Nichts gegen Mendelssohn Bartholdy…

… aber zu dem hier fällt mir gerade nur noch das ein:

Die Tugenden der Alten sei’n nur glänzende Fehler, sagt‘ einmal, ich weiß nicht mehr, welche böse Zunge; und es sind doch selber ihre Fehler Tugenden, denn da noch lebt‘ ein kindlicher, ein schöner Geist, und ohne Seele war von allem, was sie thaten, nichts gethan. Die Tugenden der Deutschen aber sind ein glänzend Übel und nichts weiter; denn Nothwerk sind sie nur, aus feiger Angst, mit Sclavenmühe, dem wüsten Herzen abgedrungen, und lassen trostlos jede reine Seele, die von Schönem gern sich nährt, ach! die verwöhnt vom heiligen Zusammenklang in edleren Naturen, den Mißlaut nicht erträgt, der schreiend ist in all der toten Ordnung dieser Menschen. 

Ich sage dir: es ist nichts Heiliges, was nicht entheiligt, nicht zum ärmlichen Behelf herabgewürdigt ist bei diesem Volk, und was selbst unter Wilden göttlich rein sich meist erhält, das treiben diese allberechnenden Barbaren, wie man so ein Handwerk treibt, und können es nicht anders, denn wo einmal ein menschlich Wesen abgerichtet ist, da dient es seinem Zweck, da sucht es seinen Nuzen, es schwärmt nicht mehr, bewahre Gott! 

(Hölderlin, aus Hyperion)

Tja, und da Hölderlin für mich auch zum Weg zum Glauben gehörte, auch wenn ich ihn nie in einer Messe hören wollte, es sei denn, etwas paßte in eine Predigt, und auch sonst von allem und jedem was mich außer Gott näher brachte, nie auch nur einen Schnipsel in die heilige Messe reingemanscht erleben müssen möchte, darf ich solchem Krämerdenken erwidern:

Säkulare Kunst gehört nicht in eine heilige Messe. Und dies sogar dann nicht, wenn das Werk ein starkes Glaubenszeugnis in sich trüge. Säkulare Kunst gehört bestenfalls zum Profanum, ist dann im Vorbezirk des Heiligen angesiedelt, was auch konkrete räumliche Trennung impliziert. Und das heißt: sie hat in einem geweihten Gotteshaus keine Berechtigung, geschweige denn in einer kultischen Handlung in demselben. Die Vermischung profaniert unweigerlich das Heilige.

Und selbst, wo Tanz oder von mir aus sogar Tempelprostitution zu irgendeinem Kultus gehörten, war dies explizit Teil dieses Kultus, wenn man so will: fester Bestandteil seines Ordo. Heißt: man rief da keine antike oder präantike Anna Netrebko an, ob sie morgen vielleicht Lust habe,mal  im Tempel ein paar Arien zu schmettern, ebensowenig heuerte man Callgirls- oder Boys von der Escortagentur an, die damals wohl „Hokidokles und Söhne, Sklavenimport, Export und Verleih“ geheißen hätten. Nein, egal, wie fragwürdig solcher Kult erscheinen mag, er wurde als solcher nicht mit Profanem vermischt.

Der katholischen Kirche dagegen scheint in Teilen jeglicher Sinn für Heiligkeit, Ernst und Bedeutung des eucharistischen Meßopfers abhanden gekommen.

Die Kirche ist nicht zuletzt Kultgemeinschaft, und ihre geweihten Diener sind verpflichtet, auf die Kultfähigkeit der getauften Gläubigen hinzuwirken. Diese Kultfähigkeit war aber immer der letzte Schritt und die Krönung des Katechumenats. Dies wird konterkariert, wenn dieser Kult als fast beliebig gestaltbare Begegnungsform betrachtet wird, als Mittel zum Zweck, „Angebot für den Menschen“ zu sein, verkannt und herabgewürdigt wird.

Äußerst amüsant zwar, daß man sich in München entschlossen hat, ausgerechnet Balletliebhaber als das vom Papst existentielle Randgebiet auszuerkiesen. Wer aber Menschen fischen will und soll, der gehe (gefälligst) zu den Menschen. Im Theaterfoyer, in der Kneipe, im Stadion, auf der Straße, in Palästen oder Hütten, sonstwohin, hauptsache HINAUS, das sagt doch der Papst auch – aber er verschone den Ritus und das ihm geweihte Haus.

Über clamormeus

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10 Antworten zu Nichts gegen Mendelssohn Bartholdy…

  1. Cinderella01 schreibt:

    Ja, unser armer Kardinal braucht unsere Gebete. Irgendwas ist da bei ihm im letzten Jahr passiert, dass er seinen Weg so komplett verloren. Er gefällt sich in seiner säkularen Wichtigkeit und im Jubel der kirchenfernen. Da kommt man irgendwann in die Situation, dass man Dinge, die der Welt nicht gefallen könnten, nicht mehr sagt. Man könnte sich ja unbeliebt machen. Dass er aber zwischenzeitlich bei vielen Gläubigen (denen, die die Kirche wirklich lieben) nicht mehr ganz so beliebt ist, scheint ihn nicht weiter zu stören. Er wird es dann merken, wenn die säkulare Welt aufhört mit dem Jubel. Und damit das nicht passiert, werden eben Events gefeiert. Ich hatte das mit dem Ballett-Gottesdienst schon vor ein paar Wochen gelesen und mich gefragt, warum der jetztige Kardinal eigentlich damals als Bischof von Trier den Herrn Hasenhüttl suspendiert hat. So sieht gelebter Opportunismus aus. Der Kardinal braucht unsere Gebete.

