Zum „Limburger Bittgang“

Die Berichte der „Limburger Bittgänger“ geben einen plastischen Eindruck von der Aktion. (hier und hier , beim zweiten Link bitte scrollen) Die Photos und auch der leider sehr kurze Videoclip zeigen, daß eine Form, die Passanten einerseits ein Anliegen näherbringen, im Kern aber doch ernstes und wahrhaftiges Gebet sein will, durchaus gelingen kann und hier auch trefflich gelungen ist.

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Im Vorfeld hatte ich mich gefragt, was ich selbst aus dieser Vorgabe gemacht hätte; eine ganze Menge fiel mir ein, aber nichts davon hätte in realisierbarer Weise dem Anliegen entsprochen. Zu wild ging der Theatergaul mit mir durch, galoppierte die Prozession der Flagellanten entlang, die unter großem Einsatz ihrer physischen Kräfte kraftvoll aber vergeblich gegen die Sünden anpeitschten; hielt inne vor den einzelnen, schweigenden, vom Schmerz über den Zustand der Kirche gezeichneten Figuren, durch sorgsam ausgewählte Stellen des Doms und der Umgebung überhöht, wirkungsvoll still litten. Umkreiste den in seinem mahnenden, aufrüttelnden Furor mit Donnerstimme rufenden Bußprediger, der zwischen Passanten, Flagellanten, und den verkörperten, triumphierenden Todsünden, die sich unters Volk gemischt hatten hin und hersprang, allegorisch beginnende Texte allmählich zur Aktualität hin umformend . Und immer wieder fror das Spekatakel ein und ein Zug von Betern hatte nun das Bild und das Wort für sich. Und natürlich würde dann am Ende deren Fürbitte und Anrufung obsiegen, zum gemeinsamen innigen Gebet rufen für eine Wendung für die Diözese, die dem Willen des Herrn entspricht. Das alles wär, gut inszeniert, sicher ganz schön und auch wirkungsvoll geworden. Hätte man eine Woche Probezeit, dutzende gute Darsteller, einen Kostümberg und und und gehabt.

Was aber würden nun die, die teilnehmen konnten unter den realen Umständen in kurzer Zeit mit den gebotenen einfachen Mitteln machen? Also ich bin beindruckt von den wenigen Bild- und Tonzeugnissen. Ein paar starke Gebete und Litaneien, ein schlichtes Kostüm und eine Drehleier. Die Büßerkutten und Geißeln, wie peinlich hätte das wirken können, wie demonstrativ die Gebete, wie kläglich die Gesänge – nichts davon! Rundum würdig, dem Anliegen angemessenen und dabei durchaus hübsch anzuschauen und eben durch diese Kostüme doch etwas anderes als ein privates Gebet, das man allein oder zu auch zu mehreren so en passant bei einer „Spontanwallfahrt“ so mitunter auch in Städten spricht oder singt. Und das noch in beißender Kälte und zu einer Zeit, wo die zumeist überraschten Passanten und Meßbesucher sich dann naturgemäß doch nach einiger Zeit dem wartenden, wärmenden Braten zuwenden. Complimenti!

Schön, daß es unternommen wurde! Die Töne, die seit Wochen aus Limburg in die Welt schallen, bestätigen es auf eine erschreckende Weise: vom katholischen Sentire, das vom mystischen Leib Christi, seiner Kirche weiß, daß die Sünden in Tat und Unterlassung jedes ihrer einzelnen Glieder diesen Leib schädigen und schwächen, und das schon von daher von jedem stets Umkehr und Buße, vermehrte Anstrengung zur Heiligung verlangt, ist kaum noch etwas vorhanden. Leider nicht nur in Limburg nicht.

Ein Geist herrscht, der keinen Funken des in sich gehens kennt, selbstgerecht, eilfertig richtend, zu keiner Prüfung geschweige denn zu wohlwollender Betrachtung bereit, zu einem liebevollen Verstehenwollen erst recht nicht. Der ohne Zeugnis Anklagen auftürmt, wenn er einen aus dem Weg haben will. Der zürnt, wenn da einer nicht mit ihm ist, und sei es der Papst selbst und erst recht allen anderen. Der unter den geweihten Priestern und sogar aus den Nachfolgern der Apostel nurmehr willfährige Hampelmänner von seinen Gnaden gelten lassen will.

Es ist sehr gut und wichtig, den ein oder anderen daran zu erinnern, daß er als Glied dieses Leibes andere Wege zu gehen hat. Allein das ehrt die wackeren Bittgänger!

Gratias!

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