Klerikale Klappstühle: Gewinn für zweierlei Laien!

So sehr es mich freut, daß ich in Familie, bei Freunden und Bekannten offenbar als Experte für die Kirche und den Glauben betrachtet werde, wovon, ohne daß ich damit anfange, immer wieder Gebrauch gemacht wird: es gibt Tage, da wird es mir zu viel.  Etwa dann, wenn ich jemand schon zum dritten Mal erklärt habe, wie das mit den Hexenverbrennungen war und die Person mich dann triumphierend grinsend damit konfrontiert, daß sie gestern eine Freundin getroffen habe, die mal ein Buch gelesen hat, wo drinstand, daß doch Millionen weise Frauen ermordet worden seien. Die eigens recherchierten Links zu fundierten, aber nicht zu langen Artikeln wurden natürlich noch nicht gelesen, und so eine Freundin, die mal ein Buch las, läßt ohnehin die akribische Forschung ganzer Historikerbataillione ins Nichts schrumpfen.

Oder überhaupt, wenn ich den Eindruck gewinne, daß das persönliche Ausweichen vor der Tatsache, das es den einen dreifaltigen Gott gibt, und daß er auffordert und drängt, seine Liebe zu erwidern, mit irgendwelchen Defekten der kirchlichen Lehre oder mit der Inferiorität kirchlicher Geschichte oder Praxis gegenüber der von der Kirche selbst proklamierten Ethik oder auch mit der Behauptung, die Moral sei ja nur die der Kirche und Jesus habe angeblich ganz was anderes gesagt, vor sich selbst plausibilisiert werden soll.

Nun bin ich zwar letztlich doch ein geduldiger Mensch mit langem Atem, wie ich immer wieder zur eigenen Überraschung feststelle, denn mein Temperament ist ein anderes, ich hab’s nur besser im Griff als in jüngeren Jahren. Ich gebe mir Mühe, ich will immer besser werden. Und dennoch: als ich in der gestrigen Tagespost diese Antwort des Augustinerchorherren Alipius Müller auf die Frage von Barbara Wenz, inwieweit er sich als Pfarrer am noch laufenden Jahr des Glaubens beteilige las, gestehe ich, das ich neben der Zustimmung zur hervorragenden Idee einen nicht ganz unegoistischen Gedanken hatte:

Eine Idee von mir, die ich noch nicht umsetzen konnte, wäre, sich mit einem Klappstuhl, einem Gartentisch und einem Schild „Frag den Pfarrer“ vor die Kirche zu setzen – und dann zu schauen, wie ich mit den Menschen, die das Angebot wahrnehmen möchten, ins Gespräch kommen kann.

Auch als Laie werde ich mir dieses Schild basteln, dazu werde ich mitunter penetranten Löcherindenbauchfragern dann sogar fürsorglich eine Liste von zehn Priestern aushändigen, die in dieser Stadt wirken und die ich für ebenso unbedingt vertauenswürdig wie auch kompetent erachte, alle möglichen und unmöglichen Fragen besser zu beantworten als ich. Damit wäre im Zweifel meinen Gegenübern sicher besser geholfen, als wenn ich sie -der Worte und Gedankenanstrengungen überdrüssig- nun ganz direkt christlich nächstenliebend mit Umarmen und Abknutschen schockiere.

Gern sammle ich im Gegenzug für je einen Klappstuhl, einen Gartentisch, ein Stück Pappe und einen Stift.

[UPDATE:  Das wurde fast zeitgleich bei Frischer Wind gepostet, und bringt den Grund gelegentlichen Überdrusses auf den Punkt:

„Obwohl sie aufs Klarste sehen, wie Gott die von ihm ins Leben gerufene Schöpfung leitet, wie er alles nach seiner gewissen Ordnung bewegt und lenkt, wie alles Erschaffene seine Verhältnisse hat, wie das Ganze derSchöpfung und jeder einzelne Teil so schön, so nützlich ist, stellen sie sich dennoch absichtlich blind oder haben vielmehr die Unverschämtheit zu behaupten, dass sie bei offenen Augen nicht sehen. Sie lästern die Vorsehung gerade der Gaben wegen, die sie von ihr empfangen, und führen Krieg wider den Schöpfer wegen eben der Wohltaten, die sie dank seiner Sorgfalt  genießen.“

(Kirchenvater Theodoret, 5. Jahrhundert)

Über clamormeus

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2 Antworten zu Klerikale Klappstühle: Gewinn für zweierlei Laien!

  1. Clara Franz schreibt:

    Wenn Sie, lieber clamormeus, in der glücklichen Lage sind, auf Anhieb zehn fromme und kompetente Priester zu finden, dann kann ich Sie nur beglückwünschen.
    So auf die Schnelle wüsste ich jetzt nur vier zu nennen.
    Klappstuhl vor der Kirche ließ mich unwillkürlich an Medjugorje denken.
    Den Tagespost-Artikel werde ich mir noch anschauen.

    Im übrigen, freuen Sie sich dennoch -trotz des gelegentlichen Überdrusses- als vertrauenswürdig in Sachen Glaubensvermittlung zu gelten.
    Wer weiß, vielleicht haben Sie doch den einen oder anderen Samen ausgestreut, ungeachtet des Tadels besagter Dame wegen der Hexenverbrennungen.
    Wie sagte einmal Kapuziner-Pater Claudius zu uns in kleiner Runde?:
    „Es kommt auf uns an! Aber es hängt nicht von uns ab!“
    Also: Bitte tapfer und unverzagt weitermachen!
    Ob auf dem Klappstuhl oder im privaten Kreis!
    Und trotz der mittelalterlichen Hexenverbrennungen und anderer Dinge!

    • clamormeus schreibt:

      @Clara
      Ich finde Hochwürden Alipius Idee ganz hervorragend und bin mir sicher, daß nicht wenige Gebrauch machen würden und auch beste Antworten auf ihre Fragen bekämen!

      Ob meine Wenigkeit irgendetwas bewirken kann, darüber mache ich mir keine Gedanken. Aber die Leute wissen, daß ich immer versuche, so gut ich kann zu antworten.

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