Wer zweimal selbes Wahrheit nennt…? -Papstinterview mit „La Nacion“

Auf der Website der österreichischen Agentur kathpress wurde hier ein Interview des Papstes mit der argentinischen Zeitung „La Nacion“ subsummiert, der spanische  Originaltext kann hier gelesen werden. Gestolpert bin ich insbesondere über folgende Passage, wenn auch nicht nur über diese:

„Der synodale Prozess ist kein parlamentarischer Prozess, sondern ein geschützter Raum“, betonte der Papst. Dies sei notwendig, damit der Heilige Geist wirken könne.

Es sei zwar wahr, dass es unterschiedliche Positionen während der Synode gegeben habe, so Franziskus weiter. Doch diese hätten sich noch in einem „Stadium des Suchens nach der Wahrheit“ befunden. Für jene, die in ihren Positionen sehr festgelegt seien, müsse man beten, dass der Heilige Geist sie verwandele, so Franziskus.

Indirekt verteidigte Franziskus damit auch die Entscheidung, die Redebeiträge der Bischöfe während der Synode nicht wie bisher zu veröffentlichen. Dies war von einigen Teilnehmern als mangelnde Transparenz kritisiert worden.

Damit wird zum einen gesagt: es ist ausgeschlossen, daß die Kirche die Wahrheit kennt. Und daß folglich das, was sie zur Ehe bisher lehrte, nicht die Wahrheit ist. Wäre es anders, könnte man dann aufrufen, (auch) für jene Kardinäle eigens zu beten, die die bestehende Position der Kirche fest verteidigten auf der Synode, auf daß sie sie aufgäben, zumindest aber relativierten? Nein, sogar die Möglichkeit, daß diese Kardinäle auch nur Recht haben könnten, ist ausgeschlossen, wenn diese „verwandelt werden“ müßten. Mehr noch: es wird gesagt, diese Kardinäle bedürften erst noch des Heiligen Geistes.

Wer jetzt schon festgelegt sei auf das Lehramt (aber auch auf jede dieses verwerfende Position) kann laut päpstlicher Aussagen nicht Recht haben, denn man habe sich ja erst im „Stadium des Suchens nach der Wahrheit“ befunden“. Dies ist eine weit deutlichere Festlegung, als beispielsweise zu sagen, alles auf der Synode entschieden Vertretetene müsse noch betrachtet und geprüft werden.

Rein von in der inhärenten Logik obigen Zitats ausgehend, ist damit die bestehende Lehre zur Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe verworfen. Und unter anderem der Präfekt der sogenannten Glaubenskongregation, Kardinal Müller als Irrender dargestellt, der des Gebetes zur „Verwandlung“ bedarf. Implizit dutzende Vorgänger Franziskus ebenso.

Daran schließt sich die Frage an: muß nicht der, der sagt, alles entschieden auf der Synode vertretene sei definitiv nicht die Wahrheit, diese selbst schon kennen, wenn er dieses Urteil fällen kann? Dann wünschte er, der Geist möge alle auf der ordentlichen Synode zur Familie 2015 dahingehend erleuchten, das von ihm selbst als Wahrheit angesehene von selbst zu entdecken

Die andere Möglichkeit wäre, daß der Papst generell Festlegungen, entschiedene Standpunkte als wider den Heiligen Geist gerichtet sieht. Dazu fiele mir dann nur noch ein frei abgewandelter 68er- Spruch ein:

„Wer zweimal selbes Wahrheit nennt, der hat den Heil’gen Geist verpennt!“

Der gerühmte Rat des  „consolator optimae“ schrumpfte dann freilich zusammen auf ein „nix genaues weiß man nie“ – Konstrukt.

Aber selbst der wackere Vatikansprecher Lombardi sagte ja schon: für die Interviews dieses Papstes bräuchte es einen speziellen Hermeneutikschlüssel. Charmanteste Umschreibung ever für „was weiß ich, was der eigentlich sagen will, fragen Sie ihn oder besser nicht“? Andere weisen daraufhin, daß es „typisch jesuitisch“ ist, was er tut. Mag sein, aber ist das etwas Gutes?

Ich weiß nicht, wo man so einen Schlüssel bekommt. Und ich bin kein Jesuit. Bestenfalls „bleibt alles schwierig“.

