So schon gar nicht!

Nochmal zum überdrüssigen Thema:

Eine Frage ist: war es moralisch legitim, den Bau, der Bischofsresidenz und diözesanes Zentrum vereint, so teuer werden zu lassen? Eine andere: war es legal? An letzterem dürfte wohl kaum ernsthaft Zweifel bestehen.

Also bleibt vor allem der Aspekt der Angemessenheit: waren manche der Mehrkosten vermeidbar, wer hätte sie vermeiden können? Und eine persönliche: hat der Bischof für persönliche Verwendungen unbotmäßig tief in die Schatulle gegriffen?

Eine weitere Frage ist: hat der Bischof vorsätzlich die steigenden Kosten verschleiert und hat er in Bezug auf die Frage seines Erste Klasse Fluges vorsätzlich die Unwahrheit gesagt?

So knapp, so banal, möchte man sagen, stellt sich das konkrete Terrain des Hypes um den Limburger Bischof dar. Die Verantwortlichkeiten für die Planung und eventuelle kostspielige Fehler dabei, kann erst eine externe Prüfung der Vorgänge klären. Die Frage nach möglicher Verschwendung von Kirchenmitteln ist berechtigt und – im angemessenen Rahmen- sicher auch die, ob Anschaffungen für den persönlichen Bedarf eines Episkopen möglicherweise unnötig üppig gewesen seien.

Wie konnte aber aus diesem alltäglich anmutenden Provinzstück, das wesentlich doch nur die Katholiken Limburgs angeht noch dazu, ein wochenlanger Seite 1 Skandal werden, nicht in der Lokalpresse wohlgemerkt, sondern quer durch fast alle großen Gazetten und Fernsehsender der Republik? Das mutet, angesichts der realen Dimensionen des Falles, nicht nur grotesk an, sondern ist es auch. Möglicherweise hat Tebartz van Elst einige der mehr als geplant ausgegebenen Millionen selbst zu verantworten. Und sicher hat er sich in der Öffentlichkeitsarbeit nicht immer glücklich verhalten. Besonders die Posse um das Flugticket hätte er sich ersparen sollen. Ein „Ja, ich flog Erste Klasse, na und?“ wäre die einzige gute Antwort gewesen. Aber ist das einen „Brennpunkt“ im Fernsehen wert, in denen es sonst nur Kriegsausbrüche, Tsunamis, Kanzlerrücktritte u.ä. schaffen, die traditionalistisch rubrizistische 20:15  Ordnung der ÖR – Sender zu verletzen? Natürlich nicht, man kann eigentlich gar nicht auf die Idee kommen, daß nicht etwas anderes, und vor allem etwas anderes dahinter stecken müsse.

Auch die Art der Kampagne, den vermeintlichen Verursacher von Geldverschwendung als protz- und prunksüchtiges Monster zu zeichnen, ihm geistige und seelische Gestörtheit zu unterstellen und dies wochenlang unter Verwendung der entstellendsten Photos zu unterstreichen, zeigt eindeutig, daß es hier um etwas völlig anderes geht, als den Anlaß. Ein Land, dessen Regierung Milliarden Steuergelder allein in schwarze Bankenlöcher wirft, ein Berliner OB, dessen BER Desaster monatlich das verschlingt, was der Limburger Bau insgesamt höchstens kosten wird, stellt einen Provinzbischof als Verschwender an den Pranger? Immerhin hat der einen Gegenwert geschaffen, der Limburger Bau wird überwiegend ästhetisch wie architektonisch als höchst gelungen beschrieben und das örtliche Bauhandwerk bekam gute Aufträge.

Heute las ich, neben anderen befremdlichen Einlassungen katholischer Publizisten dazu auchdiese Kolumne von Andreas Püttmann, die im Tenor darauf abzielt, jeden Katholiken, der – neben möglichen Verfehlungen des Bischofs- andere Hintergründe der Kampagne gegen Tebartz van Elst, die teils Züge einer hemmungslosen Menschenjagd trägt, konstatiert und Fragen danach aufwirft, als „Relativisten“ bezeichnet. Diese verortet er im Lager der „ordotreuen Katholiken“, und heißt sie gar mitschuldig am „immensen Schaden für Kirche und Caritas“.   (Der geschätze Mitblogger Tiberius äußert sich hier dazu, Kollege Andreas ergänzt hier treffend zum „Meineidsvideo“.)

Selbst Manfred Lütz, der es am Sonntag bei Jauch unternahm, wenigstens zum Verzicht auf weiteres Eintreten auf den Bischof zu ermahnen, wurde von Püttmann abgewatscht: Tebartz van Elst liege doch gar nicht am Boden, er sei immer noch auf dem Bischofsstuhl – und das sitzend! Außerdem sei er ja noch nicht öffentlich zerknirscht zu Kreuze gekrochen ob seiner Verfehlungen. Wie darf man das verstehen – solange er noch nicht liegt, darf weiter verleumdet, gehetzt, gegeifert werden? Die Presse habe lediglich die vom Bischof verletzte moralische Ordnung verteidigt, meint der Autor. Und Tebartz van Elst habe mit der Aussage zum Flugticket die größtmögliche Verfehlung eines Episkopen begangen – gegen die Wahrhaftigkeit verstoßen.

Dies mag in gewisser Hinsicht in diesem Punkt sogar zutreffen, doch dazu bliebe eine weitere Stellungnahme des Bischofs abzuwarten. Nur ist schon vergessen, was der DBK – Vorsitzende letzte Woche äußerte? Seine „Handreichung“ sei gar keine und ohne sein Wissen auf die Bistumswebsite Freiburgs gelangt, obwohl deren Inhalte längst gängige offizielle Praxis in seinem Bistum sind.  Das, u.a. das, gehörte doch bei solch scharfem moralischen Rigorismus allein der Aktualität halber mit erwähnt? Ein verschleiertes Flugticket schadet der Kirche, ein Affront gegen das Kirchenrecht nicht? Eine Designerwanne ja, ein Kommerzkonzern wie Weltbild und  das erbärmliche Hü und Hott über diesen, nein?

Wie immer man auch das Verhalten des Bischofs bewertet, die Berichterstattung steht in einem größeren Kontext, und den darf man nicht nur mitbetrachten, sondern man muß! Ich antworte Herrn Püttmann mit seinem Aufruf: „So schon gar nicht, werter Glaubensbruder!“

Und verweise hierauf: Differenziert und angemessen geht es bei katholischen Publizisten nämlich auch, wie hier bei Alexander Kissler und dort bei Martin Lohmann. Das ist beruhigend!

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