Brief der Phariäser des Boulevard an die Geweihten

Sehet! Der Papst, der euer Oberer ist, ließ sein Domizil verwaisen und nahm sich Quartier im feinen Hotel und seine Gemächer übersteigen nicht das 90fache des Quadrates eines Meters und all seine Diener bringet er in in einer Etage unter.

So sag mir Kardinal: stehst aber du nicht weit unter dem, der dich zum Kardinal kreierte? So laß auch du deine Residenz verwaisen und nimm also in einfacher Herberge zwei Zimmer, und nicht größer als 40 Quadratmeter darf es zusammen sein, denn nicht halb wie er bist du. Auch deine Diener sollen nur eine halbe Etage belegen.

Und du Bischof? Geringer bist du als beide, so verlasse dein Haus und beziehe ein Einzelzimmer in bescheidenster Pension vom 15fachen des Quadratmeters, das keine Wasserstelle besitzt, zum Waschen pilgere über den Flur. Deinem Diener dinge eines von der Hälfte der Größe. Das Frühmahl aber nehme mit den Monteuren und Vertretern dort ein. Und murre nicht! Oder begehrst auch du ein Schlafgemach vom Vierfachen des Zwölfen des quadrierten Meters? Wahrlich, es ist besser für dich im Bett des Prokrustes zu nächtigen, als von uns Protzbischof genannt zu werden.

Der geringe Priester aber baue im Schweiße seines Angesichts eine Krippe vor seiner Kirche und nächtige für alle sichtbar dort. Seinen Kaffee und sein Brötchen verdiene er sich durch demütigen Dienst und unterwürfiges Wort zum Wohlgefallen der Laien der Pastoral. Zerknischt und ohne klerikalen Stolz noch Prunk über er seinen Dienst aus und sein Antlitz beflecke er dabei mit Rost und sein Gewand mit Schmieröl von seiner Schrottlaube, so daß er den Geruch ihres stotternden Motors annehme!

Auch in anderem tut, ihr geweihten Männer, was euch der Boulevard heißt, achtet auf die Zeichen der Zeit!

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, clamormeuspress, Mühsam beherrscht abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Brief der Phariäser des Boulevard an die Geweihten

  1. damasus schreibt:

    Der beste Kommentar zu diesem Thema bisher. Einfach nur gut, Danke!

  2. Cinderella01 schreibt:

    Da wird es doch die MSM-Pharisäer erfeuen, dass unser Erzbischof am Sonntag nach dem Oster-Hochamt seine Luxuskarosse stehen ließ und sich zu Fuß auf den Weg in seine bescheidene Wohnung machte. Gut sichtbar, in bescheidenem rotem Gewande, begleitet von seinem Diener in schwarzem Gewande. Schnellen Schrittes eilten die beiden und waren tief ins Gespräch vertieft. Keinen Blick hatten sie für all die schönen und teuren Dinge, die hinter den großen Fenstern auslagen. Erfreut nahmen sie die Huldigungen der angereisten Touristen entgegen, die ob dieser zusätzlichen Sehenswürdigkeit der Stadt ganz aus dem Häuschen schienen. Schnell waren der Erzbischof und sein Diener enteilt und es gelang mir nicht mehr, ihnen ein herzliches „Buon Pranzo“ hinterherzurufen, bevor die schwere Holztür hinter ihnen zuschlug. Das alte Haus hatte sie „verschlungen“, bevor ich mein bescheidenes Gefährt erreicht hatte, um mit ihm den langen Weg zum Stadtrand anzutreten ….

    • clamormeus schreibt:

      Jetzt mal nicht so ironisch werden, sicher hat der Bote mit der Pizza drinnen schon gewartet, die sich die beiden nach wochenlangem strengem Fasten teilen wollten :)

  3. Verstörte Leserin schreibt:

    Ich beantrage hiermit auch drei Ordensschwestern als
    Haushaltshilfen.
    Allerdings handelt es sich bei uns nicht um einen luxuriösen
    Single-Haushalt, sondern um eine katholische Familie
    mit fünf kleinen Kindern.

    • clamormeus schreibt:

      Genehmigt! (insofern sie jeder Schwester 89,9 qm Wohnraum garantieren können. Die Zeiten wo man das Gesinde einfach in Kammern steckte, sind im neuen demütigen Katholizismus endgültig vorbei!)

