Lou Reed +

Nun hat gestern auch Lou Reed diese Welt verlassen. R. I. P.!

Viel wurde dazu geschrieben, Kardinal Ravasi sogar hat twitternd kondoliert, mit dem Refrain  Reeds Schnulze „Perfect Day“:
«Oh, it’s such a perfect day / I’m glad I spend it with you / Oh, such a perfect day / You just keep me hanging on.» Unkommentiert.
Der obligatorische „katholische Content“ wurde auf kath.net nachgeliefert mit dem Schlußvers des Songs, der lautet: «You’re going to reap just what you sow», was manche an den Galaterbrief 6,7 erinnere.

Das hat der Kardinal selbst nicht getan, so daß man davon ausgehen darf, daß er Lou Reeds Musik einfach mag oder einmal mochte, und keinesfalls dem gerade Verstorbenen ein „was du gesät hast, wirst du nun ernten“ hinterherwerfen wollte. Ebenso muß man den Präsidenten des Päpstlichen Kulturrats andererseits vor Anwürfen in Schutz nehmen, in „Perfect Day“ würde Lou Reed glorifizierend auf seinen damaligen Drogenkonsum anspielen. Da Reed sozusagen ein bekennender und stadtbekannter Junkie war in dieser Zeit, der Interviews über seine Suchtprobleme gab, wozu hätte er dann kryptisch anspielen sollen? Ich finde das Lied spricht aus sich und für sich.

Naturgemäß wollte auch ich Lou Reed auch mit einem seiner Songs würdigen, und klar dachte ich auch an „Walk on the Wild Side“ wie Elsa hier und an „Legendary Hearts“, „Sunday Morning“, „Pale blue eyes“ und andere, nun bin ich fündig geworden. Ich habe ohnehin einerseits seine wortspielreichen und dennoch ungeschwätzigen und erfrischend unmoralischen Balladen, andererseits die für die späten 1960er erstaunlichen musikalischen Ideen Velvet Undergrounds, die sicher auch dem Wirken John Cales geschuldet sind, seinen (mir) allzu straighten Rockstücken vorgezogen.

Hier aber ein veritables Gebet, entnommen der berühmten LP mit der Warholbanane von A.D. 1969. Ich wünsche Dir, Lou, daß es jetzt erhört werde!

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, clamormeuspress, Tagesgedanken abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Lou Reed +

  1. Andreas schreibt:

    Solche Beiträge reizen mich immer dazu, mal wieder den katholischen Ghetto-Ultra raushängen zu lassen, und so frage ich mich wirklich, was andere an diesen Schmorhöllen-Rockern nur finden mögen ?!?
    ;-)

    • clamormeus schreibt:

      Vorab: nicht nur als solcher bist Du herzlich willkommen hier! ;-)

      [jetzt große Auslassung, ich schreib Dir gern bald mal anderweitig weiteres zu Deiner Frage]

      Ansonsten bitte ich, den Schlußsatz des Posts recht aufzufassen ;-)

  2. Elsa schreibt:

    Er war ein Teil meiner Jugend – und wie man weiß, bin ich ja spät zum Katholizismus gekommen.
    Ich halte auch nichts davon, ausschließlich katholische Kulturschaffende gut zu finden (sofern sie überhaupt noch existieren). Lou Reed war zunächst einmal ein Kunstschaffender – der sich in grenzwertigen Bereichen bewegt hat. Na und? So weit ich Katholizismus verstanden habe, geht er dahin, wo die Dirnen und Sünder sind und tümpelt nicht in den selbstwohlgefälligen frömmelnden Wassern herum. Für mich bedeutet Kunst, ob sie nun katholisch ist oder nicht, die Grenzsituationen und Grenzerfahrungen eines Menschen literarisch, bildlich, musikalisch wiedergeben zu können. Um es verkürzt auf den Punkt zu bringen: Für mich waren Lou Reeds Themen katholischer, als hinzugehen und eine Pfeife zu malen und drunter zu schreiben, das sei jetzt eine Pfeife. Oder wie das noch gleich war.

    • Geistbraus schreibt:

      oh nein, Elsa, es heißt, „dies ist KEINE Pfeife“, und ich finde die Fragestellung für Katholiken – bzw. Orthodoxe – höchst relevant: das Verhältnis von Urbild und Abbild bestimmt die ganze Ikonentheologie, und gerade an Allerheiligen muss man auch daran denken, dass die Heiligen auf Christus verweisen, weswegen ihnen Verehrung, nicht aber Anbetung zukommt. Also frei nach Magritte: Ceci n’est pas Jésus Christ!

  3. Elsa schreibt:

    Lieber Geistbraus, in der selben Sekunde als ich es abschickte, fiel es mir doch ein. Dass es richtigerweise hieß: Das ist keine Pfeife.
    Und natürlich hast du mit dem Verweis auf die Ikonentheologie völlig recht. Jedenfalls ein Stück weit;-)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s