„Prophet mit spitzer Feder“ – Chesterton nicht nur für Anfänger

Immer wieder, wie jüngst hier im malerischen Laufenburg am Hochrhein, fragen Zuschauer der Soiree mit Alexander Kissler und mir nach Büchern für den Einstieg in das Werk Gilbert Keith Chestertons, mit dem sie oft gerade erstmals in Berührung kamen.
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(kurz vor Beginn der Show dort in meiner neuen Lieblingsbuchhandlung „Buch und Café am Andelsbach“)

Die Antwort ist nicht ganz einfach: zum einen ist das Oeuvre GKCs  überaus umfangreich, außer den Hauptwerken tausende Essays, die sich verschiedensten  Bereichen widmen, dazu viele Romane neben den „Father Brown“ Krimis, Theaterstücke und und. Zum anderen ist die Auswahl an deutschen Übersetzungen sehr begrenzt und oft nur antiquarisch beziehbar. Erfreulicherweise haben einige kleinere deutsche Verlage einige der wichtigsten Werke in den letzten Jahren neu in sehr guter Übertragung herausgebracht. „Orthodoxie“ erschien 2011 im FE Verlag, der Inselverlag brachte „Ketzer“ heraus, bei nova & vetera gibt es unter anderem „Der unsterbliche Mensch“ -um die drei „must reads“ für Katholiken zu nennen- sowie die Sammlung „Die englische Weihnacht“ und den Roman „Kugel und Kreuz“.

Da Reisen bildet, und das auf Zugfahrten bekanntlich oft länger als geplant, habe ich auf der Fahrt ins schöne Südbaden „Gilbert Keith Chesterton – Prophet mit spitzer Feder“ von Gisbert Kranz, erschienen 2005 im St. Ulrich Verlag Augsburg,  ganz gelesen und bin fast restlos begeistert. Nach einer trefflichen Einführung über GKCs bleibende Anziehungskraft, werden in acht nach Schlagworten geordneten Kapiteln dessen Ansichten zu Christentum und Dogmen, Ehe und Familie, Sünde und Tugend, den verschiedenen politischen Systemen und Haltungen, sowie auch zu heute vieldiskutierten Themen wie Esoterik, Globalisierung, Ökologie, Gentechnik und Euthanasie kompakt zusammengefaßt. Dazu zieht Kranz über 200 Originalzitate sowohl aus dem essayistischen wie belletristischen Werk heran, die er kenntnisreich kommentiert und zu verknüpfen weiß, allesamt mit Quellenangabe versehen.

Kranz, der auch eine hervorragende Gertrud von le Fort- Biographie schrieb, gelingt es auf 166 kurzweiligen Seiten, Einblicke in Chestertons Genius, Gedankenschärfe, Glaubenstiefe und Weisheit zu offenbaren, ebenso in seine Künstlernatur, seinen Humor, seinen Spieltrieb und seine unerhörte Schaffenskraft. Auch der Titel ist gut gewählt, in fast allen seinen Aussagen und Prognosen zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Fragen und Entwicklungen hat er bis heute Recht behalten. Und warum selbst dem „Defensor fidei“ weltanschaulich diametral gegenüberstehende Literaten wie z.B. Brecht nicht nur von seiner überragenden schriftstellerischen Qualität sondern auch von seinem Geist und seiner Intelligenz in Verzückung gerieten, wird in Kranz Buch ebenfalls deutlich.

Ein großer Gewinn sowohl für Dummies als auch für schon glühende Chestertonians.

PS:
Für Münchner: „Gilbert Keith Chesterton – Prophet mit spitzer Feder“ liegt neben anderen GKC Werken auch am Schriftenstand der Theatinerkirche aus. Und hier gibt es das Buch natürlich auch: http://www.andelsbach.de/

 

 

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