Keiner wär‘ am besten!

Martin Mosebach meint heute morgen vor der Wahl des neuen Vorsitzenden der DBK im Deutschlandradio, daß die Einführung von Bischofskonferenzen das Bischofsamt und das Bild des Bischofs zum Schrumpfen gebracht haben:

Ist es nicht klar, dass eigentlich die Gemeinschaft der Bischöfe in einzelnen Ländern auch ein Gremium braucht, in dem sie auch eine gemeinsame Meinung, eine gemeinsame Haltung formulieren?

Mosebach: Ein Gremium brauchen sie eben überhaupt nicht. Ein Gremium, das klingt eben gleich schon nach Bürokratie. Zu allen Zeiten der Kirche hat es nationale Synoden gegeben. Und diese Synoden kann es ohne Weiteres geben, ohne dass man diesen institutionellen Apparat einer Bischofskonferenz schafft. Wer bei der Bischofskonferenz siegt, ist die Bürokratie, die im Kirchenrecht im Grunde nicht vorgesehen ist.

Das wichtigste Amt, was heute neu besetzt wird, ist eben nicht der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Priester, der da vorne steht, sondern das Amt des Sekretärs der Bischofskonferenz. Und dieses verselbständigt sich. Der einzelne Bischof steht nun nicht mehr in seiner früher eben großen Verantwortung direkt da, sondern kann sich hinter der Bischofskonferenz verstecken.

Das spricht mir aus dem Herzen: dieser Apparat hat die hierarchische Ordnung der Bistümer zugunsten einer bürokratischen Oligarchie mit ständigem Konsens- und Kompromißdruck unterminiert.

Zwangsläufig wächst der Einfluß der Organisatoren, denn jeder Organisation wohnt inne, sich auszubreiten. Ihre Strukturen zeitigen unvermeidlich Auswirkungen auf Substanz und Bedeutung derer und dessen, was organisiert wird. In dem Fall auf die Bischöfe und Bistümer, deren ursprünglichem Amt und Aufgabe es vom tiefstem Grund wesensfremd ist, in ein Kollektiv organisiert zu werden. Mag die Vollmacht des Bischofs im II. Vaticanum de jure noch so bestätigt oder vielleicht sogar überdehnt worden sein: allein die Existenz dieser institutionalisierten Organisation läßt diese schrumpfen. (wie es auch weitere nach dem letzten Konzil installierte Gremien tun, wie etwa die Diözesanräte). Bild und vor allem Wirkmacht des Trägers direkter apostolischer Nachfolge sind allein durch solche Struktur zutiefst beschädigt.

Ich habe nicht die Zeit gerade, das besser aufzuschließen. Zur Veranschaulichung fällt mir spontan ein: ein Ehemann versucht eine gute Ehe und Familie zu führen. Hier und dort gibt es Probleme und Krisen darin. Dann nimmt der an der deutschen Ehemännerkonferenz teil, die Beschlüsse faßt zur Überwindung „krisenhaften Situationen in der Ehe“. Er kehrt dann zurück, und ist mehr oder weniger gezwungen, diese Beschlüsse in seiner Ehe umzusetzen. Diese Beschlüsse werden nun mittels Kommissionen ständig optimiert, indem man Dialoge führt mit der Ehefrauenkonferenz, der Kindervertretung, der Schwiegermütterkongregation u.s.w.

„Gerda“ sagt dann der Heinz zu seiner Frau „wir müssen nun konsequent die Beschlüsse der Konferenzen und Dialogprozesse umsetzen um zu einer gegenseitigen Verbesserung der Situation der Eheleute zu gelangen.“

Ja absurd. Und genauso absurd ist ein Bischof, der seiner Herde mitteilt, „wir müssen nun, wie wir gemeinsam in der Zukunftskommission (!!!) der DBK beschlossen haben…“

Ich verschwafle mich schon wieder, Mosebach hat Recht und tut das nicht, der VDD will ich nicht zur Wiederwahl gratulieren, (honi soit, wer dran denkte, daß die Diözesen Köln und Limburg heute nicht durch ihre Oberhirten vertreten waren).

War sonst noch was heute?

 

 

Über clamormeus

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2 Antworten zu Keiner wär‘ am besten!

  1. Ester schreibt:

    Genauso isses, diese ganzen Sitzungen sind Teil des Problems und nicht Teil der Lösung und auch das Beispiel mit der Familie trifft es.
    Die Familien sind in der Krise und zur Bewältigung separiert man selbige noch mehr.
    Man deklariert die Krankheit als Therapie.

  2. Clara Franz schreibt:

    Bei Ihrem Beispiel „Ehemännerkonferenz“ musste ich schmunzeln.
    Aber es zeigt sehr deutlich, dass solch einer -imaginären- Interessengruppe fast zwangsläufig auch die „Ehefrauenkonferenz“ folgen muss.
    Und was denen dann sonst noch alles einfallen würde!
    Kommissionen, Konferenzen, Zentralkomitee -ZDK- … bringt man solche Begriffe wirklich gerne und automatisch mit Jesus Christus und Seiner Lehre in Verbindung?

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