  4. Semper Catholicus schreibt:

    Seine Eminenz als langjähriger Kardinal-Staatssekretär und damit zweitoberster Mann der Kirche hat jede Grösse seiner Wohnung nicht nur verdient, sondern dies ist als Zeichen seiner Würde auch angemessen, ja notwendig. Dies gilt für alle Kardinäle, die als engste Mitarbeiter des Heiligen Vaters Anteil haben an dessen Amt als Vicarius Christi. Als des Königs über alle Könige. Dies lässt sich nach außen nur darstellen durch Insignien von Hoheit, Erhabenheit und Pracht. Nur dann glaubt das Volk auch daran, es braucht äusserliche Zeichen. Dies war immer das „Erfolgsgeheimnis“ des Katholischen.
    Traurig genug dass der aktuelle Papst dies durch einen künstlichen Pseudo-Pauperismus meint konterkarieren zu müssen. Aber noch lange kein Grund, dass andere es ihm nachmachen.
    Im übrigen war Kardinal Bertone der engste Vertraute und Mitarbeiter unseres verehrten Papa emeritus und handelt hier selbstverständlich mit dessen Einverständnis. Bleiben Sie standhaft, Eminenz, wir konservativen Katholiken stehe zu Ihnen!

    • mom schreibt:

      Okay, das „Erfolgsgeheimnis“ des Katholischen ist also nicht die Lehre Christi (der ja nicht gerade als Protzprophet durchginge), sonder die Blendung der Gläubigen durch Prunk und Konsorten?
      Naja. Das spräche dann entweder nicht für die Lehre Christi, den katholischen Klerus oder das „Volk“.

      Für mich klingt die ganze Diskussion jedenfalls nach Beißreflex der beleidigten Tradi-Fraktion. Franziskus ist momentan Euer Papst, Leute, ob ihr wollt oder nicht, und vielleicht stünde Euch ein Tick weniger Sarkasmus gut zu Gesicht, und eine Prise Reflexion und eine Portion Gottvertrauen. Man könnte ja mal überlegen, ob der Papst sich nicht auch der zeichenhaften Dimension seines Amtes bewußt ist und eben NICHT die Priester dazu aufruft, in Zukunft in einem Pappkarton zu schlafen, so, wie der Prunkkatholizismus die Gläubigen eben auch NICHT dazu aufruft, schnörkeliges Blattgold anzubeten. Wer mal halbwegs ehrlich analysiert, was Franziskus so sagt und tut, wird bemerken, dass der Mann mitnichten dem Zeitgeist nach dem Mund redet. Dass die Boulevardpresse das nicht schnallt, ist wahrlich nicht seine Schuld.

      • clamormeus schreibt:

        Wie eigentlich unschwer zu erkennen geht diese Satire gegen journalistische Heuchler, die meinen, sie könnten jeden mißliebigen Kleriker mit Verstößen gegen das Bettelmönchideal diskreditieren und sich dabei ebenso heuchlerisch wie zu Unrecht auf Papst F. zu berufen können meinen, der x- fach betonte, daß er nicht aus Bescheidenheitsgründen im Hotel wohne, sondern weil er nicht allein sein kann. Daß er nichts dafür kann, daß Teile der Presse das nicht schnallen wollen, bzw. vortäuschen, es nicht zu kapieren, d’accord.

        Sollten diese Schreiber aber aus Mißverständnis plötzlich den Wert persönlicher freiwilliger Armut entdeckt haben, sollen sie doch bitte selbst davon Zeugnis geben.

        Was die Liturgie angeht: Gerade Franz von Assisi konnte auch materiell nichts kostbar genug sein für die Feier des Herrn, wer bitte betete Blattgold an im heiligen Meßopfer?

