stil des Hauses zu sein.

  3. ankerperlenfrau schreibt:

    Kann mir jemand erklären, wieso das wieder ein „Seitenhieb“ auf Papst Benedikt gewesen sein sollte? Findet Ihr das nicht etwas übertrieben? Ich halte die Sache eh‘ nicht für erwähnenswert, aber hier wird ja nun doch noch eins drauf gesetzt…
    Wenn ich solche statements lese, entsteht bei mir der Eindruck, daß Papst Benedikt „verniedlicht“ wird, als sei er etwas Empfindliches, „Mädchenhaftes“, was dauernd von großen Brüdern gegen böse Jungs verteidigt werden muß. Ich habe ein VOLLKOMMEN anderes Bild vom „Papa emeritus“, dem GROSSEN!

    • Cinderella01 schreibt:

      Doch wir müssen Benedikt verteidigen. Wenn katholische Medien, die sich im November 2012 noch aufgeplustert haben und bei der Generalaudienz Papst Benedikt versprochen haben, dass sie „für ihn kämpfen“ und dann mit dieser Argumentation auch noch Spenden einsammeln, heute solche Artikel schreiben, gehört das durchaus erwähnt. ‚Ein katholisches Medium, das nur noch so berichtet, wie es die großen Medien machen, ist überflüssig. Denn die Geschichten über den „bescheidenen“ Franziskus lesen wir auch bei SZ, Spiegel etc. Und nochmals, die erste Fassung des Artikels war ein Jubelartikel, wie toll der Franziskus doch sei, dass er mit einem geliehenen Fahrzeug gefahren sei. Erst als im Kommentarbereich Beiträge auftauchten, die darauf hinwiesen, dass eben auch Johannes Paul II und Benedikt XVI ein solches Fahrzeug benutzten, wurde der Artikel geändert.
      Die Blogger sind auch deshalb da, um genau auf diese Dinge hinzuweisen. In der DDR hieß das „Westfernsehen“.

  4. clamormeus schreibt:

    Huch, das wird ja richtig grundsätzlich hier, ich wollte doch nur spielen ;-)

    Es gab kurz zuvor auf kath.net noch einen weiteren Artikel,bzw. einen KNA – Verschnitt über Priester und neue Autos. Auch da wiesen mehrere Kommentatoren drauf hin, daß das eine verstümmelte Meldung sei, die das, was der Papst den Seminaristen wirklich sagte, völlig verdrehe und verkürze. Dann stellte kath.net netterweise eine eigene Übersetzung ein – aber dann wurde plötzlich dieser Nonsenseartikel mit dem Jeep gepostet und noch eins draufgesetzt..
    Ich bin in der kath.net Combox ein paar mal richtig zusammengezuckt, da wurden sogar die, die lediglich auf die inhaltlichen Fehler hinwiesen sinngemäß als geldgeile Säcke betitelt; Noch schlimmer ist aber, daß manche anscheinend richtig auf einen Trip gekommen sind, für die dann sogar die übliche Benutzung eines Jeeps zu solchen Anlässen „Wunder- und Zeichencharakter“ zu haben scheint und frage mich, ob es sein muß, diesen Pop in diesem Portal durch solche Berichte zu befeuern (und das 5 Tage nach der ersten Enzyklika des neuen Papstes!)

    @Ankerperlenfrau
    Also in dem Kontext hier hatte ich gar nicht an Benedikt gedacht. Verteidigen muß man ihn und sein Pontifikat aber schon, das hat nichts damit zu tun, ihn für eine Mimose zu halten, aber manche tun so, als seien seine ganzen Ansprachen, Erlasse und Werke seit seinem Verzicht irgendwie gelöscht.

    • Cinderella01 schreibt:

      Also diesen aus dem Indymedia entsprungenen Kommunisten („Sterblicher“), der wie immer in diesen Kreisen, die Evangelien zugunsten seiner Ideologie auslegt (Jesus war der erste Kommunist), der in seinem Reichenhass gerade noch die Concentance bewahrt, den haben sie dort jetzt wirklich verdient … ;-)

  5. Clara Franz schreibt:

    „Huch, das wird ja richtig grundsätzlich hier, ich wollte doch nur spielen ;-)“
    Bitte keine Furcht haben, lieber Clamormeus!
    Keiner von uns will Sie in Schwierigkeiten bringen.

    Ich habe immer gerne bei kah.net kommentiert und tue es ja noch.
    Aber etwas ernüchtert bin ich schon, da mir inzwischen auch 3x Kommentare gestrichen wurden. Sachlich und inhaltlich nicht zu beanstanden, dessen bin ich mir sicher.
    Ich habe volles Verständnis für Betreiber von Nachrichtenseiten oder Blogs, sich schützen zu wollen vor bösartigen, völlig unqualifizierten oder sonstwie verzichtbaren Kommentaren.
    Aber eine sachliche Diskussion über Sachverhalte muss doch möglich sein.
    Führt denn eine gegenteilige Meinung, eine Äusserung entgegen der ausgerichteten Linie schon zum Ausschluss?
    Dann steht es schlimm um unsere Meinungsfreiheit!
    Bisher dachte ich, Zensur kommt vermehrt in links-grün-roten Presse-Erzeugnissen vor.
    Mein Sohn, erklärter Agnostiker, Anhänger gründlicher Analysen und reger Beobachter unserer Jetzt-Gesellschaft, hatte früher häufig in einer überregionalen Wochenzeitung Kommentare verfasst.
    Sie alle gingen durch. Hatte er aber -schon aus Gründen seines Gerechtigkeitsempfindens- für die katholische Kirche Partei ergriffen, erntete er entweder wüste, geradezu unterirdische Beschimpfungen oder seine Kommentare erschienen erst gar nicht.
    Gibt es noch eine gute, sachliche, nicht verletzenwollende Streitkultur in unseren Breiten?

    • clamormeus schreibt:

      Weiß natürlich nicht, welche Maßstäbe da die kath.net Redaktion anlegt und schwierig ist es sicher, zumal die sich ja keinen „hauptamtlichen“ Moderator leisten können. Vielleicht mal direkt nachfragen?
      Könnte schon sein, daß im Falle Papst Franziskus eine Kritik an der Rezeption seines Pontifikats ein bißchen voreilig mit einer an diesem oder oder ihm selbst gleichgesetzt wird.

      PS: Aber „Zensur“ im Wortsinn ist ein Blocken von Kommentaren sicher nicht

  6. Clara Franz schreibt:

    Ich möchte etwas korrigieren.
    Die ganz unterirdischen wüsten Kommentare über die katholische Kirche gab es nicht von der Wochenzeitung, sondern von einer Plattform, die sich extrem katholikenfeindlich gibt.
    Die erwähnte Wochenzeitung allerdings strich sehr viele Kommentare meines Sohnes, die sich positiv zur Kirche stellten.
    Es ist mir wichtig, dies richtigzustellen.

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