Der Jäger im Damenstift – zur Amtseinführung Pater Christians von der Priesterbruderschaft Sankt Petrus

Eine Art Premierenfieber war deutlich greifbar in der Damenstiftskirche St. Anna. Die täglichen Messen wurden schon seit Montag zelebriert, dann bei trotz Sommerferien voller Kirche das erste Sonntagsamt, gleichzeitig auch die offzielle Amtseinführung Pater Christian Jägers, der mit der kompletten Seelsorge für diese Filialkirche St. Peters beauftragt wurde, was gleichzeitig die erste Niederlassung der FSSP in München begründet. Wir berichteten hier.

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(Photo privat)

Die Pater Axel Maußen, Diskriktoberer der FSSP und Sven Conrad levitierten. Schon das veranschaulichte das Brausen der Veränderung, in ihrer Hochform zeigte sich die alte Messe hier nur sporadisch in den letzten Jahren und fast immer nur außerhalb der regulären Termine, anläßlich einiger Primizen oder den „Gastspielen“ Andreas Wollbolds. Auch dies soll sich nun zumindest an hohen Festen ändern.

Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg, als Vertreter der Diözese München und Freising anwesend, hielt die Homilie. Zunächst drei Gedanken zum Tagesevangelium von den zehn geheilten Aussätzigen, von denen sich nur einer bedankte, vortragend, wobei es einerseits um die Art des Heilens durch Christus ging, die sich nicht mit „rückverfolgender“ Analyse der Aussatzursachen aufhielt sowie um die Bedeutung des Wortes „aussätzig“ in seinen konkreten und übertragenen Konnotationen, schlug er den Bogen zum heutigen Anlaß, und gab schließlich, wie schon zuvor Pater Maußen, seiner Freude über die nach vier Jahren Gesprächen zwischen Ordinariat, der Pfarrkirche St. Peter und der Priesterbruderschaft erzielte Lösung Ausdruck. Dankesworte an die FSSP aber auch an den Papa Emeritus für sein Motu Proprio „Summorum Pontificum“ wurden gerichtet, und dessen geflügeltes und leider bei vielen immer noch nicht durchgedrungenes Wort von den „zwei Formen des einen römischen Ritus“ bekräftigt. Und in nichts gebe es einen Grund, Gläubige, die in der älteren Form heimisch sind, als Aussätzige zu betrachten. Am Ende wurden noch aufmunternde Grüße des Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx weitergegeben.

Pater Jäger, der nach seinem Theologiestudium in Eichstätt ins Wigratzbader Priesterseminar eintrat, wurde 2011 von Walter Kardinal Brandmüller geweiht und absolvierte neben seinen seelsorgerischen Aufgaben noch ein Studium des Kirchenrechts, hielt nach der Messe eine kurze Ansprache, in der er die Gläubigen ermunterte, ihm ihre Anliegen frei und direkt zu offenbaren. Auch sein Dank galt allen an der Lösung Beteiligten, hervorgehoben wurde der zum September emeritierte Stadtpfarrer von St. Peter, Prälat Herbert Jung. Für das Ordinariat waren auf Weisung des Erzbischofs Generalvikar Peter Beer und in der Endphase dann der Bischofsvikar federführend. Der Pater gab, wie schon sein Diskriktoberer, der Hoffnung Ausdruck, diese neue Münchner Praxis möge in der ganzen Republik Schule machen. Und fand es passend, daß er als „Petrusbruder“ nun mit der Pflege des usus antiquior von der Pfarrgemeinde St. Peter beauftragt wurde. Daß man ihn ausgerechnet in der Karwoche gefragt hatte, müsse ja nichts schlechtes heißen. Und der gebürtige Franke erfreute manchen nicht mehr ganz jungen Münchner, die Prälat Zistl noch persönlich kannten, indem er den früheren Stadtpfarrer St. Peters zitierte: Die Kinder, hatte er auf die Frage einer Katechetin geantwortet, müssen gern in Ihren Religionsunterricht kommen. Dieses Ziel mache er sich im übertragenen Sinne auch für die Seelsorge für die Damenstiftskirche St. Anna zu eigen.

„Gut Ding will Weile haben“ war nicht nur das Motto der aufgrund des Summorum Pontificum ermöglichten und im Juli erfolgreich beendeten Gespräche, bei denen neben inhaltlichen auch viele organisatorische Dinge geklärt werden mußten, es gilt sicher auch für die anstehenden, von vielen ersehnten Veränderungen im Damenstift. Über 25 Jahre Improvisation letztlich ohne ordnenden Hirten ließen teilweise -neutral ausgedrückt- etwas eigentümliche Gepflogenheiten wachsen und auch wuchern, die man sicher nicht ad hoc durch Drücken eines Resetknopfes überwinden kann.