  5. Clara Franz schreibt:

    Diese Angelegenheit empfinde ich schon als etwas zwiespältig.
    Braucht ein Kirchenmann, auch wenn er Kardinal ist, wirklich ein Domizil von solch großzügigen Ausmaßen?
    Man sollte aber auch wissen, wie diese Wohnung unterteilt ist: In Arbeitsräume, Bibliothek, Kapelle, Empfangszimmer o.a.?
    Welchen Funktionen dient also diese Bleibe?
    Und dann die Frage: Stimmt auch alles so, wie es genüsslich verbreitet wird?
    Kardinal Bertone müsste aber schon klar sein, dass er -bedingt durch seinen gehobenen Anspruch- einen Angriffspunkt darstellt.
    Nimmt er dies billigend in Kauf, falls die Fakten stimmen?
    Diese aufgesetzte Zurschaustellung von vermeintlicher Bescheidenheit von Papst Franziskus stört mich aber auch gewaltig.
    Im Gästehaus lebt er -menschlich durchaus nachvollziehbar, dennoch aus rein egoistischen Motiven.
    Denn auch im päpstlichen Palast bräuchte er nicht allein zu sein, jederzeit könnte er Gäste zu sich einladen.
    Demut und Bescheidenheit als vorzeigbares Mittel zur Beliebtheit und nicht als innere Haltung?
    Da scheint mir die Anspruchshaltung Kardinal Bertones zumindest aufrichtiger.

    • clamormeus schreibt:

      Ob er das braucht, weiß ich nicht, vor allem geht es mich nichts an. Auch nicht, wie die Wohnung gestaltet ist. Sollte es da im Vatikan Klärungsbedarf geben, möge man das bitte intern und diskret klären. (gab es anscheinend nicht, Bertone wohnt ja längst drin).

      Es wäre nur an der Zeit, manchen Schreibern dieses perfide Spielchen aus den Fingern zu schlagen, unter Berufung auf das Konstrukt eines Plattenbauheiligen F. jeden mißliebigen Kleriker durch den Dreck zu ziehen. Sei es nun wegen „Protzsucht“ (schon Weihrauch in der Messe ist verdächtig!), „Hartherzigkeit“ (nimmt die Lehre seiner Kirche und die kiturgischen Rubriken ernst) oder „Klerikalismus“(läßt sich nicht bedingungslos von „engagierten“ Laien auf der Nase rumtanzen)oder als Bischof wegen „autorativem Stils“ (läßt apostatischen Priestern nicht jeden Unfug durchgehen).

      Im Grunde der vertraute Anti-Rom Kirchenkampf mit derselben journalistischen Staffage halt wie eh und je, nur daß man dabei den Papst für die eigene antikatholische Position als Kronzeugen rausstellt, ist neu.

  6. Ultramontanus schreibt:

    Völlig richtig! Genau so ist es. Dann kommt noch ein weiterer Puinkt hinzum, der in dieser gespentischen „Causa“ bisher nicht genügend gesehen wird. Es soll wieder einmal unserem geliebten Papa emeritus ein Fußtritt versetzt werden! Man schlägt Kardinal Bertone, meint aber in Wahrheit Benedikt XVI., der für Bertone jahrzehntelang wie ein Vater war. Da fällt mir nur Max Liebermann ein: „Ich kann gar nicht so viel essen wie ich k… muß“.

  7. Clara Franz schreibt:

    “ …. der vertraute Anti-Rom Kirchenkampf …, nur daß man dabei den Papst für die eigene antikatholische Position als Kronzeugen rausstellt, ist neu.“
    Ja, stimmt! – Und was tut er dagegen?
    Ich weiß nach wie vor nicht, wofür Papst Franziskus steht.
    Man muss Menschen nicht immer gleich einordnen, gar in eine Schublade stecken.
    Aber irgendwie vertraut ist er mir bis heute nicht geworden.
    Was Kardinal Bertone angeht, gehen uns seine Wohnverhältnisse wahrscheinlich wirklich nichts an.
    Doch wir müssen halt auch anerkennen, dass es vielen einen schmerzhaften Stich gibt, solche Meldungen zu lesen.
    Denken Sie nur an die Mutter mit ihren fünf Kindern, die sich weiter oben geäussert hat.
    Auch mein Sohn, ein mehr als kritischer, also kein willfähriger Medienkonsument, empfindet dies ähnlich.
    Wir sollten auch solche Gefühlsäusserungen wahrnehmen und akzeptieren.
    Dass sich die Medien allesamt auf solche Meldungen stürzen, kirchenfeindliche sowieso, ist klar.
    Jedes Argument gegen die katholische Kirche kommt ihnen da recht.
    Im Gegenteil, im Grunde freuen sie sich doch über solche Meldungen.
    Ihre Kübel, angefüllt mit Jauche, stehen immer schon bereit und warten nur darauf, bei aktuellem Bedarf über die jeweiligen Opfer ausgegossen zu werden.
    Benedikt kann ein Lied davon singen und andere auch!

