Sicut dixit – are you sure?

Wer sich noch nicht oder noch nicht ganz durch die gut 80 Seiten der deutschen Übersetzung der apostolischen Exhoration „Gaudii Evangelium“ von Papst Franziskus geackert hat, kann innehalten.

Mehrere Stellen vermelden den Rückzug der kursierenden Übersetzung, da sie viele Übersetzungsfehler enthalte, die jetzt korrigiert werden müßten.

Allmählich wird das seit März 2013 eingeführte lustige Ratespiel „Hat der Papst das wirklich gesagt?“, das wegen des großen Erfolgs des als kleine Soap konzipierten Quiz „Predigten im Gästehaus – Franziskusperlen, echt oder Fake? Die Wette gilt!“ schnell auf weitere, größere Formate ausgedehnt wurde, ein weltweiter Blockbuster. Die Produzenten haben nun mit der erstmaligen Einbeziehung eines lehramtlichen Schreibens „bewußt und mutig Neuland betreten“. Nur so sei es möglich, die Katholiken und ihre Beobachter aus der falschen Sicherheit von erstarrten doktrinellen Schablonen zu drängen.

Die Wirkung des Ratespiels, zu dessen Merkmalen es auch gehört, daß als Fakes enttarnte Papstworte auch nur als Fakes vermeldet werden, ohne zu verraten, was der Papst tatsächlich gesagt hatte, ist jetzt schon erstaunlich:

Drei große Gruppen von Mitspielern brauchen gar keine Papstworte mehr! Die einen sehen in jedem Text nahezu den „Antichristen“, die anderen hören immer einen revolutionären Messias, die dritten behaupten, er spreche so katholisch wie alle seine Vorgänger auch, in blattloser Kontinuität insbesondere zu Vorgänger Benedikt, was die erste Gruppe und die zweite Gruppe empört verneint. Alle drei Gruppen beschimpfen oder belächeln sich aufs Brüderlichste. Ein Insider:

„Da man ohnehin nie sicher weiß, was der Papst wirklich gesagt hat, genügt es, daß das Urteil über seine Worte von vornherein feststeht. Die Texte selbst werden also obsolet. Sie können diesen Leuten ein Kochrezept vorlegen und behaupten, es sei von Franzikus. Die einen werden schreien: „Häretisches Fastfood“, die zweiten „Exquisite Nouvelle Cuisine!“, die dritten werden nachweisen, daß Benedikt schon längst ganz genau so gekocht hat.

Obwohl das alles als auflockerndes Unterhaltungsformat geplant war, ist es uns gelungen, einen fulminanten Schub zur gewünschten Unruhe der Herzen erreicht zu haben.“ sagt ein enger Mitarbeiter des Regisseurs und fügt verschmitzt grinsend hinzu: „Wenn denn der Papst diese Unruhe tatsächlich wünscht – wer weiß das schon so genau?“

Nun aber warten wir auf die vorläufige Auflösung der Episode „Gaudii Evangelium“, wenn die denn auch so heißt. Eine lateinische Version ist nämlich noch gar nicht veröffentlicht. Also gibt es sogesehen noch nicht mal ein Dokument mit dem Namen “ Evangelii Gaudium“, warum sollte man das dann richtig schreiben?

Gut möglich also, daß bald die deutsche Überschrift nicht einmal mehr „Freude des Evangeliums“ lautet, sondern aus der Freude ein Freund wird, oder gar eine Fronde. Selbst auf eine bizarre Neufassung des Titels wie „An die Freundchen der Evangelikalen“ kann man im angeblich eigens eingerichteten inoffiziellen Wettbüro der Vatikanbank setzen.

Wie dem auch sei: So viel Gaudi wie jetzt war nie!

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12 Antworten zu Sicut dixit – are you sure?

  1. Frischer Wind schreibt:

    80 Seiten? Das wäre ja ein Klacks. In der kathtube-Version sind es gute 180, in dem Vatikan-pdf immerhin etwa 250 Seiten (ohne Inhaltsverzeichnis)! ;-)
    Aber auch das war sicher nur ein Solidarität bezeugender Übersetzungsfehler…

  2. Ester schreibt:

    Ja leider hast du recht!
    Seltsamer Humor, die Leute sich erst durch fast 300 Abschnitte quälen lassen und dann sagen „war nur ein Scherz, eine Gaudi“

  3. Ester schreibt:

    @ damasus man muss das alles locker sehen. Hauptsache, man hat ein bisschen Spaß und ein bisschen Freude.
    Ich gehöre übrigens zu der Gruppe Mitspieler, die das Werk gelesen haben.
    Naja um es abzukürzen: manchmal sehne ich mich nach den Zeiten, als man erst mitkriegte wer denn der neue Papst war, als der Nachfolger schon auf dem Sterbebett lag

  4. Clara Franz schreibt:

    Es gibt noch eine 4. Gruppe.
    Sie sichtet weder den Antichrist, noch jubelt sie pausenlos, noch erkennt sie Kontinuität zu Papst Benedikt emer. .
    Es ist die Gruppe der total Verunsicherten.
    Sie weiß nicht, was sie vom Papst selbst noch von seinen Reden halten soll.
    Zu dieser Gruppe zähle ich mich.
    Hat nicht EB Zollitsch zu Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus geäussert, dass es wieder interessant sei, katholisch zu sein?
    Ich empfinde es als ein wenig mühsam. Das hat weniger mit Jesus Christus zu tun, sondern mit seinem Stellvertreter auf Erden.
    Mich trägt die Hoffnung, dass sich irgendwann einmal in mir eine klare Orientierung herausbilden wird.

