Roma locuta…

Die Meute bekommt ihre Trophäe nicht.Da konnten sie die letzten Tage noch so sehr ihr Halali auf ihren vermeintlichen Patron Franziskus schmettern, der Papst entschied anders: Tebartz van Elst bleibt der Bischof von Limburg, wird aber nicht umgehend zurück in die hessischen Jagdgründe geschickt, wo einige mediale und innerkirchliche Waidmänner die Schonzeit für Bischöfe außer Kraft zu setzen beliebten. Ihre Hetzhunde kläfften so laut und blutrünstig, daß nun schon die Familie des Bischofs Ziel übelster Drohungen eines Mobs ist, dem allzu klar bedeutet wurde, hier dürfe er endlich mal wieder Blut wittern.

Der Heilige Stuhl möchte einerseits die Ergebnisse der Prüfungskommission der DBK zu den Vorgängen um das Diözesane Zentrum inklusive Bischofsresidenz abwarten und dann entscheiden, ob Tebartz van Elst zurückkehren kann. Daß man dies durchaus für möglich hält, mag die Wahl des Delegaten verdeutlichen, der nun in Abwesenheit des Hirten vorerst das Bistum leiten wird: es ist der Wiesbadener Stadtdekan Rösch, den der Bischof selbst Anfang Oktober zu seinem neuen Generalvikar ab 2014 berief. Dieses Amt setzte der Papst nun schon ab heute in Kraft, so daß man sagen kann, des Bischofs rechte Hand wird ab sofort für einige Zeit das Bistum loyal und im Sinne Tebartz van Elst führen. Der Verzicht auf einen externen Administrator scheint deutlicher Beleg. daß hier dem dem Bischof keinesfalls nur eine „pastorale Schonfrist“ gewährt werden solle.

Und überhaupt von Barmherzigkeit ob der Entscheidung des Papstes zu sprechen ist unangebracht. Zum einen folgt Rom hier schlicht dem Grundsatz „in dubio pro reo“. Und selbst, wenn, sich die bisher ohnehin nur behaupteten Anschuldigungen gegen den Bischof als Tatsachen erweisen würden, -nicht wenige davon haben sich ja jetzt schon als Lügen oder Hirngespinste entpuppt- müßte dann geprüft werden, ob dies ausreichte, um ihn als Bischof des Amtes entheben zu müssen.

Aber natürlich muß der Papst auch auf momentane Realitäten Rücksicht nehmen, und so ist die vorläufige Beurlaubung zum einen angemessen, um die durch und durch aufgeheizte und vergiftete Atmosphäre nicht weiter zu nähren, die vom Kleinbistum aus das ganze Land erfaßt hat,  und zum anderen und vor allem: um den Bischof zu schützen.

Man liest mittags von dieser Nachricht, freut sich, verheißt sie doch auch eine Beruhigung der Gemüter und der Lage, eine Chance zur Besinnung. zur Rückkehr zur nüchternen Betrachtung der konkreten Situation in Limburg, aber auch jener der materiell reichen deutschen Teilkirche insgesamt.

Doch die Atempausen sind knapp bemessen. Nachmittags tickerte die Meldung, das Bistum Augsburg wolle dem „Weltbild“- Konzern 15 Millionen Euro Finanzierungshilfe gewähren. Also einem profanen Unternehmen, einem Kommerzkonzern, der durch fast nichts in seinem Angebot einen kirchlichen Bezug, geschweige denn ein katholisches Profil aufweist, ganz im Gegenteil. Außer, daß er zwölf Bistümern und der undurchsichtigen Organisation VDD gehört und einst massiv mit Kirchensteuern hochgepäppelt wurde. Und der nun rote Zahlen schreibt und dem Vernehmen nach Schwierigkeiten mit seiner Kreditwürdigkeit zu haben scheint.

Man hat die Gelegenheit versäumt, das Monstrum rechtzeitig abzustoßen, zur Not auch um einen  niedrigen Preis, der aber dem Käufer eine Arbeitsplatzgarantie schmackhaft hätte machen können. Dafür sollen Gläubige jetzt blechen? Zauberwort: Arbeitsplätze erhalten. Gegenfrage: warum geben die Banken keine Kredite mehr, wenn die Verluste doch nur „vorübergehend“ sind, schätzen die das anders ein?

Die Kirchenführung hierzulande kriegt die Geister nicht mehr billig los, die sie selbst rief, und die sie einst als Segen verkannte, das ist gewiß. Und das ist weit mehr als „Weltbild“.

Tebartz van Elst dagegen hat eine lang schon überfällige Limburger Bischofswohnung gebaut, dazu ein diözesanes Zentrum mit auch öffentlichen Bereichen. Es wird überwiegend als sehr gelungen bezeichnet, ästhetisch, städtebaulich wie auch funktional. Von „Protz und Prunk“ ist weder hie noch da die Rede. Mag es die ein oder andere Million zuviel verschlungen haben, der Gegenwert ist jedenfalls da, die Handwerkerrechnungen sind bezahlt – oder zählen diese Arbeitsplätze nicht?-  und die Sache hat nun mit der Fertigstellung ein Ende, sie ist kein Faß ohne Boden. Und: das Ensemble ist ein Bau der Kirche für die Kirche und ist im Besitz des Bistums.

Wie heuchlerisch und unangemessen erscheint der ganze Hype um den Bischof von Limburg und den Bau, das aber gewiß nicht nur innerkirchlich.

Die gute Nachricht für heute: die Entfacher haben ihr Ziel nicht erreicht, und der Papst läßt sich nicht mit Drohungen medialen Popstarstatusentzugs beindrucken. Und auch darf konstatiert werden, daß zuletzt nicht wenige Journalisten die Hatz auf den Bischof ohne Umschweife als das benannten, was sie ist: als Menschenjagd.

Ja, das war’s auch schon.

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