    • clamormeus schreibt:

      >>Doch wir müssen halt auch anerkennen, dass es vielen einen schmerzhaften Stich gibt, solche Meldungen zu lesen.
      Denken Sie nur an die Mutter mit ihren fünf Kindern, die sich weiter oben geäussert hat.<<

      Das meine ich ja auch: diese Meldungen verknüpfen (z.B.) die oft wirklich (räumlich wie finanziell) mehr als bedrängte Lage kinderreicher Familien mit der üppigen Fläche dieser Wohnung im Vatikan, als ob das eine mit dem anderen etwas zu hätte.
      Allein die Größe wird ohne jeden weiteren Umstand zu nennen als Beweis für einen Protzer und Prasser hingestellt, die Schwestern als tariflich bezahlte, extern engagierte Bedienstete des Kardinals. Daß es aber bei vielen Kurienkardinälen üblich ist, samt Sekretär und Schwestern oft jahrzehntelang in einer familiären Gemeinschaft zu leben, wird verschwiegen, ebenso die Tatsache, daß ein Kurienkardinal, der Zeit zum Einkaufen, Kochen, Putzen, Waschen u.s.w. hätte, wohl etwas mehr als überflüssig in seinem Amt wäre.
      Außerdem wird ignoriert: Bertone war der Kardinalstaatssekretär des Vatikan, der gewissermaßen gegenüber dem Rest der Welt diplomatisch eine schlappe Milliarde Katholiken zu repräsentieren hatte, tja, dann sehe man sich mal die beiden bescheidenen kleinen Schlößchen des Herrn BP Gauck an, allein Bellevue, aus Steuern renoviert, hat 1000 qm Wohnfläche, dazu bitte den Angestelltentroß. Nicht, daß ich das als Maßstab für die Kirche guthieße, aber ich wette, das BP Amt verschlingt min. das Hundertfache des Geldes, was Bertone zur Verfügung hat für seine Position, schon jeder simple EU- Abgeordnete dürfte ein höheres Budget aufweisen (bezahlte Angestellte, Wohnung, Reisen, Diäten). Und die meisten dieser Leute tun natürlich alles auf unsere Kosten, um kinderreichen Familien zu helfen *sarkasmus off*

      Keine Ahnung von Kardinal Bertones persönlicher Lebensführung, auch die geht mich nichts an, ich finde diese Chose einfach nur aufs Widerlichste geheuchelt, allein deshalb, weil es denen um etwas anderes geht und wie ich finde gezielt die billigsten Instinkte angesprochen werden.

      PS: wollte mit meiner Antwort an "Besorgte Leserin" mich nicht über sie lustig machen, sondern ich hab, weil ich diesen Mist nur mit Humor ertrage, eine Satire geschrieben, und auf dieser Ebene geantwortet. Mir ging's auch gar nicht um Bertone, sondern um diese üble Hetzerei. Und was Papst F. angeht, bin überfragt darüber, was er intendiert.

  8. Clara Franz schreibt:

    „… weil es denen um etwas anderes geht und wie ich finde gezielt die billigsten Instinkte angesprochen werden.“
    Das stimmt!
    Noch ein Gedanke drängt sich mir auf:
    Ist es nicht vorstellbar, dass solche Meldungen über Protz und Pomp und andere Ärgerlichkeiten den einzigen Zweck haben könnten, nicht nur bei kirchenfernem Publikum Empörung zu schüren, sondern auch die Christen gegeneinander aufzubringen, Zwietracht unter ihnen zu säen, ihre Solidarität und Liebe zur Kirche zum Schwinden zu bringen?
    Etwa im Sinne von: „Seht mal, was für einemVerein Ihr da angehört? Was tun die mit Euch?“
    Ich finde, diesem auch möglichen Motiv sollten wir etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

  9. Clara Franz schreibt:

    Eine Präzisierung:
    Dass also im Grunde mit solchen Meldungen gar nicht die kirchenkritischen oder -fernen Leute angesprochen werden sollen, die nimmt man noch nebenher mit, sondern ganz konkret die Gläubigen selbst.
    Um sie zu verunsichern und ihnen u.U. die Freude am Glauben und der Kirche zu nehmen.
    Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr scheint es mir möglich.
    Dahinterliegende Strategie?

  10. rhizotomos schreibt:

    Tolle Prosa, habe mich halb tot gelacht!

    Rhizotomos
    Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s