    • clamormeus schreibt:

      Ich hörte auch vom durchschlagenden Erfolg einer Installation in der Hl. Geist Kirche: mehrfach taten Besucher lautstark während Messen ihren Unmut kund, weil sie doch extra gekommen seien und es jetzt das Spektakel nicht gebe, bloß weil die da jetzt beten müssen.
      Die Meßteilnehmer haben ja nun sicher Verständnis, da sie nun wissen, daß die ja auch nur Gott suchten irgendwie—

      • Cinderella01 schreibt:

        Die Heilig-Geist-Kirche wird doch nur illuminiert während „Stay and Pray“ und dann müssen sie halt dort hingehen…..Das ist z.B. morgen wieder. Und hier gibt’s schöne Bilder, alles illuminiert: http://www.stayandpray.de
        Da dürfen sie aber auch (an)beten und sogar beichten. Dazu gibt’s noch eine heilige Messe, ist aber musikmäßig nicht so mein Fall…

  2. Clara Franz schreibt:

    Mögen die Tanz-Szenen noch so ästhetisch ansprechend gewesen sein, Ballett hat wirklich nichts in einer hl. Messe verloren.
    Nicht nur, weil beides inhaltlich nichts miteinander zu tun hat, sondern auch, weil die Gefahr besteht, dass die Akteure zu sehr im Mittlpunkt der Aufmerksamkeit stehen und das eigentliche liturgische Geschehen in den Hintergrund tritt.
    Soviel Sensibilität sollte man eigentlich von Kirchen-Leuten erwarten dürfen.

  3. Steinberger schreibt:

    Und am Karfreitag wird wieder in immer mehr Münchner Gemeinden den Gläubigen die heilige Kommunion vorenthalten. Mit Wissen und Billigung des Kardinals. Die Pfarrer werden unter der Hand ermutigt, den eucharistischen Teil des Karfreitagsgottesdienstes zu streichen. Beschwerden von Gläubigen darüber landen im Papierkorb. Der Kardinal hält die Feier im Dom nur korrekt um die Fassade aufrecht zu erhalten.

    • ester schreibt:

      Im Grunde hat die Kommunion am Karfreitag nix verloren!
      Und es handelt sich am Karfreitagnachmittag nicht um einen Messe, sondern um die „Liturgie vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus“, die also defacto eine Andacht mit Kommunionausteilung ist und dazu noch nicht mal „geboten“ ist für Katholiken!

      Im Grunde ist es fast gut, dass man am Karfreitag bewusst keine Kommunion austeilt.
      Schließlich kennt die Kirche von Gründonnerstag bis zur Osternacht keine Eucharistiefeier, (Ausnahme die Chrisamweihe durch den jeweiligen Ortsbischof).

      • clamormeus schreibt:

        @Steinberger

        Uff. Bin hier überfragt, erstens in Bezug auf die liturgischen Vorschriften für die FO zu Karfreitag, zweitens in Bezug darauf, was Kardinal Marx dsbzgl. befördert oder nicht.

        @Ester

        Im der FE jedenfalls wird am Gründonnerstag – selbstredend- gewandelt, wann dann wenn nicht an diesem Tag?, und die Kommunion sogar in beiden Gestalten ausgeteilt. Der Karfreitag hat sogar eine spezielle Liturgie zur Kommunion, die ohne vorherige Wandlung auf die konsekrierten Hostien des Gründonnerstag zurückgreift. Und das ist beides würdig und recht!

  4. ester schreibt:

    ja genau, aber ich empfinde es nicht dramatisch, dass es an Karfreitag keine Kommunion gibt, rein gefühlsmäßig und subjektiv fände ich es gut, wenn die Kommunionausteilung am Karfreitag unterbleiben würde.
    Es ist aber nichts wo ich drum streiten will.

    • Steinberger schreibt:

      Die Kommunionspendung am Karfreitag gibt es seit der Liturgiereform. Und sie ist im Messbuch einer der Hauptteile der Feier am Karfreitag. Damit ist sie selbstverständlich verpflichtend (was nicht heisst, dass man theologisch/liturgisch auch anders argumentieren kann und ich persönlich die kommunionlose Feier durchaus auch sinnvoll fände)
      Was mich stört ist die Willkür, mit der man das Messbuch übergeht und die Rücksichtslosigkeit einfachen Gläubigen gegenüber. Ich habe selbst fromme Leute erlebt, die weinend zum Pfarrer kamen und um die Kommunion baten, die ihnen der eigene Priester vorenthalten hatte.
      Die Haltung des Kardinals wird ihnen natürlich niemand so bestätigen, es wird aber bereits den Alumnen im Seminar so gesagt. Und da stört mich die Unehrlichkeit, aber das ist nichts neues.

      • ester schreibt:

        ja, damit haben Sie natürlich komplett recht, und dem ist ja auch in anderen Bereichen so, dass Priester, die sich noch nie an das Messbuch gehalten haben, plötzlich den Superrubrikenreiter raushängen, wenn es ihnen denn in den Kram passt.
        Ja man könnte ganze Bücher füllen mit diesen merkwürdigen Geschichten.

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