Syrien – Fragezeichen eines Kleingläubigen

Ich dachte ja, es würden sich heute sicher viele mitfreuen, daß Obama nun doch nicht ballern will, vorerst jedenfalls. In Syrien wird ja auch so wahrlich genug geballert, kopfabgeschnitten, vergiftgast u.s.w.  Keine Spur.

Der Gebetstag, zu dem der Papst am Samstag aufrief, wurde gelobt, verteidigt, bestaunt, bejubelt, selbst katholische Kritiker der Form und Skeptiker des angefügten Fastenaufrufs bejahten zumindest das Gebet. (den Bevorzugern der hermetischen Gebetstruhen sei gesagt: der Herr sieht schon, ob jemand nur betet, um gesehen zu werden, wenn ihr also sicher seid, daß dem bei eurem Gebet nicht so ist, dann dürft ihr sicher auch öffentlich beten, aber vor allem solltet ihr denen, die das tun, nicht das Motiv der Heuchelei unterstellen. Ich unterstelle euch sonst meinerseits, daß ihr zu jenen gehört, die diesen alltime worst evergreen „I did it my way“ goutiert und sentimental mitträllert, wenn er irgendwo leider immer noch erschallt, womöglich auch noch in der Sinatraversion)

Nun ist gerade drei Tage später eines der beiden Anliegen der Gebete erhört worden. Mr. President hat darauf verzichtet, durch noch mehr Bomben das Leid der Syrer, und wer weiß, wessen in der Folge sonst noch,  zu vergrößern. Dazu bedurfte es einiger Fügung, die ihm diesen Schritt ermöglichte.

Eigentlich – blödes Wort, ich weiß- hätte man doch nun erwarten können, daß die Beter, und auch nicht gottgläubige Hoffer, wenigstens etwas staunen. Dankbar sind. Sich freuen. Und das zeigen.

Es herrscht aber heute im veröffentlichten, katholisch wie säkularerweise, eine bemerkenswerte Ignoranz vor. So, als sei nichts gewesen.

Unter Brüdern und Schwestern kann ich mir das nur so erklären: ihr seid euch alle in der Wirkung eurer Gebete so gewiß, daß ihr solche Peanuts wie ihr Erhörtwerden gar nicht erwähnen braucht. War doch eh klar.

Wenn dem so ist, betet auch für mich Schwachgläubigen um Erleuchtung, der über solche Selbstverständlichkeiten noch in staunende Verzückung gerät.

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13 Antworten zu Syrien – Fragezeichen eines Kleingläubigen

  1. Clara Franz schreibt:

    Das war auch so ein Gedanke, den ich hatte, nämlich:
    Ob wohl das Gebet so vieler tausend Menschen dies bewirkt haben könnte.
    Wer weiß, vielleicht hat sich mister barak obama aber auch nur ein bisschen beschämt gefühlt oder er hat Angst, es könnte ihm die gleiche Abstimmungspleite-Pleite bevorstehen wie david cameron.
    Grundsätzlich ist es schön zu denken, das Gebet könnte geholfen haben.
    Das aber weiß nur EINER!

  2. Conny schreibt:

    Also ich komme aus dankbarem Staunen nicht heraus. Und es stimmt nicht ganz: hier und da gab es diesbezüglich in der Blogozöse etwas zu vernehmen. Insgesamt aber war das Echo eher dürftig, da gebe ich Ihnen recht.
    Also das muss man sich jetzt mal vor Augen halten: Samstag wurde dem Gebetsaufruf gefolgt und wenn es alleine auf dem Petersplatz 100.000 gewesen sind, wie viele waren es wohl weltweit? Und bereits am Montag entgleitet Kerry eine Äußerung, die er aber eigentlich so gar nicht ernst gemeint haben will, die aber nun eine überraschende Wendung in der Sache bringt und da sollte ich etwa annehmen, dass es nur ein Zufall ist? So wie der Mensch angeblich nur ein Zufallsprodukt ist? Nie und nimmer!

  3. Elsa schreibt:

    Ich bin einfach noch zu skeptisch und will abwarten, was da noch so alles passiert. Im Übrigen herrscht deshalb ja auch noch längst kein Friede in Syrien, nur weil Obamas Bombardement jetzt verzögert bzw. hoffentlich tatsächlich einfach abgeblasen wird. Bei mir ist aber das Glas auch immer halb leer, insofern….

  4. clamormeus schreibt:

    @alle

    Vielen Dank für Eure Kommentare!

