Stimmungsmache aller Orten

Ich weiß recht wenig über „Pegida“ und diese wenigen Eindrücke locken mich eher nicht, mich tiefer damit zu befassen. (hier geht’s zur Plattform der Bewegung, daß sie sich irgendwie als „christliche Bewegung“ bezeichnet, kann ich dem prima vista nicht entnehmen,) Kurz: bin kein Anhänger von „Pegida“, ich bin auch kein Gegner. Neugierig wurde ich erst anhand des seit Erscheinen des Sarrazin- Buchs mittlerweile schon routiniert anmutenden hochtönigen Aufschreis gewisser Politiker, Medienmacher und Institutionen. Für mich kann ich sagen, daß ich nichts übrig habe für Resentiments gegen Fremde an sich, ob das bei „Pegida“ der Antrieb vieler ist, kann und muß ich auch nicht beurteilen. Den Islam abzulehnen dagegen ist legitim, denn er beinhaltet auch ein politisches Programm, daß in einem westlichen Rechtsstaat selbtredend auch negativ bewertet werden darf.

Aus der Perpektive politischer Analyse des zunehmend unentspannten Verhältnisses etlicher Politiker und Journalisten zur Tatsache, daß das Recht auf Meinungsäußerung auch für jene gilt, deren Meinungen man ablehnt und deren Träger man für doof hält, hat u.a. H. M. Broder hier in der „Welt“ das wesentlichste dazu gesagt, ähnlich äußert sich Cora Stephan im NDR, und Chorherr Alipius bedenkenswertes aus katholischer Sicht hier auf seinem Blog.

Irritierend war die heftige Reaktionen eines katholischen Episkopen. Während Reinhard Kardinal Marx sinngemäß treffend sagte, man solle sich als Christ gut überlegen, ob man sich bei „Pegida“ engagiere und überhaupt, „hinter welchem Transparent man hinterläuft“ und Bischof Koch den Pegidianern bündig zurief, sie sollten „erstmal selbst christlich werden“, ließ der Bamberger Bischof Schick verlauten „Christen dürften da nicht mitmachen“. Dies löste anscheinend auf der Homepage seines Bistums heftige Verbalscharmützel aus, Schmähungen wurden mit Schmähungen beantwortet, woraufhin das Bistum auf seinem Facebookaccount eine Stellungnahme einstellte, hier nachzulesen. Ein Zitat:

Ein Christ darf nicht bei etwas mitmachen, das ganz oder teilweise nicht mit christlichen Grundsätzen und den Werten des Evangeliums übereinstimmt. Das ist nach allen Analysen von Experten und Institutionen bei Pegida der Fall. Deshalb steht Erzbischof Schick hinter seinem Appell.

Ich verzichte jetzt drauf das Offensichtlichste auszutappen, daß es bei dieser Prämisse für Christen geradezu geboten ist, gegen eine Verbreitung des Islam zu sein, einfach, weil dieser aus der Sicht des Evangeliums ein Irrglaube ist. Und auch die erstaunliche Nachricht, daß es in der BRD eigens Experten und Institutionen gibt, die politische Bewegungen auf die ihre Kompatibilität mit den Lehren der Kirche untersuchen, lasse ich jetzt mal als Bamberger Kuriosum stehen, die E. T. A. Hoffmann – Stadt beflügelt wohl die Phantasie.

Was mich vorrangig stört, ist zum einen diese partielle Rigorosität gegenüber einer einzelnen Gruppe. Denn wenn der erste Satz des Zitats allgemein gälte, könnte ich mich als Katholik im Grunde bei keiner einzigen politischen Bewegung oder Partei beteiligen; deren Programme stehen allesamt mehr oder minder im Widerspruch zu christlichen Grundsätzen. Und weiter gedacht: sogar sehr vieles über politische Gruppierungen hinaus und teilweise bis in Institutionen der Kirche hinein. Hat man in den letzten Jahrzehnten eine ähnliche Aufforderung eines Bischofs in bezug auf etablierte Parteien gehört, die in ihren Programmen teils sogar explizit antichristliche Positionen vertreten? Nicht mal zu den Grünen oder zur Linkspartei. Nein, nur „Dialog“ an allen Enden. Schon von daher wirkt der Bamberger Furor befremdlich.

Zum anderen erwartete ich, wenn ein Hirte dennoch auf einmal derart grollend von der Kanzel wettert, daß seine Kenntnis seiner Adressaten etwas fundierter ist als das Rauschen des Blätterwalds und das Tremolo von Politikermikrophonen. Und wenn er tatsächlich zum Schluß käme, seine Schäflein von derartigen Umtrieben fernhalten zu müssen, dann wäre eine zwingende theologische Darlegung der Gründe erforderlich.

