Hundertster Todestag Pius X.

Heute vor 100 Jahren starb Guiseppe Melchiorre Sarto als Papst Pius X. , das Amt hatte er seit 1903 inne. 1954 wurde er durch Pius XII. heiliggesprochen, als erster Papst nach Pius V.  und das erst fast 350 Jahre später. Angesichts der heutigen Praxis des Heiligen Stuhls fragt man sich,  ob wir von 1958 bis 2005 tatsächlich  in einer gnadentaumelnden Zeit lebten, in der der Herr es selige und heilige Päpste geradezu regnen ließ, oder nun doch eher das Zweite Vatikanum samt dessen vielbeschworenem Geist sowie die folgende Liturgiereform ein wenig beweihräuchert werden soll.

Zum Gedenken an Pius X. möchte ich hier auf dessen legendären „Anitimodernisteneid“ verlinken, der jedem Priester bis 1967 abverlangt wurde. Wieviele Meineide genau in diesen gut 50 Jahren geleistet wurden? Gott allein hat sie gezählet, einige davon möglicherweise nach reuiger Beichte wieder vergessen; daß es sehr viele waren, wissen alle.

Im seit Jahrzehnten gängigen alltäglichen Sprachgebrauch ist der Begriff „modern“ kaum mehr als ein Synonym für „up to date“. Er bedeutet also qualitativ nicht viel, Inhalte sind mit ihm nicht mehr verbunden. Anders war dies zu Zeiten Pius X. als Modernismus für eine bestimmte Denkhaltung stand, die der Papst im Inneren der Kirche eindämmen wollte.

Hier zur deutschen Übersetzung des „Antimodernisteneids“ auf kathpedia

Ich denke, daß dieses Dokument verdeutlicht, daß es Piux X. mitnichten um die Ablehnung von Wissenschaft oder gar Vernunft ging in Bezug auf die Ausdeutung des Glaubens oder seiner historischen Zeugnisse und Quellen. Er wandte sich vielmehr gegen Tendenzen der Theologie, die Grundsätze des Katholozismus in ideologischer Voreingenommenheit unter einem wissenschaftlichen Etikett auszuhöhlen. Er wußte, daß sich diese Art Theologie bereits in der Kirche zu etablieren suchte. Ob das Mittel dieses Eides ein dazu taugliches war, sei dahingestellt. Es hat sicher nicht verhindert, daß sich unter katholischen Theologen und Priestern in großem Ausmaße diese im Sinne seines „Antimodernisteneids“ verworfenen Haltungen ausbreiteten. Aber möglicherweise hat es diese Entwicklung hinreichend verlangsamt, so daß neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, die insofern sie aus dem Bereich der Archäologie und Geschichtsforschung stammen, auch dank neuer Hilfstechniken gewonnen werden konnten, nicht zu spät gekommen sind, um irrige, aber leider etablierte Annahmen einer teilweise ideologisch motivierten früheren Forschung entscheidend zu widerlegen und gleichzeitig die kirchliche Überlieferung zu stützen.

Verfechter einer sich maßgeblich auf Bultmann beziehenden historisch-kritischen Exegese, sind wohl im Sinne Sartos „modernistisch“ – up to date sind sie wissenschaftlich gesehen längst nicht mehr.

 

 

Über clamormeus

Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Tagesgedanken abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s