Vox populi von Clamormeuspress – Konzilshermeneutik: Melanie vs. Wolfgang

Ältere Leser erinnern sich vielleicht noch an die Kultserie „Vox Populi“ die in den fernen und wilden 2013ern fröhliche Urständ hier feierte. Hier und hier in unserem Archiv nachzulesen. Wie rezipierten Schlagerstars, Popsänger aber auch Literaten die Umwälzungen in der Kirche, teilweise prophetisch vorab beträllerten. Vox populi schickt immer zwei von ihnen unterschiedlicher Botschaft gegeneinander in den Ring.
Naiv ist, wer meint, ausgerechnet 1971, unmittelbar nach der Liturgiereform, hätte es irgendwo einfach nur so arglose Schlager gegeben. Die Macht der Kirche war, wie Clamormeuspress schon mehrfach bewies, so groß, daß alle Lager auch via seichter Unterhaltung ihre Agenda transportierte. Schließlich war das Mittelalter gerade erst beendet worden damals.
Von Anfang an gab es verschiedene Hermeneutiken des Zweiten Vatikanum. US Folksängerin Melanie lieh vorab denjenigen die etwas krächzige Stimme, die schnell gewahrten; daß das, was man nun als „Geist das Konzils“ ausgab, nichts mit seinen Texten und seiner Intention zu hatte. „Look, what they’ve done to my song. Ma!“ klagt sie der Gottesmutter. Und adaptiert damit für breite Volksschichten die Positionen eine Ratzinger, der später vom Verrat am Konzil sprach oder Dietrich von Hildebrands „Der zerstörte Weinberg des Herrn“.

Ganz anders der Wolfgang aus Österreich. Ein raffinierter Bursch, der schon 1971 eine Praxis des Bruches mit der Tradition eloquent abstreiten konnte? Was habt ihr denn, in unserem Trödelladen hat nun alles Platz, die Tradition ist doch auch im Sortiment, kein Jota wird verschwiegen! Alles ist erlaubt in der neuen Kirche, nur irgendwie abrahamitisch muß sie sein! Passend in der Sendung „Wünsch Dir was!“vorgetragen und in der damals modernen Splitscreentechnik aufgepimpt. „Das Lied vom Trödler Abraham“

In unserer Redaktion gibt es aber auch Stimmen, die Wolfgang als den wahren Tradi ansehen und seinen Song als höhnischen Protest gegen die eloquenten Konzilsgeistkrämer samt subtiler Kritik an Teilen Lumen gentiums. „Nehnt den Kram und werdet froh damit!“ Und die halten denn auch Melanie für eine Ikone des konservativem Jammerlappentums, das „Das habe ich nicht gewollt“ greint, wenn es zu spät ist. „Maybe it will all be allright, Ma!“ ist für diese Minderheit Ausdruck für gefühlstriefig konservativelnden Illusionismus.
Wie auch immer. Würden wir unseren Lieblingsdominikaner dazu befragen, würde der sicher seinen Lieblingsphilosophen Walter Giller zitieren: „Es bleibt schwierig!“

Über clamormeus

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