Und vor allem erwarte ich, daß kirchliche Würdenträger nicht auf die Leitschiene der Politik aufspringen und die unhaltbare Parole, der Islam sei an sich gut und die Verbrechen, die in seinem Namen begangen werden seien das Werk einiger Fanatiker, die ihre eigene Religion nicht verstanden hätten und sie mißbrauchten. Man sollte bitte immerhin wissen, daß die Auslegung des Koran von örtlich anerkannten Autoritäten abhängt und anerkannte Islamexperten darlegen, daß eine aggressive Auslegung des „Dschihad“ zwar nicht geboten aber theologisch eben doch möglich ist. Anempfohlen seien hier nochmals die Werke des Vatikanberaters Pater Samir Khalil Samirs SJ, insbesondere sein Buch „100 Fragen zum Islam“. (hier ein Anriß auf diesem Blog )

Wer aber unfundierte Schönfärberei betreibt, setzt sich dem Verdacht aus, daß es ihm nicht so sehr um sein berechtigtes Anliegen, Muslime vor Generalverdacht zu schützen, sondern um Erstickung jedweder Diskussion um den Islam als solchen geht. Diese Debatte muß aber geführt werden, allein schon im Interesse des zivilisierten Zusammenlebens. Angesichts allein dieses Jahr von Muslimen im Namen des Islam verursachter Hunderttausender Toter, Vertriebener, Vergewaltigter und Versklavter mutet es grotesk an, mit welch ungleich größerem Furor man einige Tausend Dresdner angeht, die bisher nichts getan haben, außer im rechtsstaatlichen Rahmen ihre Anliegen zu äußern. Der Vorwurf „diffuser Ängste“, Ideologieverfangenheit und irrationaler Stimmungsmache fällt so auf die Erheber desselben zurück. Und wie es auf die unzähligen Opfer des Islamismus wirken muß, daß gegen „Pegida“ eilends große Gegenkundgebungen zusammengetrommelt werden, ein wirklicher und angemessener Aufschrei gegen ihr Schicksal aber ausbleibt, muß nicht erörtert werden.

Wenn es dann noch ein medienaktiver Provinzpriester unternimmt, auf seinem Blog gar nicht mal so sehr zwischen den Zeilen einen charakterlichen Konnex von Christen, die er als „fundamentalistisch“ branded mit den islamistischen Menschenschlächtern, Vergewaltigern und Räuberhorden zu behaupten, ist jedes Maß vollends überschritten. Zugute halten könnte man ihm höchstens noch, daß er in seinem eifernd emotionalen deutschen Kirchenkampffuror übersehen hat, daß die orientalen und afrikanischen Christen, die heuer Leben, Familie, Heimat, Hab und Gut verloren haben oder um weihnachtlichen Frieden bangen müssen, in großer Mehrheit bei seinesgleichen in diese seine Schublade passen. Da kann man nur noch, da muß man sagen: dieser Priester spricht NICHT in meinem Namen. (wen’s dennoch interessiert, bitte googeln)

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Männlich (ohne Disclaimer). In Kürze mehr (ohne Gewähr).
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Eine Antwort zu Stimmungsmache aller Orten

  1. Clara Franz schreibt:

    Die PEGIDA-Leute nehmen ihr gesetzlich garantiertes Recht wahr – nämlich auf die Straße zu gehen und ihre Einschätzung über ein wirkliches oder auch nur eingebildetes Problem öffentlich zu bekunden.
    Wenn z.B. Gerhard Schröder arrogant von diesen Menschen als von einem „kruden Haufen“ spricht, belegt das doch nur, wie er und andere wirklich über die Menschen denken.
    Dies wiederum bestätigt die Meinung der Demonstrierenden über Politiker und so werden sie sich also schon gefühlsmäßig gezwungen sehen, sich noch mehr zusammenzuschließen.

    Herrn Erzbischof Schick habe ich eine Mail gesandt.
    Auszug daraus:
    „Noch nie, so mein Eindruck, mussten sich Menschen von ihrer Kirche dermaßen verlassen fühlen wie in den vergangenen Monaten und Jahren.
    Menschen – Arbeitnehmer, Arbeitslose, Klein-Rentner, Familien, alle wurden und werden mit Dingen konfrontiert, die sie ängstigen, überfordern, entmutigen.
    Sie alle, ob gläubig oder nicht, sind mittlerweile auf sich allein gestellt.
    Interessen der Hochfinanz, der Wirtschaftsmonopole, der Politik, die
    Einflussnahme durch mächtige Lobbygruppen, teilweise Bevormundung staatlicher Stellen – dies alles lässt in ihnen ein Gefühl der Ohnmacht und der totalen Bedeutungslosigkeit entstehen.
    Und nun kommt noch das Gefühl einer Art Überflutung durch Menschen anderer Kulturkreise hinzu.
    Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass die Leute beginnen, darüber
    nachzudenken, welchen Situationen sie mehr und mehr ausgesetzt werden, ohne darüber befragt worden zu sein.
    Sie haben sich, lieber Herr Erzbischof, für Menschlichkeit und Anteilnahme für die Flüchtlinge, Asylanten und Zuwanderer ausgesprochen.
    Darf ich Sie daran erinnern, dass diese Menschlichkeit und Anteilnahme doch auch
    Jenen gelten sollte, die überzeugt sind, auf die Straße gehen zu müssen, damit man sie überhaupt wahrnimmt.
    Bitte geben Sie den PEGIDA-Leuten die Chance, die katholische Kirche und ihre Bischöfe auch als verständnisvolle Instanz wahrzunehmen.
    Vielleicht geschieht dadurch in so manch einer ungläubigen Seele eine gewisse Umkehr und -wer weiß- irgendwann sogar Hinwendung zu Gott.“

    Antwort habe ich inzwischen von einem Angestellten der „Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit“ erhalten.
    Nichts als Rhetorik, meiner Meinung nach.

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