Nun doch mal auch hier das F- Wort

Michael Charlier titelte „Lieber keine Priester als konservative“ (bitte scrollen, in dem Post ist auch der Link zum BR Interview mit Wunibald Müller verlinkt) und pro spe salutis „Das Problem als Lösung“.

Laut dem Psychologen Wunibald Müller ist das mit dem Priestermangel so: den gibt es, weil kaum ein junger Mann, zölibatär und keusch leben möchte. Da aber der Zölibat weiterhin verpflichtend ist, nimmt man wegen des durch ihn verursachten Priestermangels in Seminaren jeden Dahergelaufenen an, der von vornherein als ein Sonderling betrachtet werden muß, weil er eben doch bereit ist, für seine Berufung in sexueller Enthaltsamkeit zu leben. Derlei Sonderlinge sind lt. Müller i.A. „konservativ“ und mitunter sogar „rechtsextrem“. Die Lösung liegt also darin, den Zölibat abzuschaffen, denn dann kämen ja auch die geeigneten Priesterkandidaten, die dadurch geeignet sind, daß sie sich „mit ihrer Sexualität auseinandergesetzt“ haben, was sie nach Müllers Logik dazu führt, zu wollen, daß sie auch als Priester „heiraten dürfen“.

Die Frage, warum nun ausgerechnet „Konservative“ und „Rechtsextreme“ davon angezogen werden sollten, sexuell enthaltsam zu leben läßt er offen, ebenso wieso die anderen, das wären in dieser Logik wohl „Sozialliberale“ bis „Linksextreme“ eine besondere Affinität zur Ehe hätten. Und noch mehr die, warum Müller in dem Kontext Frauen als Priester befürwortet und an anderer Stelle auch Homosexuelle. Im Grunde also alle, die nicht den bestehenden Voraussetzungen der Priesterberufung entsprechen, samt zumindest impliziten Umkehrschluß

Aber diese in der Tat sonderbaren wenn auch nicht originellen Thesen des Psychologen hätten es hier nicht zu einem eigenen Post gebracht. Die Frage ist, warum jemand, der sich auf eine derart verächtliche, abwertende Art über die hier noch verbliebenen diözesanen Priesterseminaristen äußert, und im Grunde den ganzen Priesterstand pathologisiert, dem sein Eid aus gutem Grund etwas bedeutet, im Dienst der katholischen Kirche stehen kann.

Ist es nur die schwallende Vermeidung eines simplen Satzes, der letztlich den ganzen Sermon Müllers zusammenfaßte:
„Ich teile voll und ganz das Priesterverständnis der EKD und fordere das auch für die katholische Kirche!“?
So direkt und in dieser Form darf man das wohl doch noch nicht sagen; jede noch so perfide Stilübung selben Inhalts allerdings scheint höchst dialogfähig.

Das ist bedauerlich, der obige Satz ist eindeutig, beleidigt und verhöhnt keine Priester. Und er belästigt nicht andere mit Dauergeschwalle, das sich, da im kirchlichen Dienst um diesen Satz herumtrickst, und vermeidet ästhetische Übergriffe der Kurzform „Nur wer als Priester f… will und darf, kann auch wirklich Priester in Kirche“.

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Eine Antwort zu Nun doch mal auch hier das F- Wort

  1. Clara Franz schreibt:

    Es ist erstaunlich, eigentlich sogar bestürzend, welcher Bedeutungswechsel der Begriff „konservativ“ erfahren hat.
    Früher, in jüngeren Jahren, wollte ich es auch nicht sein.
    Konservativ war identisch mit spießig und altmodisch, das Gegenteil von modern eben.
    Trotzdem, dieses Wort war nur eine Bezeichnung für ein bestimmtes Denken..
    Heute jedoch scheint es so, dass konservativ gleich „rechts“, wenn nicht gar schlimmeres beinhaltet.
    Ganz abgesehen davon ist „rechts“ -einmal ganz wertneutral gesehen- lediglich ein politischer Standort.
    Hat er nicht die gleiche Daseinsberechtigung wie „links“, ebenfalls ein politischer Standort?
    Links – rechts: Beides muss eine Demokratie meines Erachtens aushalten.
    Es ist mir bewusst, dass ich mich hier aufs Glatteis begebe, denn allzuschnell kommt der Verdacht auf, man sei selbst so eingestellt und befürworte insgeheim das Handeln so mancher braungetönter Rowdys.
    Hingebungsvolle, treue, die Kirche liebende, ihre Lehre unterstützende Priester in die rechte Ecke zu stellen, ist infam.
    Dies geschieht absichtlich, beabsichtigt eine besondere Wirkung, beschwört innere Bilder herauf und wird den jungen Männern, die Priester sind oder es werden wollen, nicht gerecht.
    Im Grunde läuft es auf eine handfeste Beleidung hinaus.
    Wir haben in unserer Pfarrei einen Oberministranten, der sehr gläubig im „konservativen“ Sinne ist. Es ist für uns alle deutlich spürbar.
    Anstatt sich zu freuen, dass es noch solche jungen Menschen gibt, hat er die allergrößten Schwierigkeiten im Minikreis und im PGR, dem ich angehöre, weil er nicht wie alle anderen ist und nicht verstanden wird.
    Würde sich dieses teilweise ablehnende Verhalten ihm gegenüber motivierend auf eine eventuelle Entscheidung, Priester werden zu wollen, motivierend auswirken?
    Jungen Menschen fehlt es an der nötigen Unterstützung ihrer jeweiligen Umgebung, ihrer Berufung zu folgen.
    Dies zeigt mir die Situation Fabians ganz klar!
    Seltsam, wer -wie im Falle Wunibald Müller- alles von der Kirche entlohnt wird und das vermutlich nicht schlecht.

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