 

Über clamormeus

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7 Antworten zu Wer zweimal selbes Wahrheit nennt…? -Papstinterview mit „La Nacion“

  1. Tarquinius schreibt:

    Puh, manchmal ist es ja auch besser, Türen verschlossen zu lassen? Ich erinnere mich da dunkel an eine Stück päpstlicher Frühstücksprosa…

    Die Frage dürfte doch sein: Die Position zu wem oder was? Wenn es die Sakramentalität der Ehe anbelangt, dann bräuchte man freilich nicht (gesondert) beten, denn in den Verteidigern derselben wohnt ja zumindest in quantum der Heilige Geist inne. Ich bin nun beileibe kein großer Perlentaucher, aber im etwas weiteren Zusammenhang scheint mir der Hl. Vater doch nicht zu spezifizieren, dass nur jene, die nicht „für eine Debatte offen sind“ (auch was das heißen soll, weiß ich nicht) vom Heiligen Geist erleuchtet werden müssen.

    Naja, wie Du schon sagst, „nichts Genaues weiß man nicht“. Beten wir, zum, äh, Heiligen Geist? Ich hoffe jedenfalls, der Sitz der Weisheit möge uns dereinst helfen, die Knoten dieser Tage zu lösen…

  2. Marienzweig schreibt:

    Papst Franziskus:
    „Ich halte ständig Reden, Predigten, und das ist das Lehramt.“
    Vielleicht sind es ein wenig zu viel Reden und Predigten, die er hält, zumindest nehme ich es so wahr.
    Im Bericht von Radio Vatikan über dieses Interview stand nichts davon, dass man für jene Kardinäle beten müsse, „die in ihren Positionen festgelegt“ seien.
    Aber ich glaube schon, dass dies im Interview so von ihm gesagt wurde.
    Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)
    Sollte Papst Franziskus dies nicht längst verinnerlicht haben?

  3. Andreas schreibt:

    Ächz! Der Mann schafft es immer genau dann, wenn ich nach irgendeiner Panne wieder halbwegs zur Seelenruhe zurückgefunden habe, irgendeinen neuen Unfug in die Welt zu setzen.

    Vor Jahren – und bevor ich selbst zu bloggen begann – gab es in der Blogozese die Aktion „Katechismus für Bittlinger“. Damals wurde, soweit ich weiß, diesem protespfäffischen Liedermacher ein KKK zugeschickt … vielleicht sollte man auch mal einen in den Vatikan schicken, adressiert Domus Sanctae Marthae …

  4. jos.m. schreibt:

    Es ist besser, seine Reden, Predigten usw nicht mehr zu lesen und zu hören. Ja, es ist besser für meinen Seelenfrieden. Die sogenannten Franziskusperlen verwirren und sugerieren uns einen gütigen Pfarrer. Ich sehe leider mehr dasjenige, was den Glauben aushöhlt, verwässern und verändern will. Und dabei weiß ich nicht einmal, ob unser Benedikt XVI. NUR einfach demütig ist…

  5. Elsa schreibt:

    Es ist ziemlich überflüssig, einen Katechismus ins S. Martha zu schicken, wenn die Glaubenskongregation direkt nebenan wohnt. Damit ist jetzt noch keine Aussage zum Verhältnis Papst Franziskus-Chef der Glaubenskongregation getroffen. Aber eine Aussage dazu, inwieweit man sich lächerlich machen könnte;-)

  6. clamormeus schreibt:

    Ich bin einigermaßen entsetzt, daß die entschiedene Verteidigung der kirchlichen Lehre (nur in diesem Punkt?) anscheinend nur unter dem Gesichtspunkt unerleuchteter Sturheit betrachtet wird. Nicht nur die Wahrheitsfrage wird beiseite gewischt, das ist auch ein Affront gegen die Vernunft und es ist geschichtslos. Die nervige Diskussion tobt jahrzehntelang, die Anfechtungen wurden gründlichst geprüft und immer wieder zwingend verworfen, insbesondere auch die Thesen Kaspers.
    Der Papst hat ihn nun in einem Sonderstatus exponiert, ihn seine etwas anders verbrämten „ollen Kamellen“ als Ouverture zur Synode auffrischen lassen. Dadurch wurde der tradierte status quo quasi von vornherein in eine Rechtfertigungshaltung gedrängt. Unter anderem fünf hochrangige Kardinäle widerlegten Kaspers Papier in theologischer Stringenz. Kann man das mit einem „Gildet nicht, ist festgelegt“ übergehen? Der feste, errungene, geprüfte Standpunkt als Sünde wider den Heiligen Geist?
    Ich will nicht behaupten, daß das der Standpunkt von Papst Franziskus ist, aber es wird in breiten Teilen der Presse aber auch der Gesellschaft so ausgelegt.

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