„Töten im Namen Allahs“ vs. Naturrecht

Eine Ergänzung zu meinem vorletzten Post, der sich auf den Vatikanberater für Islamfragen, P. Samir Khalil SJ bezog. Martin Rhonheimer, Professor für Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Hochschule Santa Croce in Rom, schreibt heute in der NZZ unter dem Titel „Töten im Namen Allahs“ unter anderem über die Schwierigkeit der Vertreter des „gemäßigten und reformerischen Islams“, den gewaltbefürwortenden Teil theologisch zu verurteilen oder ihn auch nur zu widerlegen. Ein Zitat:

Oft wird das Alte Testament – auch in antisemitischer Absicht – als Beispiel für Grausamkeit und Gewaltlegitimation angeführt. Das Gegenteil ist wahr: Der Gott Israels entzieht dem Menschen die Kompetenz zum eigenmächtigen Töten. Im Christentum führte die Erfahrung des Unglaubens nicht zum Aufruf, die Ungläubigen zu töten, sondern zum Missionseifer und – nach der Entdeckung Amerikas – zu Gestalten wie Vitoria und Bartolomé de las Casas: In der christlichen Tradition stehend machten sie geltend, dass Ungläubige als Menschen die gleichen grundlegenden Rechte besitzen wie Christen. Dabei wurden sie von päpstlichen Verlautbarungen unterstützt (obwohl die spanischen Könige deren Verbreitung zu verhindern suchten).

Und hier liegt der entscheidende Punkt: Für den Islam sind Nichtmuslime keine vollwertigen Menschen. Denn islamischer Lehre gemäss ist der Mensch von Natur aus Muslim, die menschliche Natur selbst, die «fitra», ist muslimisch. Nichtmuslime sind folglich Abtrünnige, «denaturierte» Menschen. Im Islam kann es deshalb keine prinzipielle Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Natur und kein für alle – unabhängig von der Religionszugehörigkeit – geltendes Naturrecht geben. Der Islam akzeptiert die modernen Menschenrechte immer nur unter dem Vorbehalt der Bestimmungen der Scharia. Deshalb kann sich gerade der «wahre Islam» nicht in die Moderne integrieren.

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Mir geht es gewiß nicht um eine „Stimmungsmache“ gegen den Islam, geschweige denn gegen Muslime. Aber gerade angesichts dessen, was sich gerade im Nahen Osten oder in Nigeria vollzieht und welche Wirkung das, nachdem es die  Berichterstattung verbreiteter hiesiger Medien nach einiger Verzögerung endlich auch aufgegriffen hat, auf die Stimmung der „Normalbevölkerung“ zeitigt, gibt es keinen anderen Weg, als sich in all den gutgemeinten Dialogen dem Islam als das zu stellen, was er insbesondere in Bezug auf seine Rechtsauffassung und im Rahmen seiner immer noch bestehenden theologischen Grenzen ist, die die Menschenschlächter und Geschichteauslöscher in Syrien und im Irak durchaus einschließen.

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7 Antworten zu „Töten im Namen Allahs“ vs. Naturrecht

  1. Kassandra schreibt:

    „Mir geht es gewiß nicht um eine “Stimmungsmache” gegen den Islam“

    Warum müssen Sie sich für das Ansprechen von Tatsachen entschuldigen?????????????
    Darüber sollte man sprechen, informieren und klarstellen und zwar ganz direkt undohne Angst.

    • Clara Franz schreibt:

      Nein, wir müssen uns nicht „für das Ansprechen von Tatsachen entschuldigen?“
      Aber wir tun es!
      clamormeus tut es – weil er wirklich nicht die Stimmung anheizen möchte, aber auch deshalb, weil es so erwartet wird.
      Und auch wir tun es.
      Vor jeder Kritik scheint es inzwischen zur Pflicht geworden zu sein, durch Bezeugen von Verständnis für die Situation unsere Kritik abmildern zu sollen.
      Wir fühlen uns nicht mehr frei zu kritisieren, was uns kritikwürdig erscheint.
      Wir nehmen uns vorsichtshalber schon mal selbst an die Kandare!

    • clamormeus schreibt:

      Danke für die Deutungsversuche, aber wo bitte hätte ich mich „entschuldigt“, bei wem, für was? Ich habe in zwei Beiträgen zweier Autoren, die wissen wovon sie sprechen, veranschaulichen wollen, daß es es bestenfalls naives Geschwätz ist, zu behaupten der Islam habe nichts mit dem Terror zu tun, der in seinem Namen begangen wird oder er werde „mißbraucht“. (Schön , daß Ihnen beiden das so klar ist und schon war, daß Sie sich gleich meinen vermeintlichen „Windungen“ widmen können, und über die Inhalte gar nicht erst sprechen müssen).
      Nein, mir ging es nicht um Stimmungsmache, das wollte ich bekräftigen,so what!?