    Mir erging es so: als ich gestern frühmorgens Obamas Rede las, war ich völlig erleichtert und dankbar, ich hatte ganz befürchtet. Und ich war voller Freude, und weiß ja, es beten viele, ob sie sich nun dem päpstlichen Aufruf am Samstag anschließen wollten oder auch nicht; durch diesen, wie auch die vielen Briefe orientalischer Patriarchen, wurden die Stimmen dieser Gebete hörbar, gebündelt, eine konkret spürbare Kraft, die sich gegen diese schreckliche Kakophonie des Kriegsgetrommels stellte. Es war dann, als ob eine dunkle Wolke etwas aufgerissen würde.

    Ich weiß ja, und schrieb’s im Vorpost, der Krieg in Syrien ist dadurch nicht beendet und auch die Intervention ist lange nicht vom Tisch, gerade wenn man heute schon wieder die Sabotageversuche des Deals liest; aber es ist doch Grund zur Freude, wenn wenigstens noch Hoffnung besteht, daß die Vernunft siegt und nicht alles noch schlimmer gebombt wird, für die Syrer und ich bin gewiß: nicht nur für sie. Und auch einen Ansporn zum Weiterbeten und sich zu zeigen sehe ich in dieser Antwort, eine Gnadenfrist. Das ist doch Grund zur Freude.

    Ich bin la auch eher der „Glas halb leer“ Typ, aber zur Zeit freue ich mich über jeden kleinen Schluck und hätte gern gestern mit jemand freudig angestoßen;-)

  5. Elsa schreibt:

    Nun, ein Grund zur Freude ist es in jedem Fall, dass wenigstens vorerst diese unsägliche Bombardierung vom Tisch zu sein scheint. Aber ich spürte schon während der Vigilfeier, was sich da für eine enorme Macht entfaltet hat. Dieser Macht gab es einfach nichts zu entgegensetzen. WENN ich aber dann schon mal so was wahrnehme (ich habs nicht so mit Wahrnehmungen, Aurasehen habe ich zu meinen Eso-Zeiten auch immer trainiert und es ist mir nie gelungen;-)), dann traue ich der Sache allerdings erstmal nicht über den Weg – weil, ich will’s ja nicht beschreien;-)

    • clamormeus schreibt:

      O wei, wenn nicht mal Dir das gelungen ist, dann fang ich besser erst gar nicht richtig an damit :-)
      Also so gechannelt wie’s vielleicht klingen mag, mit kleinen farbigen Strahlen, die sich zu einem gigantischen weißen Lichtbündel vereinen, das sich dann Obama in den Bourbon mischt, war’s jetzt nicht bei mir.

      Du hast recht, beschreien soll man’s nicht, und auch nicht sagen: „Hey, das haben wir prima hingeprayt“ oder so, aber Grund zur Freude ist es in der Tat, und das äußere Szenario dafür ist doch schon fast aberwitzig.

      Nochmal völlig untriumphialistisch: „Sieh an, das Gebete hat wohl nix geschadet!“ :-)

  6. Gerd schreibt:

    Ich weiß nicht was ich von einer eventuellen Gebetserhörung halten soll. Eine „unsägliche Bombardierung“ ist sicher auch die vom Diktator in Syrien gegen die eigene Bevölkerung. Sollen wir jetzt darum beten, den Despoten mit Worten und guten Ratschlägen aufzuhalten?

    • clamormeus schreibt:

      Vorab möchte ich dazu die Lektüre dieser Darstellung dersyrischen Verhältnisse der Lage von „Taras Sirkos Nicht-Blog“ anempfehlen.

      Also die Formel: ein Diktator und seine Schergen kämpfen gegen das Volk, läßt sich so nicht halten, zum einen weil dem Anschein nach die Hälfte der Bevölkerung pro Assad ist, zum anderen, weil viele seiner Gegner deswegen noch lange nicht die Rebellen unterstützen, und eben zum Dritten, weil auf dieser Seite eben nicht wenige Ausländer mitkämpfen, die das Regime nicht zugunsten eines freiheitlichen Rechtsstaats stürzen wollen, sondern um die Scharia zu errichten. Und sicher ist auch: nicht nur Assads Truppen, sondern auch die diversen Rebellen haben zehntausende getötet und nicht selten gezielt Zivilisten.

      Aber das nur am Rande. Wenn ich gegen ein Bombardement Syriens bin, heißt das nicht, daß ich für Assad bin. Dem billige aber sehr wohl das Recht zu, ausländischen Kämpfern militärisch entgegenzutreten, er hat sogar die Pflicht dazu.
      Für was ich bin? Daß alle innersyrischen Kräfte und Parteiungen die Sache vom Schlachtfeld an den Verhandlungstisch verlagern und eine tragfähige Lösung finden. Wieso soll das nicht erhört werden?

