Eindrücke von der 16. „Kölner Liturgischen Tagung“ in Herzogenrath

Ein kompakter und seriöserer Überblick über die 16. Kölner Liturgische Tagung findet sich heute in der Tagespost, das völlig deplacierte Photo bitte ignorieren. (hier klicken).

Unter dem Titel „Alter Christus – Die Stellung des Priesters in der Liturgie“ brannten hochkarätige Referenten ein dreitägiges Feuerwerk ab, das trotz der Dichte nicht hart zu hören war; dies war zum einem der Fähigkeit der Vortragenden geschuldet, die schwere Materie nicht nur scheppern zu lassen, sondern sie auch immer wieder filigran pointiert zum aufleuchten zu bringen; zum anderen sorgte die Vielfalt der Fachdisziplinen dafür, daß sich tiefe, dumpfe dogmatische Böller, patristische Leuchtfeuer, liturgische Raketen, philologische Knallfrösche, pastoraltheologisches Tisch(vorsteher)feuerwerk sowie eine kunsthistorische bengalische Fackel harmonisch durchdrangen. Ich werde hier demnächst auf den ein oder anderen Pyrotechniker sprich Vortragenden zurückkommen, die hier die Frage nach der „differentia specifica“ des Weihepriestertums oder salopp nach Herbert Grönemeier „Wann ist (nur) ein (geweihter) Priester ein Priester?“ fundiert und facettenreich beantworteten.

Und auch das abendliche Kulturprogramm wurde keineswegs auf den bei Fachtagungen oft üblichen Wunderkerzenstatus reduziert: das selten gesungene, einzigartige Karlsoratorium wurde von der Schola Carolina aufgeführt – hier gestatte ich mir ungeachtet des Dankes dafür die Ansicht, daß eine kurze historische Kommentierung vor dem Werk sowie Orgelimprovisationen auf einzelne Sequenzen als Zugabe danach statt beides eingestreut dazwischen, den Genuß noch mehr gesteigert hätten. Am Donnerstag brillierte Ulrich Mutz bei seiner ergiebigen katholischen Spurensuche in Wagners Parsifal; und selbst am Freitagabend noch erklommen über 100 Besucher die steilen Stufen zur malerischen Burg Rode, um den von existentiell über hymnisch hin zu absurd und heiter gespannten Rezitationen um „Priester in der Dichtung“ Uwe Postls sowie dem begnadeten Flügelspiel Alexander Nells zu lauschen. Ein gelungener Beitrag, einschließlich Prof. Stephans Vortrag aus dem Hauptprogramm zum „Kreuz mit dem Gold“, Kunst und Kultur in der Sphäre der Tradition wenigstens intern aus der Pausenclownbütt und Exotennische zu hieven.

Ein Requiem zelebriert von Prof. Wollbold sowie gleich zwei Pontifikalämter gaben auch der dürstenden Seele reichlich Nahrung, das erste mit S. Ex. Athanasius Schneider, das zweite zum Ausklang mit dem Bischof von Lüttich, S. Ex. Delville, für den dies in der alten Form das erste Mal war, was man allerdings von selbst niemals vermutet hätte. Beeindruckend auch das überaus hohe Niveau der einheimischen Chöre und Scholen, wahrlich alles zur Ehre Gottes! Wer darüberhaus im ehemaligen Kloster Rolduc untergebracht war und rechtzeitig aus den Federn kam konnte in der beeindruckenden ehrwürdigen Abteikirche sogar einen Hauch von Fontgombault erhaschen, an allen Seitenaltären wurden morgens stille Messen zelebriert, was allerdings, da die Altäre teils etwas versteckt liegen, teilweise zu einem der Fastenzeit unbotmäßigen vorgezogenen Osternestersuchen der Besucher führte.

Über den grünen Klee zu loben wären hier noch die Organisatoren der Una Voce und die Gastgeber von St. Gertrud in Herzogenrath, denen großes gelang, sicher unter Opfern, Schweiß und Tränen, Chapeau et Merci!

Und bei aller Dichte: es blieb doch noch wundersam Muße für anregenden Austausch mit alten und neugewonnen Freunden und Raum für allerlei katholische Animositäten aber vor allem Fröhlichkeiten, wie etwa die Aufhebung des gastronomischen Inzensverbots unter Berufung auf göttliches Recht.

Last not least: der ganze katholische Zoo war vertreten, und selbst das Gedränge in den Kaffeepausen wurde Phase, Vorrübergang. Die Geweihten so zahlreich vertreten, daß man zum Beispiel eine Beichte bei einem Priester, den man in der Tür streifte, beginnen hätte können, sie beim nächsten, auf den man sanft geschubst wurde fortsetzen und die Absolution von einem dritten empfangen, der es mit einem gleichzeitig geschafft hatte, die Thermoskannen zu erreichen. Wenn das keine „differentia specifica“ ist! Traumhaft katholische Verhältnisse also -selbst noch im Foyer!

 

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2 Antworten zu Eindrücke von der 16. „Kölner Liturgischen Tagung“ in Herzogenrath

  1. Geistbraus schreibt:

    danke für den Bericht!

    „von existentiell über hymnisch hin zu absurd und heiter“

    :)

    na da hab ich ja was verpasst!

    • clamormeus schreibt:

      Gern.

      Ja, das existentielle ging schon beim ersten Text von Claudel los: schon beim ersten Satz war dieser fette Frosch im Hals und es war unabsehbar, ob er weggeht, sein oder nicht sein war nun die Frage, tat er dann zum Glück nach der ersten Seite nach innerem Stoßgebet, da ward mir ganz hymnisch; dann aber brutzelte mir die Birne, weil ich zu dicht unter einem last minute hingestellten Scheinwerfer stand, die Brühe lief nur so runter. Beim ersten Klavierstück dachte ich mir also: das ist doch absurd hier! Danach aber stand ich richtig, die Stimme schnurrte und ich wurde fortan ganz heiter :)

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