Aber schon beim Stehempfang im Innenhof war eine alle erfassende lösende warme Brise zu spüren, die ersten Flüchtigen waren schon zurückgekehrt oder schauten wenigstens mal wieder vorbei, vorwiegend Jüngere und Familien mit kleinen Kindern, und jene, die noch hier waren, müssen sich nun wegen anstehender Erstkommunionen keine neue Heimat mehr suchen. Und manche der Älteren, die teils schon ein Vierteljahrhundert dieses Tages harrten, ergriff die Rührung. Nun war es ganz greifbar geworden Der Hirte ist da, von strahlendem Münchner Weißblau begrüßt. Ein mehr als vielversprechender Anfang. Deo gratias!

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4 Antworten zu Der Jäger im Damenstift – zur Amtseinführung Pater Christians von der Priesterbruderschaft Sankt Petrus

  1. Clara Franz schreibt:

    Volle Kirche – trotz Ferienzeit, das verrät so einiges.
    Mögen vorerst auch etliche Neugierige unter den Besuchern gewesen sein -was ja verständlich wäre- so zeigt sich doch, wie sehr es das Verlangen nach der hl. Messe im alten Ritus gibt.
    Und die Unsicheren haben nun die Möglichkeit, zu vergleichen.
    Dann wird sich mit der Zeit auch herausstellen, ob der Besuch einer „alten“ Messe nur eine Modererscheinung ist, wie Papst Franziskus vermutet.
    Hier hoffe ich, dass er sich irrt.

    • Clara Franz schreibt:

      Korrektur – ich bitte den Tippfehler zu entschuldigen!
      Ich habe ihn zu spät bemerkt.
      Mode-Erscheinung, soll es selbstverständlich heißen.
      Das von mir verwendete Wort möchte ich gar nicht mehr erwähnen.
      Es ist in obigem Zusammenhang zu unpassend, geradezu beleidigend.

      • clamormeus schreibt:

        War sowieso klar. Ihr Tippfehler drückt aus, wie es einige sehen wollen ;)
        Und diese Form des Ritus „Modeerscheinung“ zu nennen, nachdem sie belegbarermaßen seit 1500 Jahren. -und vermutlich noch länger- von kleinen Variationen abgesehen unverändert von allen Katholiken gefeiert wurde, braucht nicht kommentiert zu werden.

        Am Sonntag war das in Ferien übliche „Stammpublikum“ da, dazu kamen noch mal so viele, die größtenteils keine „Neulinge“ waren, sondern die aufgrund der bisherigen Verhältnisse im Damenstift höchstens noch sporadisch kamen, darunter viele Jüngere, von denen besonders die Paare mit Kindern zusätzlich von der bisher ungünstig frühen Meßzeit zurückschreckten, und denen besonders u.a. die Möglichkeit zur Erstkommunions- und Firmvorbereitung hier fehlte. Das werden m.E. noch deutlich mehr werden. Also leerer wird’s jetzt ganz sicher nicht werden, damit ist eine Ihrer Fragen schon beantwortet. Und ich kenne keinen, der aus modischen Gründen käme.
        Ob es mit der Zeit auch andere anzieht, und wenn, ob dauerhaft oder sporadisch, wird sich zeigen. Da sollte man sich auch keinen Kopf drüber machen.

  2. Clara Franz schreibt:

    Bruder Thomas-Maria, ein junger Kapuziner, sagte mir einmal, als ich über den mangelhaften Besuch der Sonntagsmesse betrübt war, wir sollten nicht die Abwesenheit der Vielen in den Gottesdiensten beklagen, sondern uns über jene freuen, die kommen.
    Über eine lange Zeit hat mir seine Aussage geholfen, aber allmählich verliert sie wieder ihre Wirkung.
    Sie, clamormeus, haben dieses Problem gottlob in der Kirche St. Anna nicht und dürfen sich über das regelmäßige Angebot der hl. Messe im alten Ritus der Petrus-Bruderschaft freuen.
    Und viele andere auch!
    Wie schön, dass vor allem so viele jüngere Leute gekommen sind, dazu auch noch Familien.
    Möge sich der Segen Gottes über St. Anna und seine Menschen legen.

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