Zwei neue Fakten zur „Causa Limburg“

Ein Artikel der Zeitschrift ART zur „Causa Limburg“ macht auf diversen Blogs die Runde. Folgt man dem Autor, so stellt sich die angebliche Kostenexplosion für Neubauten und Altbausanierung des Limburger Ensembles völlig anders dar, als bisher dargestellt:

Die drei Millionen Euro, die als die ursprünglich „geplanten“ Kosten des Gebäudes immer wieder zitiert werden, sind tatsächlich die Schätzung einer Voruntersuchung aus dem Jahr 2007 – vor dem Antritt des neuen Bischofs – durch den Frankfurter Architekten Christoph Mäckler und beziehen sich nur auf den Neubauteil des Ensembles. Inklusive Altbausanierung, Abbruch, Außenanlagen und anderem kommt auch Mäckler 2007 bereits auf 11 Millionen Euro ohne Planungskosten. Nachfolger Karljosef Schattner hatte zum Amtsantritt von Franz-Peter Tebartz-van Elst einen unverbindlichen Kostenvoranschlag von 17 Millionen Euro geliefert,doch nachdem der Bischof Berater Schattner durch Baumeister Frielinghaus ersetzte, gab es 2010 die erste seriöse Durchplanung der Residenz nach den Vorgaben des Domherren, und da stand auf dem Papier bereits: 25 943 958 Euro und 51 Cent. Dies ist dann die Zahl, von der aus man entscheiden muss, ob eine Ausgabensteigerung von rund 18 Prozent auf 31 Millionen – wie es Stand heute auf der Quittung steht – eine „Kostenexplosion“ zu nennen ist. Architekt Frielinghaus verwehrt sich dagegen mit einigem Recht.

Ganz frisch ist diese Meldung via kath.net. Der Vatikan war über alle zehn Einzelprojekte des Baus im Bilde und hat diesen zugestimmt. Damit ist die Unterstellung, Bischof Tebartz van Elst habe Rom hintergangen oder mit den Stückelungen getäuscht, definitiv vom Tisch, es handelte sich offenbar um üble Nachrede. Der Schlußabschnitt unten aber birgt noch größere Brisanz: der Verwaltungsrat des Bistums Limburg genehmigte die gestiegenen Baukosten einstimmig. Kolportiert wurde bisher: man habe nichts davon gewußt.

Laut einem Sitzungsprotokoll, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, wurde der Apostolische Nuntius in Deutschland schon vor dem Baubeginn im Jahr 2010 über die insgesamt zehn Einzelprojekte informiert.

Nuntius Erzbischof Jean-Claude Perisset habe dieser Aufteilung, die auch in der Sache begründet gewesen sei, ausdrücklich zugestimmt, heißt es in dem von Generalvikar Franz Kaspar unterzeichneten Protokoll über die Sitzung des Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls von Limburg vom 28. August 2013.

Aus dem nun bekanntgewordenen Protokoll, das von den Mitgliedern des Verwaltungsrates nicht gegengezeichnet wurde, geht ferner hervor, dass das Gremium spätestens Ende August 2013 über die gestiegenen Baukosten informiert war und diese einstimmig genehmigte.

Also zum einen eine tatsächliche Steigerung von nur knapp 20%, nämlich von 26 auf (bis dato) 31 Millionen, die zum anderen – auch vom Verwaltungsrat- ordnungsgemäß genehmigt wurde? Und auch kein protziger Prunkbau, wie nicht nur der Rezensent von ART konstatiert? Kein alle Fakten verschleiernder Bischof, der sowohl seine Mitarbeiter wie auch den Heiligen Stuhl hinter’s Licht geführt hat?

Die ganze Tsunamiwelle der Angriffe gegen den Bischof ebbte dann zurück auf das Niveau eines Provinzspringbrunnens um ein paar möglicherweise überflüssige persönliche Extravaganzen des Episkopen, die so kaum mehr als ihren eigenen provinziellen Rand überspült hätte.

Auf die Verifizierung dieser und weitere konkrete Fakten darf man gespannt sein. Ob sie Tebartz van Elst noch nützen darf bezweifelt werden.

 

Über clamormeus

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4 Antworten zu Zwei neue Fakten zur „Causa Limburg“

  1. Nidilit schreibt:

    Ein neuer Aufsatz zur Causa Limburg:
    Zitat: TvE müsste auch „von der Weihegewalt suspendiert werden“
    http://www.fr-online.de/van-elst/gastbeitrag-zu-tebartz-van-elst-geld–macht–gott,24619948,24644682.html

    Bitte an Clamormeus, Frischer Wind et al.: Die Fakten nicht nur selektiv-konservativ wahrnehmen, sondern möglichst nüchtern und unvoreingenommen, sina ire et studio, und mit liebendem Herzen für unsere Kirche. Ansonsten unterscheidet ihr euch ja in gar nix von der stromlinienförmigen Presse!!

    • clamormeus schreibt:

      Diese neuen Fakten besagen halt schlicht a) daß sich die Diskrepanz zwischen den geplanten und den tatsächlichen Kosten nicht so dramatisch verhält, wie es kolportiert wurde
      und b) daß die Behauptung, TvE habe den Vatikan durch Stückelungen getäuscht, unwahr ist.
      Die dann vom tatsächlich ausführenden Archtitekten 2010 vorgelegte Kostenschätzung von knapp 26 Millionen Euro kann auch unmöglich nur der Bischof gekannt haben, so ein Verschwörungsschmonz wäre wohl sogar einem Dan Brown zu peinlich. Und laut dem zweiten verlinkten Artikel hat noch im August (!) dieses Jahres der Verwaltungsrat des Bistums die Erhöhungen einstimmig gebilligt. Womit c) belegt wäre, daß die Räte eben doch alles gewußt und mitgetragen haben, entgegen öffentlicher Statements späteren Datums.Mehr sollte nicht gesagt sein.

      Was bitte macht mich Ihnen verdächtig, kein liebendes Herz für die Kirche zu haben?

  2. Clara Franz schreibt:

    Die Btte von Nidilit an Clamormeus und Frischer Wind, „Fakten nicht nur selektiv-konservativ wahrzunehmen“, kann ich jetzt nicht recht einordnen.
    Ich habe nicht das Gefühl, dass nur einseitig pro Bischof Tebartz-van Elst argumentiert worden wäre.

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