Halbtot in der Wüste

Heute war ich mal wieder im lateinischen Hochamt der „Forma ordinaria“ zur Messe, in der heute das Evangelium des „Barmherzigen Samariters“ nach Lukas gelesen wird.
Der dominikanische Gastprediger versäumte es zu meiner Freude nicht, außer der offensichtlichen Botschaft, man solle sich gefälligst um Notleidende und Hilflose kümmern, die auf dem eigenen Weg liegen und nicht cool an ihnen vorbeireiten, auch Stimmen der guten alten Kirchenväter, Irenäus und Augustinus, zu Gehör zu bringen, ebenso wie die des Blaise Pascal.
Vorab: folgende Gedanken sind meine, keine Paraphrasierung dieser Predigt, der Priester trägt keine Verantwortung für das, zu was er mich inspirierte:

Der gefallene Mensch auf dem Weg vom himmlischen Jerusalem zum weltlichen Jericho, liegt von der Sünde verwundet halbtot in der Wüste. Weder er selbst kann sich helfen, noch das vorchristliche Gesetz, verbildlicht durch den Priester, noch nicht einmal die Propheten, verkörpert durch den Leviten, können ihn retten, sie gehen also vorbei. Retten vor der tödlichen Schwächung der Sünde kann nur Gott. Der Menschgewordene tut dies in jenem Gleichnis, daß er dem Pharisäer, der sich anmaßt ihn zu prüfen, in Gestalt des Samariters, eines für die Pharisäer nicht Rechtgläubigen, wie er selbst auch, indem er die Wunden des Opfers der Räuber reinigt und dann mit Wein und Öl versorgt. Der Wein, des Mensch gewordenen Gottes Blut, mithin sein Leben, das er für uns hingab, und das Öl, das den Heiligen Geist, den er zu uns senden wird, verbildlicht.

Der Samariter verbringt den Kranken nun auf seinem Esel in eine Herberge, seine Kirche. Deren Wirt ist Petrus, den Felsen, auf den er sie, seine, die wahre Kirche bauen wird, gibt er zwei Denare und bescheidet ihm: Wenn du mehr brauchst für ihn, bezahle ich es, wenn ich wiederkomme. Und er, Jesus Christus, wird wiederkommen in Herllichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten, wie es in jeder Messe im Credo bekannt wird.

Wer schon mal am heutigen Tag diese „Hilf den Armen und Schwachen und gut is, mehr meint Jesus gar nich'“ und/oder diese „alle sind gute Menschen, außer den Rechtgläubigen, Bonzen und xxx- phoben“ – Predigten ertragen mußte, weiß, warum ich mich sehr gefreut habe.

Und nein, das entbindet nicht von der Verpflichtung, sich je nach dem eigenen Vermögen, nicht nur materiell, uns Hilfebedürftigen zuzuwenden, die den Weg unserer Reise kreuzen. [Doppeldeutigkeit des „uns“ hier nachträglich erkannt, und für Stehenswertlassen erachtet] Auch das Offensichtliche ist wahr. Das allein führt aber zu niemandens Rettung vor dem Tod und dem ewigen Verderben. Und auch wir liegen halbtot in der Wüste und bedürfen der Rettung.

Viel wäre noch zu sagen, aber dieses weitere Plädoyer gegen Laienpredigten und besonders gegen meine, ist auch so stark genug und überzeugend genug!

Über clamormeus

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4 Antworten zu Halbtot in der Wüste

  1. Clara Franz schreibt:

    Das sind wunderbare Gedanken, die Sie da äussern.
    Dank dafür!
    Ich muss gestehen, ich hatte diese Samaritergeschichte immer nur als solche wahrgenommen.
    Als Aufruf zur Hilfe demjenigen gegenüber, der unsere Hilfe gerade in diesem Augenblick nötig hat, über gesellschaftliche Grenzen hinweg.
    Ihre Überlegungen oder besser Inspirationen haben viel für sich und ich kann sie gut nachvollziehen.
    Sie bereichern die Geschichte über ihren reinen Appell zu Mitgefühl und Hilfsbereitschaft hinaus.
    Und dass auch wir stets Hilfsbedürftige sind, vor allem im geistigen Bereich – dies zu erkennen und anzunehmen befreit uns vor Aufgeblasenheit und Selbstüberschätzung.
    Es macht uns im guten Sinne demütig.
    Lassen wir uns helfen – von Menschen und vor allem von Jesus Christus!
    Ich habe diese Hilfe schon ganz konkret erfahren dürfen und sie hat mein Leben grundlegend verändert.

    Ihren Beitrag werde ich an andere verlinken.
    Vielleicht werden auch sie davon angesprochen, so wie ich es wurde.

    Sie scheinen nicht

    • clamormeus schreibt:

      Nu ja, ich hab nur als Gedächtnisprotokoll aus Predigt und mal gelesenem jongliert.
      Bald mal hier die Originaltexte von Irenäus, Augustinus u.a. zum „Samariter“.
      Ehre dann, wem Ehre gebührt ;-)

  2. Gerd schreibt:

    Unser Diakon kommt zu einer ganz anderen Interpretation dieses Evangeliums. Da war dann die Rede davon, dass der Himmel nicht durch kirchlichen Würden-bzw Titelträger auf die Erde kommt, sondern nur da wo Menschen einander helfen. Genau da war die Stelle zum Abschalten. Ein Diakon (kirchlicher Titel????) predigt sich um den eigenen Verstand oder sägt am berühmten Ast auf dem er sitzt. Was soll man da noch anders tun als gähnen? Auf die Frage, ob er seine Predigt nicht lieber gleich in die Tonne kloppen sollte, weil er als kirchlicher Würdenträger nicht imstande ist uns den Himmel zu bringen, hab ich dann doch verzichtet. Meine Motivation an provokanter Fragestellung ist ziemlich erschöpft ob so vieler Banalitäten. Diakon O.T. : „Die Priester und Leviten lassen den Schwerverwundeten liegen. Das ist die Realität damals und heute!“
    Verleumdung seiner eigenen Kaste. Hab ich so auch noch nicht gehört.

    • clamormeus schreibt:

      Das ist ja das Perfide: ansonsten lassen solche Leute nichts aus, um Aussagen Jesus unter Berufung auf historischen Kontext zu relativieren.
      Aber bei diesem Evangelium, hüten sie sich auf das Historische einzugehen, nämlich daß die vor seinem Erlösungsopfer bestehende Priesterkaste eben nicht retten kann, da macht man dann eine antiklerische Allegorie draus.
      Andererseits, wenn er von Leuten wie sich spricht (der Diakon), könnte er schon unfreiwillig Recht haben;-)

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