      • Clara Franz schreibt:

        Wenn Sie meinen Kommentar falsch verstanden haben sollten oder wenn ich mich missverständlich ausgedrückt habe, tut mir das sehr leid.
        In meiner Antwort ging es doch gar nicht ausschließlich um Sie.
        Mir ging es lediglich darum zu sagen, dass ich mehr und mehr den Eindruck gewinne, dass wir häufig -schon mal vorsichtshalber- bereits im Vorfeld äussern: „Also, ich bin ja nicht gegen .., aber“, um anschließend unsere Kritk vorzutragen oder auf etwas hinzuweisen, das uns auffällt oder stört.
        Dies kann dann wahlweise die politische Richtung sein, zu der man auf keinen Fall gerechnet werden möchte, die Frage der Homosexualität, da wir ja nicht homophob erscheinen wollen – und da wir auch nicht fremdenfeindlich sind, gilt dies auch für die Einschätzung der Brisanz des Islam.
        Es gibt ja noch sehr viel mehr solcher heiklen Themen, bei denen ich das Gefühl habe, es gibt da eine Hemmschwelle.
        Nur dies wollte ich zum Ausdruck bringen.
        Ich beobachte solches Verhalten ja auch an mir selbst.
        Dass Sie meine Äusserungen als „Windungen“ interpretiert haben, tut mir ehrlich leid, denn sie waren nicht so gemeint.

      • clamormeus schreibt:

        Liebe Clara, nein ich habe Ihre Äußerungen nicht als Windungen interpretiert, ich hatte es so aufgefaßt, daß man mir vorwirft, mich zu winden. Und ich finde, daß habe ich nicht getan.
        In der Tat bauen da einige so einen Druck auf, die ihre irrige Meinung „Das was die IS macht, hat nichts mit dem Islam zu tun“ für undebattierbar halten, mit dem wahrscheinlich an sich richtigen, aber hier völlig irrelevanten Einwand „die allermeisten Muslime seien doch friedlich und lehnen den Terror ab“. U.a. deshalb schrieb ich die zwei Posts
        Wenn es so ist, wie P. Samir und Rhonheimer sagen, daß der Islam a) durchaus auch im Sinne eines Mehrklassenrechts, der Gewaltanwendung gegen andere Religionen oder Atheisten auslegbar ist und b) von muslimischen Autoritäten dies noch nicht mal mit einer Art „Anathema“ belegt werden kann, dann ist es sowohl aus christlicher wie auch aus der Perspektive der Rechtsgleichheit und der vom Naturrecht her gültigen Würde jedes einzelnen Menschen, (wie auch andere Dinge, die in der Scharia beinhaltet sind) geradezu widersinnig, dem Islam als solchem „Respekt“ oder gar „Hochachtung“ zu zollen.
        Respektieren dagegen kann und soll man Muslime guten Willens.

  2. Clara Franz schreibt:

    Den Muslim als Menschen achten – keine Frage!
    Aber womit ich konkret ein Problem habe, ist seine intensive Bindung zum Koran.
    Nimmt er ihn ernst, kann er sich kaum von den darin enthaltenen „Sprüchen“ Allahs, die das Töten erlauben, sogar fordern, distanzieren.
    Meine Cousine ist Religionslehrerin. Sie hat bemerkt, dass muslimische Kinder in der Regel genauso wenig in ihrer Religion unterwiesen sind, wie die unseren.
    Sie haben also kaum bis keine Ahnung.
    Der Schwiegersohn meiner Cousine ist Muslim, nicht praktizierend, die beiden Kinder sind weder getauft, noch erhalten sie speziell islamische Unterweisung, wie sie sagt.
    Diese Familie feiert Weihnachten ebenso wie islamische Feste, es ist halt irgendwie ein religiöser Mischmasch.
    Aber wie gesagt, wie stellen sich korantreue Muslime zur Gewalt?

    Auch Christen haben viel Unrecht getan.
    Aber sie handelten stets aus sich selbst oder aus einem falschen Denken heraus.
    Niemals aber hätten sie sich auf das Neue Testament berufen können.
    „Liebe deine Nächsten!“
    „Liebet Eure Feinde!“
    Jesu Worte lassen uns hier keinen Spielraum.

  3. clamormeus schreibt:

    Muslim ist man in der Vorstellung des Islam schon durch Geburt; hier lacht man drüber, in muslimisch geprägten Herkunft ist das halt so. Wenn man sich nicht bewußt lossagt, bleibt auch, wenn man „nicht praktiziert“ eine gewisse Verbindung, selbst, wenn man in nichtmuslimischen Ländern lebt, oft ohne, daß man sich mit dieser Religion tiefer beschäftigt, geschweige denn, daß man sich an die Regeln dieser Religion hielte , das ist bei Christen nicht anders. Wenn man aber solche sich irgendwie muslimisch fühlenden Menschen z. B. in Deutschland mit islamistischen Terroristen gleichsetzt und in ihnen nur täuschende „Schläfer“ sieht, obwohl sie sich nichts diesbezüglich zu Schulden kommen ließen, halte ich das für Stimmungsmache. Und die wird ja durchaus auch betrieben von gewissen Kreisen. Sehen Sie, jetzt hab ich doch noch Lust bekommen, meinen Satz zu erklären :)

    Eine andere Art argumenfreier Stimmungsmache ist aber nicht nur das Schwingen mit einer Phobiekeule, sondern auch das dämliche Beharren darauf, daß der Islam an sich etwas Gutes ist, wenn er theologisch noch nicht mal kindermordende und mädchenvergewaltigende Verbrecherhorden von sich zu trennen vermag, die sich auf ihn berufen.
    Und wenn das noch durch katholische auch höhere Kleriker geschieht, geht mir die Galle über.

    Aber vielleicht kandidle auch ich das über, mir würde es ganz unabhängig von Religionsbezügen reichen, man würde eben Mörder, Vergewaltiger, Räuber, Erpresser, Hehler als das bezeichnen und behandeln was sie sind, ebenso wie ihre Finanziers und Unterstützer.

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