Bischof Anba Damian zur Lage in Ägypten

Der koptische Bischof Anba Damian sieht die brutalen Übergriffe auf Christen in Ägypten nicht als spontane Zornausbrüche, sondern als zentralistisch geplant an. Es seien

«Islamisten und die Spitze der Muslimbruderschaft, die es nicht aushalten, dass Christen das Recht haben wollen, miteinander auf demselben Boden mit ihnen zusammenzuleben».

Im Westen wenig beachtet ist die Tatsache, daß Ägypten seit 1971 (wieder) ein islamischer Staat ist, was für Christen bedeutet, daß sie gegenüber Muslimen im Prinzip keine Rechte haben. Eine Situation, wie sie fast immer seit der Eroberung Ägyptens durch die Araber im 7. Jahrhundert vorherrscht. Seit damals verzeichnet die koptische Kirche rund 1 Million Märtyrer. Es kann kein Moslem wegen Vergehen an einem Christen belangt werden. Dies gilt sogar für Mord und auch für die Entführung koptischer Mädchen, die sich seit den Aufständen gegen Mubarak erschreckend häuften.

Die Kopten sind die Ureinwohner Ägyptens, die Orthodoxen stehen in der Sukzession des Evangelisten Markus und stellen nach offiziellen Angaben knapp 10% der ägyptischen Bevölkerung. Sie selbst aber gehen anhand akurat geführter Taufregister von um die 20% aus.

Jeder Schutz der Christen vor Übergriffen auf Leib, Leben, Eigentum und Kirchen staatlicherseits, beruht bis heute nicht auf dem geltenden Recht, sondern ist reiner Gnadenakt der jeweiligen Herrscher. Die Ignoranz vor allem westlicher Länder demgegenüber, deren Politiker ansonsten das Wort „Menschenrechte“ fast inflationär im Munde führen, ist nicht nur den koptischen Christen unfaßbar. Es scheint nahezu ein Tabu zu sein, über ein Rechtssystem zu debattieren, daß von vornherein alle Nichtmuslime im Prinzip zu Outlaws erklärt. Auch die Medien starren immer wieder wie systematisch an den Morden, Vergewaltigungen, Brandschatzungen und Raub vorbei. Immerhin mehren sich andere Stimmen in letzter Zeit.

Unter dem Regime der Muslimbrüder hat sich die ohnehin furchtbare Situation der Kopten noch drastisch verschlechtert, zumal die Muslimbrüder offensichtlich entgegen ihren Wahlversprechen die Errichtung eines islamischen Kalifats unter rigoroser und gnadenloser Durchsetzung der Scharia anstrebten. Dies führte neben dem desaströsen Herunterwirtschaften des Landes zum Aufstand des Volkes gegen Mursi.

Erhofft wird von den Kopten die Errichtung eines Rechtsstaates, in der Christen vom Joch der Rechtlosigkeit befreit werden, die neben dem Strafrecht auch die freie Religionsausübung umfaßt, sowie die Aufhebung von Restriktionen in der Berufsausübung aufhebt und die Übergangsregierung den Weg dazu ebnen wird, für ein friedliches, gedeihliches Zusammenleben von Muslimen und Christen, wie es von der Mehrheit ohnehin erstrebt und praktiziert wird .

Allerdings mahnte der Bischof: «Gewalt gegen Muslimbrüder ist genau so falsch wie Gewalt von Muslimbrüdern», sagte Damian. Sie seien Ägypter «und unsere Brüder und Schwestern». Daher sollten sie ihre politischen Vorstellungen äußern und um Zustimmung dafür werben können.
Den militärischen Flügel der Muslimbrüder nannte Damian dagegen eine terroristische Gruppe.

Die Zitate sind diesem Bericht hier entnommen.

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