    • Ester schreibt:

      Ich denke im Grunde ist die Sache ganz einfach: In dem Moment wo ein Papst Unfug (sprich Häresie) verkündet oder anordnet ist er kein Papst mehr.
      Das hört sich schwer nach sophistischer Haarspalterei an und ist es aber nicht.
      Der Papst ist sozusagen nur der Hausmeister in der Kirche, er kann seinen Job gut machen, dann sind die Treppen geputzt und die Blumen gegossen.
      ER kann seinen Job schlecht machen, dann sind die Treppen halt ungeputzt, und die Blumen verdorrt.
      Er hat, genausowenig wie sonst irgendwer, die Möglichkeiten an dem Bau irgendwas zu verändern.
      Er kann auf dem Rasen vorm Haus ein Zelt aufschlagen, ein Schild dran nageln „Feldlazarett katholische Kirche“ das ist zwar dann irreführend, aber das Haus bleibt trotzdem erhalten, auch wenn kaum einer mehr drin herumläuft.

      Ich war auch lange verunsichert, dann fiel mir einen alte Geschichte ein, wo ein bekannter Pater mal in einer Predigt vor Ort erzählte, er habe lange versucht , in einer für ihn wichtigen Frage, von Rom eine Antwort zu erhalten und keine erhalten. Dann hat er sich gedacht „Der Heilige Geist will dir sagen, dass du deinen Kopf zum selber denken hast!“
      Am Anfang, als ich anfing meine Verunsicherung zu artikulieren, wurde mit von, naja den Anhängern der Superjubelfraktion, entgegengeschleudert: „Was fällt dir ein „ubi petrus, ibi ecclesia“!“
      Nun ja dem ist so.
      Die Krankheit lässt sich nicht mehr leugnen so wie die Kirche ist, so ist der Petrus!

      Das 2te vatikanische Konzil verlangt von den Gläubigen sich selber zu bilden, in Glaubens- und Gewissenfragen, deshalb wurde ja auch der Index abgeschafft.
      Das 2te vatikanische Konzil verlangt von jedem seinen Mann dort zu stehen, wo Gott ihn hingestellt hat und sich nicht hinter dem Pfarrer,. dem Bischof und dem Papst zu verstecken.
      Um es kurz zu machen, es bleibt uns aktuell auch nix anders übrig als das zu tun,. was die Konzilsväter von uns gewollt haben.
      Schlimm, in der Tat, aber was solls!
      Beten muss man halt, Generalaudienz beim HERRN in der nächsten Kirche, wenn man Glück hat den ganzen Tag, wenn nicht, zu den Gottesdienstzeiten.

  5. Clara Franz schreibt:

    Danke, Ester, für die Lektion!
    Dies nicht ironisch, sondern ehrlich gemeint!
    Also ich lerne:

    1. Selber denken.
    2. Sich nicht hinter Pfarrer, Bischof und Papst verstecken.
    3. Den Wunsch, „seinen“ Papst so wie in früheren Zeiten lieben und verehren zu dürfen,
    loslasssen.
    Wenigstens so lange, bis sich Klarheit eingestellt hat.
    Punkt 3 fällt mir am schwersten.
    Morgen ist Sonntag und damit „Generalaudienz beim HERRN“.
    Der Termin geht klar!
    Vielen Dank noch einmal!

    • Ester schreibt:

      Liebe Clara

      Gerne geschehen.
      Ich habe auch fast meine Tastatur zuschanden geschrieben in mails und anderweitigen virtuellen Diskussionen (dazu noch Gespräche im real life), bis ich einen modus vivendi gefunden habe, der nicht bedeutet mir selber was in die Tasche zu lügen und alles, was ich glaubensmäßig seit Jahrzehnten gelebt und gelernt habe, über Bord zu schmeißen

  6. Gerd schreibt:

    Vielleicht diese Anmerkung:
    Jeder Papst in der Geschichte der Christenheit hat irgendetwas gesagt. Da war sicherlich auch viel Falsches und eine Menge Unsinn dabei. Selbst dem ersten Papst der Geschichte wurde „ins Angesicht widersprochen“! Nur hat man bis auf die heutige Zeit nicht eine solche Hype darum gemacht. Wir sollten Gelassenheit üben und uns nicht an der überbordenden „Berichterstattung“ einen Wolf lesen.Vor allen Dingen sollen wir uns nicht verwirren lassen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich“., sagt der Herr, als er merkte, dass die Menschen Angst haben. Da ist vom Papst erst mal nicht die Rede. Also: Mal kräftig das Credo beten, den Staub abschütteln und GLAUBEN!

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