Für eine Kirche für arme Konzerne – die Option für Weltbild

Transparenz, dieses merkwürdige Modewort neuerdings auch mancher Episkopen, das man sich eigentlich nur als Adaption des unter Gorbatschow in der endsowjetischen Ära bekannt gewordenen „Glasnost“ erklären läßt, ist in der Teilkirche wohl eher etwas, das für bischöfliche Badezimmerwände in Limburg vehement gefordert wird. Der nächste Oberhirte dort wird wohl schon monatlich der Öffentlichkeit über den Verbrauch des Wassers Rechenschaft geben müssen, der – selbstverständlich ungeheizt- durch sein gebrauchtes Blechwaschbecken geflossen ist, um Schlagzeilen wie „Putzt sich der Protzbischof elfmal am Tag die Zähne? – Kirchenrechtler: er ist verrückt oder krank“ zu vermeiden.

Dort aber, wo zumindest die Katholiken berechtigt ein Anliegen haben, zu erfahren, was mit ihren Kirchensteuern geschieht, insbesondere wenn sie in säkulare Marktunternehmungen fließen, deren kirchlicher Sinn sich in nichts erschließt, mag man es anscheindend nicht ganz so hautnah, außer vielleicht bei den Produkten. Zum Beispiel beim Weltbild Verlag

Schließlich ist dieser Konzern, der in Wirklichkeit (fast) nichts als ein Vertrieb ist, aus ihren Kirchensteuergeldern hochgepäppelt worden, mit zinslosen wie unrückzahlbaren Krediten sozusagen, auf Treu und Glauben, die Kirche wolle damit mittels anspruchsvoller kirchlicher und anderer Literatur dem Apostolat wie auch kulturellen und Bildungsansprüchen dienen und zudem entsprechende Buchprojekte fördern.
Stattdessen wurde ein Kommerztempel hochgepäppelt, nicht nur ohne jeden Bezug zu kirchlichen Aufgaben, sondern sogar unter Einverleibung von Verlagen, die „erotische“ Literatur und Filmchen höchstselbst produzieren. Massenware, Bestseller, Sex at it’s cheapest, Osterhasenkalender und esoterische Verblödungsschinken; dazwischen, wie woanders auch, mal ein Papstbuch, aber auch explizit antikatholische Pamphlete von frustrierten Renegaten bis zum Käse aus Hannover. Schlicht: alles, was sich im Massengeschäft zu Cash machen läßt. Die Gewinne wurden aber keineswegs in kirchliche Vorhaben investiert, geschweige denn floß Geld an die Bistümer zurück, um es sozusagen den in Treu und Glauben einst getäuschten Kirchensteuerzahlern als unfreiwillige Mitfinanciers wiederzugeben. Nein, nur weitere Expansion zählte. Das einzig katholische an Weltbild waren und sind die Eigentümer.

Nachdem dies alles zu zunehmend heftiger Kritik von Gläubigen aber auch manchem Geistlichen bis zum Bischofsrang führte, was erst nicht mehr wegzuignorieren war, als 2011 die Presse das Thema aufgriff und auch der Papst sich einschaltete, verkündete man den Verkauf. Den stornierte man kurz darauf wieder, da man keinen Käufer fand und verkündete die Umwandlung in eine Stiftung, deren Bestimmung allerdings wachsweich und vage blieb. Letzten Herbst verlautete die DBK, den Konzern doch weiterführen zu wollen, Wochen drauf wurden die Finanzprobleme Weltbilds bekannt, die das Unternehmen akut in seinem Bestand bedrohten.

Der vorläufig nächste Akt in diesem grotesken Trauerspiel besteht im Transfer hoher zweistelliger Millionbeträge beteiligter Bistümer an den maroden Konzern, die erneut aus der Kirchensteuer zweckentfremdet werden. Das Bistum Augsburg sagte 15 Millionen Euro zu, will sich aber gleichzeitig aus dem episkopalen Eigentümerpool verabschieden (resp. freikaufen?), wie 9 der 12 anderen involvierten Bistümer sowie die VDD auch. Stattdessen sollen neue Eigentümer einsteigen. Die ausscheidenden werden durch einen angekündigten Kapitalschnitt des Konzerns wohl keine Entschädigung für ihre Anteile bekommen. Dürfte heißen: Hunderte Millionen Kirchensteuer für die Kirche sinnlos verbrannt.

