Was bitte ist hier „unbarmherzig“? – Ein hilfreicher Aufsatz zu „WvG“ und Kommunion

Mag. theol. Michael Gurtner widmet sich den verbreiteten Begriffsverwirrungen, Wissensdefiziten und falschen Perspektiven, die Hintergrund des medial und gremial gehypten Dauergemurres über den kirchlichen Umgang mit Personen, die nach einer gescheiterten sakramentalen Ehe zivil einen anderen Partner heirateten, sind und das sich vorwiegend auf den Kommunionsempfang verengt.

Hier Michael Gurtners Zusammenfassung, bitte den ganzen Aufsatz hier lesen, in dem jede untiger Feststellungen kirchenrechtlich kompetent, sprachlich stringent und gut verständlich hergeleitet wird:

• Diejenigen, welche bei bestehender Ehe in einer weiteren Beziehung leben, dürfen nicht deshalb nicht kommunizieren, weil die Kirche sie („unbarmherzig“ und aus eigenem Gesetz) bestrafen würde, sondern weil sie aktuell in einer objektiv sündhaften Situation leben.

• Sie sind deshalb weder bestraft noch exkommuniziert, sondern die Restriktion ergibt sich von selbst aus ihrer Lebenssituation, weil auf Grund der sündhaften Lebensumstände die Voraussetzungen für den Sakramentenempfang nicht gegeben sind.

• Das kirchliche Recht ist in diesem Punkt der göttlichen Vorgabe nachgeformt. Nicht die Kirche ist Urheber dieser Ordnung, sondern Gott. Die Kirche setzt in ihrem Recht das göttliche Recht/Gesetz um.

• Die Eucharistie ist nicht das Sakrament, welches Einheit herstellt, sondern es setzt vielmehr eine bereits bestehende Einheit voraus, welche durch die Taufe grundgelegt ist, in der Beichte saniert wird und durch die Eucharistie gestärkt.

• Wird die sündhafte Lebenssituation beendet, dann kann nach entsprechender Beichte und Buße auch wieder sakramental kommuniziert werden.

• Die eucharistische Frömmigkeit ist nicht allein vom sakramentalen Kommunionempfang abhängig, sondern umfaßt sieben weitere „eucharistische Wege“, welche weiterhin den Geschiedenen, die in einer Beziehung leben, offenstehen und empfohlen sind.

Eine sehr gute und erfreulich nüchterne Betandsaufnahme, Korrektur und Argumentationshilfe in Zeiten, wo selbst viele Priester und sogar einige Bischöfe nicht mehr willens oder wohl auch nicht in der Lage sind, Prämissen und Verankerungen kirchlicher Gesetze stringent darzustellen, bevor sie sich selbst in solche Debatten werfen und selbst zur Verwirrung der Gläubigen beitragen, wie es u.a. durch die „Freiburger Handreichung“ und die öffentliche Marginalisierung der offiziellen Reaktion der Glaubenskongregation als belanglose persönliche Einzelmeinung EB Müllers geschehen ist.

Genauso von Übel ist die in dem Zusammenhang gefertigte Sprachhülse von der „barmherzigen Pastoral“ – was nicht nur ein völlig unangebrachtes Eingeständnis kirchlicher Härte und Lieblosigkeit suggeriert, sondern auch semantisch grober Unfug ist, es sei denn, man geht davon aus, es gebe auch eine „unbarmherzige Seelsorge“.
Deshalb: „Barmherzige Pastoral“ gewählt zum persönlichen Unwort des Jahres 2013!

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4 Antworten zu Was bitte ist hier „unbarmherzig“? – Ein hilfreicher Aufsatz zu „WvG“ und Kommunion

  1. Gerd schreibt:

    Was soll man auch von der Barmherzigkeit halten, die den Sünder in der Sünde lässt und das als barmherzig deklariert? So ein Schmarrn. Genau das Gegenteil ist der Fall: Dem Sünder wird die Barmherzigkeit vorenthalten und was noch viel schlimmer ist, den Folgen der Sünde hilflos ausgesetzt. Thomas v.A. bringt es auf den Punkt:
    „An sich ist die Barmherzigkeit die größte der Tugenden. Denn es gehört zum Erbarmen, dass es sich auf die anderen ergießt und – was mehr ist – der Schwäche der anderen aufhilft; und das gerade ist Sache des Höherstehenden. Deshalb wird das Erbarmen gerade Gott als Wesensmerkmal zuerkannt; und es heißt, dass darin am meisten seine Allmacht offenbar wird“ (Summa Theologiae II-II, q. 30, a. 4)
    Deswegen schließe ich mich deiner Einschätzung von der „barmherzigen Pastoral“ voll und ganz an.

