Unüberwindlich starker Held mit Federstrich erledigt?

Das gestern gefeierte Fest des Erzengels Sankt Michael war wohl in vielen Kirchen die Derniere für dieses -zumindest in Bayern- äußerst beliebte, dem Schutzpatron Deutschlands gewidmete Lied des Jesuitenpaters Friedrich von Spee. Jener, der erheblich dazu beitrug, die Hexenverbrennungen zu beenden und einige der schönsten deutschen Kirchenlieder schrieb.

Unüberwindlich starker Held, – Sankt Michael
komm uns zu Hilf, zieh mit zu Feld!
Hilf uns im Streite, zum Sieg uns leite, Sankt Michael!

Die Kirch‘ Dir anbefohlen ist;
du unser Schutz- und Schirmherr bist.
Hilf uns im Streite, zum Sieg uns leite, Sankt Michael!

Du bist der himmlisch‘ Bannerherr
die Engel sind dein Königsheer.
Hilf uns im Streite, zum Sieg uns leite, Sankt Michael!

Den Drachen du ergriffen hast
und unter deinen Fuß´ gefasst.
Hilf uns im Streite, zum Sieg uns leite, Sankt Michael!

Beschütz mit deinem Schild und Schwert
die Kirch‘, den Hirten und die Herd!
Hilf uns im Streite, zum Sieg uns leite, Sankt Michael!

Aus dem neuen GL gestrichen

Stark? Held? Zu Felde ziehen, Streit, ja sogar Sieg! Bannerherr, Königsheer? Drache, Schild, Schwert?!?
Schutz für die Kirche, den Hirten, die Herd‘ – und das noch in dieser Reihenfolge! Das muß ja in dieser Häufung regelrecht Kurzschlüsse in den sensibel-achtsamen Synapsen der zartbesaiteten Kommissionen ausgelöst haben, man kann es richtig knallen hören.

Und dann noch der historische Kontext: da hatte es doch das deutsche kaiserliche Heer unter Otto I. auf dem Lechfeld gewagt, unter dem Michaelsbanner gegen die vermeintlich übermächtigen ungarischen Plünderer und Belagerer zu obsiegen. Ungarische Chronisten hielten die Aussagen von überlebenden Kämpfern fest: es habe auf deutscher Seite ein „fliegender Gott mit goldenen Flügeln“ gekämpft, und die Schlacht entschieden. Bereits 813 hatte Karl der Große St. Michael zum Patron des ganzen Reiches ausgerufen. Zuletzt hatte die Einweihung der Michaelsskulptur im Vatikan Aufsehen erregt, da sie von vom amtierenden und vom emeritierten Papst zusammen gefeiert wurde.

„Unüberwindlich starker Held“ blieb sozusagen als Rudiment der Michaelsverehrung im noch aktuellen GL bestehen, schon in diesem findet man nicht einmal mehr das Michaelsgebet, das in seiner Kurzform der „Leonischen Gebete“ verbreitet gebetet wird. Vielleicht reichte dafür allein das Vorkommen des Wortes „Hölle“ aus, das sich in dem Fall nicht einfach in „Halle“ umübersetzen läßt; oder wollte man sogar den Teufel und die anderen seelenverderbenden Geister nicht diskriminieren und ausgrenzen –
Dafür dann lieber den Erzengel, jenem, der Luzifers „Non serviam!“ sein „Quis ut Deus“ entgegenschmetterte und den Abgefallenen herabschleuderte – zu martialisch?

Immerhin ist diese Streichung eine klare Sache, im Gegensatz zu den Verstümmelungen, Umdichtungen und Glättungen, die viele traditionelle Kirchenlieder schon im aktuellen Gotteslob über sich ergehen lassen mußten.

Wenn diese Löschung ein Vorgeschmack auf die Gesamttendenz des neuen Adobes Gotteslob sein sollte, dann wäre wohl der unleserliche Druck auf miserablem Papier, von dem ein Teil der Auflage betroffen ist, nicht unbedingt etwas schlechtes.

Wir können gerade gar nicht oft genug um den Schutz Michaels beten. Eigentlich nicht übersehbar.

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Mühsam beherrscht abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Unüberwindlich starker Held mit Federstrich erledigt?

  1. Gerd schreibt:

    „Darum bitten wir dich, durch Jesus Christus unseren Bruder, der mit dir lebt und liebt in Ewigkeit.“

    Dieser Lieblingsgebetsschluss unseres hiesigen Pfarrers passt da voll rein. Irgendwie kommt man gegen diese Watte überhaupt nicht mehr an.