  7. Gerd schreibt:

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier ein Fass aufmache: Wenn Assad das Recht und die Pflicht hat ausländischen Kämpfern militärisch entgegenzutreten, dann hatte dieses Recht auch der unselige Führer unserer Nation vor 70 Jahren. Das hielt die Alliierten allerdings nicht davon ab, deutsche Städte zu bombardieren und danach als Befreier bejubelt zu werden. Mir ist klar, dass diese Situation nicht eins zu eins auf Syrien übertragen werden kann, das Prinzip ist allerdings dasselbe. Mal provozierend gefragt: Hat Gott die sicher vorhandenen Gebete um eine diplomatische Lösung 1939 nicht erhört und eine militärische Lösung für sinnvoller gehalten? Ich bin im übrigen auch gegen jedwede Art von Krieg, wüsste auch keinen der das anders sieht.

  8. Elsa schreibt:

    @Gerd:
    >>Wenn Assad das Recht und die Pflicht hat ausländischen Kämpfern militärisch entgegenzutreten, dann hatte dieses Recht auch der unselige Führer unserer Nation vor 70 Jahren.<<

    Wie man sich entsinnt, ist aber jener besagte Unselige ZUVOR ausländischen Kämpfern IM AUSLAND entgegengetreten. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

  9. Gerd schreibt:

    @Elsa

    Richtig! Ich argumentiere vielleicht zu emotional. Sollen wir warten bis Assad in ein Nachbarland einmarschiert? Oder: Wäre es nicht besser gewesen, Hitler im eigenen Land anzugreifen, allein schon wegen der Verfolgung der Juden und Andersdenkender und der Masse an Konzentrationslagern? Wir wissen ja, wie die Geschichte geendet hat, ein Weltkrieg und ein Meer von Blut. Vielleicht gehören Emotionen ja nicht in diese Diskussion. Aber ich stehe sehr häufig an den Gräbern der gefallenen Soldaten die auf einem riesigen Soldatenfriedhof in unserer Stadt begraben sind. Welches Opfer kann größer sein, als für die Freiheit und den Frieden zu sterben? Ich bin immer wieder dankbar, dass diese unzähligen jungen Männer nicht abgewogen und abgeschätzt haben, sondern mutig dem Diktator die Stirn boten. Diesen Männern haben wir über 60 Jahre Frieden in unserem Land zu verdanken. Leider erreichten sie diesen Frieden nicht am Verhandlungstisch, sondern auf dem Schlachtfeld, fern der eigenen Heimat. Aber du hast natürlich recht, was die heutige Situation in Syrien angeht. Die spielt allerdings momentan nur den Kriegstreibern in die Hände. Leider.

  10. Gerd schreibt:

    Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen. Das Gebet für den Frieden in der Welt ist unerlässlich und wird von mir auch praktiziert. Dankbar blickte ich in der Vergangenheit auf den Fall des eisernen Vorhanges, der, so bin ich überzeugt, nur den Betern gelungen ist. Darüber staune und freue ich mich noch heute. So denke ich, dass Gott auch für Syrien eine Lösung parat hat, die dieses leidgeplagte Volk in einen sicheren Frieden führen wird. Meine Zweifel habe ich allerdings, ob das am Verhandlungstisch erfolgen kann. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

  11. Elsa schreibt:

    >>Wäre es nicht besser gewesen, Hitler im eigenen Land anzugreifen, allein schon wegen der Verfolgung der Juden und Andersdenkender und der Masse an Konzentrationslagern?<<

    Nein. Das wäre ein Bruch des Völkerrechts gewesen, da gibt es kein Wenn und kein Aber. Insofern war es dann aber wieder gut, dass Hitler mit dem Angriffskrieg begonnen hat, denn damit konnte man gegen ihn vorgehen – wobei die Judenverfolgung und die Kzs zunächst dabei tatsächlich keine Motivation waren. Sondern das Zurückschlagen gegen einen Aggressor.
    Wir brauchen gar nicht zu Hitler gehen. Der Nordkoreaner zum Beispiel kann in seinem eigenen Land machen, was er will, und wenn es noch so sehr zum Himmel schreit. Das Völkerrecht verbietet allerdings, deswegen das Land mal einfach so anzugreifen.
    Das ist in diesem Extremfall nun mal so. In anderen Fällen ist es leichter zu verstehen, schließlich müsste man dann gegen die Hälfte der Staaten der Erde Kriege führen, weil sie ihre Bürger ungerecht behandeln, ausbeuten oder zum Teil sogar verfolgen und ausrotten. Eine Weltpolizei will niemand! Das fände ich gruselig.

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