Brüssel hui, Rom pfui – ein Erzbischof im Wahlkampf

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erklärt den Papst: «Er spürt, dass der, der sich nicht verändert, rückwärts geht und nicht nach vorne.» Der Erzbischof selbst dagegen bleibt allerdings lieber bei seinem jahrelang affirmierten Potpurrie Kanon kirchenpolitischer Wunschvorstellungen. Eine davon ist ja bekanntermaßen die Forderung, den Nationalkirchen deutlich mehr Autonomie gegenüber dem Heiligen Stuhl zu gewähren. Wen’s dennoch interessiert, hier lang.

Aber Achtung: der Mann ist neuerdings nun auch im Wahlkampf unterwegs, vage erinnernd an dunkelklerikale Zeiten, wo angeblich der Prediger unter Höllenandrohung den Schafen sagte, wo sie gefälligst das Kreuz zu machen hätten -oder eben: wo nicht!
Der Erzbischof sagte jedenfalls dem Badischen Tagblatt heute, er hoffe, daß die Alternative für Deutschland (AfD) nicht in den Bundestag einzieht. Seiner Ansicht nach handele es sich dabei um ein „paar Nostalgiker“, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern sollten.

Er wird doch mit „Nostalgiker“ nicht etwa auf die Tatsache zielen, daß die Mitglieder des Bundesvorstandes der exkommunzierten Partei AfD in ungewöhnlich hoher Anzahl jahrzehntelang ungeschieden nichtwiederverheiratet sind? Teils mehrere Kinder aus dieser Ehe hervorgingen? Oder daß diese Partei sich im Wahlprogramm am entschiedensten für die Stärkung und die Rechte der traditionellen Familie einsetzt, jedenfalls unter den Parteien, die eine gute Chance haben, die 5% zu überspringen? Das klingt ja wirklich schon fast abartig katholisch nostalgisch!

Aber nein, das erwähnt er gar nicht. Stattdessen erfährt man weiters vom Wahlkämpfer: „Unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten“ und der Euro sei alternativlos, denn: „der zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“ Nun ja.

Aber Moment mal! In der Kirchenpolitik wird also Zentralismus als etwas schlechtes angesehen, in der säkularen Politik dagegen als alternativlos? Die überlieferte geistgehauchte Einheit der Weltkirche, die die Katholiken im gemeinsamen Depositum fidei und Lehramt, samt der lateinischen Universalliturgie unter dem Primat Petri zusammenhält, soll zugunsten nationaler Egoismen noch mehr geschwächt werden; die berechtigte Bewahrung nationaler Eigenheiten und rechtlicher Souveränität von sehr verschiedenen Staaten dagegen wäre ein Rückschritt?

Ich kann mir’s nur so erklären: das erste Interview stammt vom 5. August, das zweite ist einen Tag jünger. Hätte sich Robert Zollitsch am Ende gar doch einmal bewegt?

Wohl eher nicht. Vertraute Stuhlkreisdialektik halt. Und die muß man ja auch nicht verstehen.

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4 Antworten zu Brüssel hui, Rom pfui – ein Erzbischof im Wahlkampf

  1. Gerd schreibt:

    Zitat: **Zollitsch rief die Gemeinden auf, sich stärker caritativen und sozialen Fragen zuzuwenden. «Ich ermuntere die Gemeinden immer, dass die Armen, die Ausgeschlossenen, die Gebrochenen bei uns vorkommen müssen, in den Predigten wie im Gemeindeleben.**

    Zum Thema „Ausgeschlossene“ hätte ich was: In unserer Gemeinde müssen sich Mundkommunikanten hinten an stellen, weil sie so hartnäckig und betonköpfig auf diese Form des Kommunionempfanges an der noch vorhandenen Kommunionbank beharren. Erst als Letzte dürfen sie den Herrn empfangen nach Spießrutenlauf und verächtliches Geflüster der übrigen Gemeindemitglieder. Ich nehme mal an, dass der Erzbischof diese unbequemen Gemeindemitglieder als veränderungsunwillig und rückwärtsgewandt einstuft. Da hätten wir dann das Dilemma. Was machen wir nun mit den Christen, die kniend die Kommunion an dem dafür vorgesehenen Möbelstück empfangen? Ausgrenzen bis die Schwarte kracht? Oder die Worte des Herrn ernst nehmen: Die Letzten werden die Ersten sein!

    • Clara Franz schreibt:

      Zollitsch:
      „Ich ermuntere die Gemeinden immer, dass die Armen, die Ausgeschlossenen, die Gebrochenen bei uns vorkommen müssen, in den Predigten wie im Gemeindeleben.“

      Alle paar Wochen besuche ich meinen Sohn in Freiburg.
      Um 18.30 Uhr gehe ich dann meistens zur Abendmesse ins Münster.
      Arme z.B. konnte ich dort noch nie antreffen. Die Besucher wirken stets recht bürgerlich. Ausgeschlossene und Gebrochene kann man nicht von aussen erkennen, das stimmt!
      Dennoch, EB Zollitschs Worte hören sich so schön und edel an und besagen im Grunde doch so wenig.
      Ich empfinde sie als Phrasen.
      Was wäre, wenn sich wirklich einmal ein unübersehbar Armer, vielleicht ein Obdachloser zur hl. Messe ins Münster verirren würde?
      Würde er als Fremdkörper angesehen werden – oder nicht?

  2. Clara Franz schreibt:

    Wenn ich Erzbischof Zollitsch höre oder sehe, kostet es mich stets große Mühe, meine Anti-Gefühle ihm gegenüber im Zaum zu halten.
    Mir so unvoreingenommen wie möglich seine Ansichten anzuhören, fällt mir deshalb ungemein schwer.
    Und da ich mir auch schon Gedanken darüber gemacht habe, ob und hinter welche Partei ich mein Kreuzlein machen möchte, hätte ich gute Lust, gerade deshalb die AfD zu wählen, weil EB Zollitsch ihr keinen Erfolg gönnt.
    Aber natürlich reicht Trotz für eine Wahlentscheidung nicht aus und so muss ich mich noch ein wenig kundiger machen.
    Ganz normal verheiratet zu sein, Kinder zu haben, nicht geschieden zu sein – das also ist nostalgisch.
    Nun denn!

  3. Gerd schreibt:

    Mich hat noch kein Euro dazu gezwungen mit jemanden zusammen zu kommen. Dieses Vokabular ist entlarvend und so ganz auf der Welle grüner Bevormundungspolitik. Hier outet sich der EB als grüner Wahlhelfer. Begreift Zollitsch nicht, dass „sein“ Europa mit Vertretern der Religion, hier besonders der christlichen, nichts am Hut haben will? Dass Gott in der Verfassung nicht mehr vorkommt? Der Gott, den Zollitsch verkündigt sehen will? Oder sollen wir jetzt an den Gott des Euros glauben? Der uns zwingt zusammen zu kommen? Es ist frustrierend mit vielen unbeantworteten Fragen durchs Leben zu laufen. Schön, dass ich das hier mal abladen kann.

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