Kardinal Marx argumentiert, ohne über Details des Deals Angaben zu machen, mit den gefährdeten Arbeitsplätzen (via Radio Vatikan):

Das Erzbistum München und Freising will sich weiter beim katholischen Medienkonzern Weltbild engagieren. Die Zukunft von Weltbild liege ihm am Herzen, sagte Kardinal Reinhard Marx zum Abschluss des Herbsttreffens der bayerischen Bischöfe in Freising. Man werde Millionen in die Hand nehmen, um für die vielen Tausend Mitarbeiter eine Zukunft zu schaffen. Für die Kirche ist das eine moralische Verpflichtung, so der Münchner Erzbischof. Wie viel Geld das Münchner Erzbistum bei Weltbild investieren wird, ließ Marx offen.

Welche deutschen Bistümer sich künftig weiter als Gesellschafter beteiligen, steht ebenfalls noch nicht fest. „Es gibt keine endgültige Liste“, so Marx. Der Prozess müsse jedoch zügig abgeschlossen werden. Wichtig sei nun, dass die finanzielle Unterstützung in einer Höhe erfolge, die auch die Banken bewege, sich zu engagieren. Dafür habe man „sehr gekämpft“. Es stelle sich die Frage, wie solch ein Medienunternehmen dem Auftrag der Kirche dienen könne. Letztlich müsse es sich jedoch am Markt bewähren, sagte Marx.

Nicht nur die beiden Schlußsätze sind bemerkenswert. Das Geld der reichen deutschen Kirchensteuerzahler investiert in einen armen Kommerzkonzern für die kulturell Armen?

Aber was will man gegen die moralische Verpflichtung des Erhalts von Arbeitsplätzen einwenden? Was von der Gewerkschaft VERDI zu erwarten wäre, wenn der Konzern bald doch am Markt scheitert, hat diese schon mehrfach deutlich gemacht. 12 Dutzend – unerfundene!-Badewannen aus Brillianten in Limburg wären nur ein Waschzuber dagegen.

Oder gibt es doch andere Gründe für den Geldhunger des Konzerns, den die Banken bei status quo nicht zu stillen bereit sind?

In der Printausgabe der SZ von heute heißt es:

Trotz der schwierigen Finanzlage strebt die Augsburger Buchhandelsgruppe Weltbild die Mehrheit beim Internet-Buchhändler buecher.de an – die Weltbild-Mitarbeiter sind empört. Bislang halten die Axel Springer AG, Weltbild und die Holtzbrinck Gruppe jeweils ein Drittel der Anteile an der Plattform. Eine Weltbild-Sprecherin sagte, dass man prüfe, die Holtzbrinck-Anteile ‚ganz oder teilweise zu übernehmen‘. Bücher.de gilt hierzulande als viertgrößter Online-Buchhändler, sitzt ebenfalls in Augsburg und erwirtschaftet mit etwa 30 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 50,8 Millionen Euro. Wie Weltbild die Anteile finanzieren will, dazu wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Wie finanzieren? Na, ich hätte da schon so einen Verdacht. Das Dekret der DBK, das den Stand der Gnade an die Registrierung beim Standesamt und Kirchensteuerpflichtigkeit koppelt, dient also dem Erhalt von Arbeitsplätzen, die ich als schnöder Kulturchrist und Sozialbanause schon längst vernichtet hätte, weil ich grundsätzlich nicht bei Kommerzketten kaufe, schon gar nicht Bücher, auch um kleine Selbstständigkeiten zu unterstützen. So werde ich also sanft zu einem demütigen Opfer gezwungen von der unendlichen Güte und Weisheit und Barmherzigkeit der deutschen BK.

Rota, miserere nobis, subito!

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