  2. Cinderella01 schreibt:

    Nun ja, gestern zum Patroziniumsfest in St. Michael wurde es noch gesungen, allerdings mit einer geänderten Textzeile
    „Hilf uns, hie kämpfen, die Feinde dämpfen, Sankt Michael“….
    Aber wenigstens wollte man auf Kampf und Feind noch nicht verzichten ….. Siege gibt’s halt heutzutage nur noch im Sport.
    Aber nachdem unser Kardinal ja letztens im Zeitinterview verkündet hat, dass die Kirche nicht mehr herrschen will … passt es ja.
    Nur gut, dass wir davon ausgehen können, dass sich weder Gott noch Christus noch der heilige Erzengel Michael von diesem Weicheiergetue beeindrucken lassen und weiterhin auf ihrer Wahrheit beharren. Die Welt kann so einfach sein.

    • clamormeus schreibt:

      Hm, wenn man „die Feinde DÄMPFEN“ kulinarisch auffaßt, setzen die wackeren Jesuiten von ST. Michael doch noch einen drauf :-))

      Ein paar Meter weiter wurde es zum Auszug nach dem jetzigen GL gesungen. Seine Zahl ist war 606;-)

      Nett wär ja, wenn sie wenigstens noch Gott herrschen lassen. Und daß der nicht von dem „Weicheiergetue“ beeindruckt ist, ist halt irgendwie das Problem der Kirche ;-)

      • Cinderella01 schreibt:

        Bei uns wurden ohnehin Zettel verteilt, wo die gesungenen Lieder draufstanden. Zum Patroziniumsfest ist es in St. Michael immer so voll, dass die ausgelegten Bücher gar nicht ausreichen würden und es sollen ja alle mitsingen …. Das machen sie öfter in St. Michael und ich denke die meisten Tralala-Liedchen aus dem Gotteslob werden in den Innenstadtkirchen ohnehin nicht zum Einsatz kommen – und wenn, dann höchstens mal unter der Woche oder samstags im Dom oder St. Michael, in St. Peter oder St. Kajetan ohnehin nicht. Und die Vorstadtkirchen meide ich, so gut es geht ….

  3. Clara Franz schreibt:

    Dem Erscheinen des neuen Gesangbuches sehe ich überhaupt mit einiger Skepsis entgegen.
    Worauf werden wir auch sonst verzichten müssen?
    Ich hoffe, dass sein Inhalt in weiten Teilen nicht dem unverbindlich und nichtssagend wirkendem Logo der Titelseite entspricht.

  4. Imrahil schreibt:

    Das heißt wie gesagt natürlich: „Hilf uns hie kämpfen, die Feinde dämpfen“. Die andere Fassung kenne ich gar nicht.

    Wichtigere Frage: wie schaut’s denn mit den Regionalteilen aus? auch im jetzigen Gotteslob sind sehr wichtige Lieder wie das *richtige* Stille-Nacht, Schubertmesse, Segne Du Maria usf. nur im Regionalteil.

    • clamormeus schreibt:

      Danke (auch @Cinderella 01). Dann ist GL 606 offenbar auch schon eine verkürzte oder veränderte Fassung.
      Das ist in der Tat eine wichtige Frage bzgl. der Regionalteile.

      Eine Möglichkeit, die auch von einigen Kirchen schon praktiziert wird, sind zusätzlich zum GL selbstedierte Gesangbücher, die traditionelles Liedgut und Gebete in ursprünglichen Fassungen pflegen. Bald mehr dazu in einem Post.

  5. Frischer Wind schreibt:

    Zur Entwicklung des Liedtextes und dessen Abändrerung mit dem Erscheinen im (alten) Gotteslob, siehe auf dem Blog „Caecilia“:
    http://zaezilie.blogspot.de/2011/09/unuberwindlich-starker-held.html

    Ich teile allerdings nicht die dortige Auffassung, die Abänderung von „Kampf“ zu „Streit“ sei eine Abmilderung („…entkörperlicht aber den Kampf zum Streit“). Wir sprechen ja auch von Streitkräften und von Streitmacht.

    Auch mit der Abwandlung von „die Feinde dämpfen“ zu „zum Sieg uns leite“ ist m. E. keine wirkliche Sinnänderung verbunden. Nun könnte man natürlich den Respekt vor dem Urheber ins Feld führen, jedoch ist der Ausdruck „dämpfen“ tasächlich ungewohnt und weckt heute bei uns eher sinnfremde, nichtzutreffende Assoziationen. ;-)

    In der lateinischen Version, die nicht älter als der deutsche Text sein soll, heißt es schlicht:
    „Ora pro nobis, pugna pro nobis, Dux Michael!“
    „Bitte für uns, kämpfe für uns, (Heer-)Führer Michael!“

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s