  2. Ester schreibt:

    Ja so isses wohl es ist genau keine Barmherzigkeit.
    Davon abgesehen, hatte ich auch schon die Idee, das lange wiederverheiratete Geschiedene abzukürzen.
    Fand allerdings wvG’s besser, weil je nun, naja konservative sind ja bösartige Rubrikenreiter, rot werd, wegduck, betroffen gugg, , lufthol, räusper : das wieder halt ein Adverb ist und kein Nomen.

  3. clamormeus schreibt:

    Ja, gleich zwei dämliche Worthülsen, die aus dem Munde von Episkopen doppelt weh tun.

    Eigentlich Ester, müßte es doch laizistisch korrekt „Nach geschiedener ziviler Ehe mit anderem Partner zivil Verheiratete“ , also „NgzEmaPzV“ lauten. „WvG“ wären doch eigentlich eher so was wie Taylor/Burton. (über Großschreibung oder nicht denke ich noch nach)

    Jedenfalls: der Schmarrn resultiert auch aus der Verquickung des staatlichen mit dem katholischen Ehebegriff. Der letzterere kennt keine Scheidung außer durch Tod.
    Verstehe ohnehin nicht, warum man hierzulande erst standesamtlich heiraten muß, um das sakramental auch zu können, auch wieder so ein deutscher Sonderlingsweg, was geht die Kirche die staatliche Ehe an, ob die zusätzlich besteht oder nicht ist (für die Lehre) völlig irrelevant?

    Ja, das ist es, Gerd! Darüber hinwegsetzen kann man sich nur, wenn man meint, die Kirche habe sich da geirrt, Jesus habe das nicht so gemeint mit der Unauslöslichkeit und deswegen sei es falsch, Ehebruch als Sünde zu betrachten,
    Dann allerdings wäre der Begriff „barmherzige Pastoral“ in dem Fall gleich (mindestens) dreifach daneben, wozu Barmherzigkeit, wenn es keine Sünde ist?

    Dieses Gewinde geht mir am meisten auf den Geist und auf’s Gemüt.

    • Ester schreibt:

      ALso zur Zivilehe ist zu sagen, vor der franz Revolution gab es eigentlich nur die christliche Ehe (diverser Denonimationen).
      Es war so, dass die Pfarrhäuser, egal ob katholisch oder evangelisch auch gleichzeitig die Standesämter waren.
      (hab gehört in England und Norwegen waren bis vor einigen Jahren, aufgrund der anglikanische bzw lutherischen Staatskirche die Pfarrämter die Standesämter und in D war als Rest bis vor einigen Jahren noch die Pfarrämter berechtigt Zeugnisse zu beglaubigen ).
      Eine der Forderungen der franz, Revolution war die Forderung nach der Zivilehe, und das zog Kreise und die Kirche hat sich dann gebeugt.
      Also historisch war es so, dass der Staat sozusagen akzeptiert hat, dass die Ehe Grundlage der Gesellschaft ist und daher auch die Zivilehe und die Kirche hat dann sozusagen durch das Sakrament diese Zivilehe sozusagen „geheiligt“. So richtig nach dem Motto,. dass die Gnade auf der Natur aufbaut!
      Dieser staatliche Ehebegriff kannte zunächst auch keine Scheidung (zwar als Ausnahme).
      Das weichte erst so langsam auf, noch Goethes Wahlverwandschaften waren ein Provokation und da ist es ja so, die eine der Protagonistinnen kann sich unmöglich scheiden lassen, weil sie sich bereits einmal hat scheiden lassen! (was für mich die ganze Goethe’sche Argumentation unglaubwürdig macht, aber das führt grad zu weit).
      Erst in der Weimarer Republik wurde z.B die Scheidung erlaubt, wenn schon vorher eine (verschwiegene) psychische Erkrankung vorlag. Ich kann mich erinnern mal im Bücherschrank meines Großvaters dessen Sammlung „Fels Nr 1 ff“ gelesen zu haben, da ging es lang und breit darum und als das Gesetz dann kam lautete der Titel „Wir haben den Kampf um die Ehescheidung verloren.“
      Im dritten Reich wurde das dann ausgeweitet, auch, aber nicht nur, in Verbindung mit den Rassengesetzen.
      Meine Großmutter wurde z.B 1944 geschieden, wegen Zerrüttung (lange und böse Geschichte).
      Naja und dann wurde die Möglichkeit zur Scheidung halt immer mehr „verbessert“.

      Ich denke einfach am Anfang wir haben hier den klassischen Fall, dass aus einem Haarriss ein Abgrund wurde.

      Zur Abkürzung, als korrekt müsste es wohl heißen:
      nach ziviler Scheidung einer sakramentalen Ehe eine zivile zweite Ehe eingegangen Habende
      nzSesEezwEeH wobei besser auszusprechen ist: nzSzZEh (nach ziviler Scheidung zweite zivile Ehe Habende)

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